und ein Theaterstück für eine höhere Wahlbeteiligung sorgen. Zwar stieg in den darauf folgenden Wahlen die Teilnahme um 5% an; wie viel davon allerdings auf die Anstrengungen der IEC und ihren Partnern zurückgeführt werden kann, ist unklar. Auch wenn kurzfristig die Wahlbeteiligung erhöht wird, trägt es wohl kaum zu der Bildung einer politisch informierten und interessierten Öffentlichkeit bei. Für die Zivilgesellschaft wird der Kern des Problems damit nicht erreicht. Sie unterstellt der Regierung, dass sie kein Interesse an einer breiten politischen Beteiligung hat. Im Gegenteil, die politische Elite würde alles tun, um die Anzahl der Akteure gering und manipulierbar zu halten. Dadurch würde verhindert, dass sich Botswana zu einer gelebten Demokratie ihrer Menschen entwickelt, für die politische Information und Beteiligung zum Alltag gehört. Darüber hinaus gibt es Stimmen, die der Regierung eine gezielte Strategie der subtilen Machterhaltung unterstellen und Botswana auf dem Weg zu einer Scheindemokratie von Wenigen sehen. Ausblick Eine Demokratie wird gemeinhin als konsolidiert angesehen, wenn sie auf mehreren Ebenen die entsprechenden Kriterien erfüllt. Institutionell müssen checks and balances eine übermäßige Machtkonzentration innerhalb des politischen Systems verhindern. In dieser Hinsicht ist Botswanas Demokratie trotz aller Defizite auf einem guten Weg. Darüber hinaus muss aber auch die Bevölkerung demokratisch denken und handeln. Das Verhalten vieler Batswana – vor allem das Nichtwählen – kann zwar nicht als explizit anti-demokratisch angesehen werden, zu einer Stärkung der Herrschaft durch und für das Volk trägt es allerdings nicht bei. Um dieses Defizit zu überwinden, bedarf es zunächst einer Veränderung der Einstellungen: Erst wenn die Demokratie in den Köpfen der Batswana ausreichend verankert ist – und das sowohl in Form von Wissen als auch der Bereitschaft zum politischen Handeln –, kann Botswana als konsolidierte und gelebte Demokratie angesehen werden. Die Regierung schuldet bisher den Nachweis, dass sie hierfür die Vorraussetzungen schaffen möchte. Für die Zivilgesellschaft steht die Weiterentwicklung der Demokratie und damit die Stabilität des Landes auf dem Spiel. Die neuesten Meldungen scheinen diese Sorge zu untermauern. Die Zahl der Wähler, die sich bislang für die Wahlen Ende 2009 registriert haben, ist weit geringer als erwartet. Es bedarf also noch einiger Anstrengungen, möglichst viele Batswana zum Wählen zu bewegen und weit mehr Engagement der politischen Elite, die Kultur des politischen Denkens und Handelns in der Gesellschaft zu verankern. Daher gilt es, sowohl vor als auch nach Wahlen, die Anstrengungen zu intensivieren und den Batswana die Demokratie und ihre Beteiligungsmöglichkeiten näher zu bringen. Gelänge dies, wäre es ohne Zweifel ein weiteres Kapitel dieser afrikanischen Erfolgsgeschichte. Die Autoren: Helmut Elischer ist Landesvertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Botswana. Stefan Becker studiert European Studies im Dual-Diplom-Programm an den Universitäten Münster und Twente und war Praktikant bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Botswana. Ansprechpartnerin: Evelyn Ehrlinspiel Friedrich-Ebert-Stiftung Afrika Referat Hiroshimastraße 17 10785 Berlin Tel: 030-26935-7439 Fax: 030-26935-9217 E-Mail: Evelyn.Ehrlinspiel@fes.de Internet: www.fes.de/international/afrika 8
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