Wahlen. Ansonsten entsteht in den Medien – nicht ganz zu Unrecht – ein von Skandalen und Korruptionsvorwürfen geprägtes Parteien- und Politikerbild. Das fehlende Vertrauen der Bürger in ihre Repräsentanten kann daher als eine wesentliche Ursache des Nichtwählens angesehen werden. Es können jedoch nicht alle Defizite des Parteiensystems auf die Parteien selbst abgewälzt werden. So existiert in Botswana beispielsweise keine staatliche Parteienfinanzierung. Die auf Mitgliedsbeiträge und(bis auf die Regierungspartei meist ausbleibenden) Spenden angewiesenen Parteien konzentrieren daher alle Anstrengungen auf den Wahlkampf. In der Zeit zwischen den Wahlen verhindern dann finanzielle und personelle Engpässe den Dialog mit der Wählerschaft. Der vorherrschende Eindruck, die Parteien interessierten sich nur kurz vor den Wahlen für die Bedürfnisse der Bevölkerung, ist somit nur teilweise richtig. Das Wahlsystem und die Wahlalternativen wirken also schon im Voraus der Abstimmungen abschreckend. Dennoch sind Nichtwähler, die ihre Entscheidung auf Grundlage solcher Überlegungen treffen, der politischen Partizipation nicht grundsätzlich abgeneigt. Aber selbst wenn sich das politische Interesse trotz aller Widrigkeiten zu der Entscheidung verfestigt hat, wählen zu gehen, können die betreffenden Vorschriften und Wahlprozeduren dies noch verhindern. Probleme vor und während der Wahl Um in Botswana am Wahltag einen Stimmzettel ausfüllen zu können, müssen nämlich einige Voraussetzungen erfüllt sein. Fernab der Einhaltung formaler Vorschriften, benötigt man zunächst einmal eines: viel Zeit. Vor den Wahllokalen stauen sich nicht selten meterlange Schlangen, in dienen die Wähler stundenlang ausharren müssen, bevor sie ihre Stimme abgeben können. Dieser Andrang resultiert weniger aus einem Mangel an Wahllokalen als vielmehr aus der Vorschrift, dass sich nur jeweils eine Person gleichzeitig in diesen aufhalten darf. So wird das Wählen in vielen Fällen zu einer Geduldsprobe, derer sich vor allem jüngere Batswana zu gerne entziehen. Um sich aber überhaupt in die Schlangen vor den Wahllokalen einreihen zu können, sind bestimmte formale Bedingungen zu erfüllen. Zunächst muss man sich registrieren; und das zu jeder Wahl aufs Neue. Um die Zahl der Registrierten zu erhöhen, wurden die Erfordernisse hierfür in den letzten Jahren gelockert. Weiterhin scheitern jedoch viele Registrierungsversuche an dem völligen Fehlen eines Identitätsnachweises. Hat man sich dann in einem bestimmten Wahlbezirk registriert, kann auch nur in diesem gewählt werden. Diese Regelung trifft die nicht unwesentliche Anzahl jener Einwohner, die sich beruflich oft fern ihres Wohnsitzes aufhalten. All diese Probleme vor und während des Wahltages entmutigen viele Batswana, die grundlegend gewillt sind, ihre Stimme abzugeben. Die Antwort der Politik Die Gesellschaft und Regierung hat das Problem der Wählerapathie mittlerweile erkannt und entsprechende Initiativen gestartet. Allerdings dauerte es bis zu den Wahlen im Jahr 1999, dass die für Wahlangelegenheiten zuständige Independent Electoral Commission(IEC) eine Studie zu diesem Thema in Auftrag gab. Auf Basis der Ergebnisse – die den obigen Erklärungsansätzen entsprechen- wurde daraufhin eine Kampagne zur Stärkung der Wahlbeteiligung gestartet. Diese sollte unter dem Motto 'Mmutlanyana-wa-Ditlhopho'(Es ist klug und edel, zu wählen) zunächst das Bewusstsein für Wahlen und Beteiligung innerhalb der Bevölkerung schärfen. Instrumente waren dabei sowohl vermehrtes Werben in den Medien sowie die Vergabe von Werbegeschenken. Außerdem hielt die IEC in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern„Voter Education Workshops“ ab. Zusätzlich sollten ein Wahlsong 7
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