so dass es seit 1904"zu einer kontinuierlichen gemeinsamen Tarifpolitik" kam, die auch bei den großen tarifpolitischen Konflikten vor dem Ersten Weltkrieg aufrechterhalten wurde. 64 Während der Zentralverband christlicher Maler aufgrund der geringen Mitgliederzahl eher eine randständige Rolle spielte, galt der mitgliederstärkere Zentralverband christlicher Bauarbeiter im Kaiserreich und in der Weimarer Republik immerhin als so einflussfähig,"dass seit 1910 kaum ein Arbeitskampf erfolgreich gegen den erklärten Willen und schwerlich ohne die Zustimmung der christlichen Organisationen geführt werden konnte". 65 Allerdings waren die Christlichen Gewerkschaften im Baugewerbe ebenso wie die Freien Gewerkschaften von den politischen und ökonomischen Krisen betroffen. Die Mitgliederentwicklung(vgl. Tabelle 5) deutet diese phasenweise(Erster Weltkrieg) organisationsgefährdenden Tendenzen an; die hohe Arbeitslosenquote unter den Mitgliedern in der Weltwirtschaftskrise(bis zu 90%) 66 , die die Bestands- und Handlungsfähigkeit auch der christlichen Bauarbeitergewerkschaften gefährdete, lässt sich aus den relativ geringen Mitgliederverlusten bis 1931 kaum erahnen. Auch für die christlichen Gewerkschaften gehörten Information und Unterrichtung der Mitglieder zu den wichtigen Verbandsaufgaben. Über eine stetige Kommunikation mit den Mitgliedern sollte und konnte die Verbandsloyalität verstärkt, das Interesse am Verbandsgeschehen geweckt und vielleicht sogar eine aktive Verbandsmitgliedschaft initiiert werden. Die Verbandspresse diente nicht zuletzt auch der Abgrenzung zu konkurrierenden Verbänden, allen voran den sozialdemokratischen Organisationen. Beide christlichen Gewerkschaften im Baugewerbe hatten daher frühzeitig und kontinuierlich eigene Verbandsblätter herausgegeben, um die Mitglieder zu instruieren. Der Zentralverband christlicher Bauarbeiter gab seit dem 13. Mai 1890 die Wochenzeitung"Die Baugewerkschaft" heraus; und auch der relativ mitgliederschwache Zentralverband christlicher Maler unterhielt seit 1904 mit"Der deutsche Maler" ein eigenes Verbandsorgan. Konzentration und Fusion Der Berufsverband, dessen Zuschnitt sich an die bestehenden Handwerksberufe anlehnte, war das dominierende Organisationsprinzip der in den 1880er/1890er Jahren gegründeten Gewerkschaften. 67 Im Baugewerbe entstanden eigenständige Verbände der Maurer, der Zimmerer, der Stukkateure, der Glaser, der Dachdecker, der Töpfer, der Steinsetzer, der Maler und nach der Jahrhundertwende der Isolierer und Steinholzleger sowie der Asphalteure. Eine strikte Abgrenzung bestand gegenüber un- und angelernten Arbeitern, die gezwungen waren, eine eigenständige Organisation zu gründen. Im Baugewerbe entstand 1891 der Verband deutscher Bauarbeiter und Berufsgenossen, später in Zentralverband der Bauhilfsarbeiter umbenannt. Der mitgliederstärkste Verband im Baugewerbe war von Anfang der 1890er Jahre der Zentralverband der Maurer, gefolgt vom anfangs fast gleichstarken Verband der Zimmerer. Wäh64 Werner: Organisation und Politik, S. 45. 65 Schneider: Die Christlichen Gewerkschaften, S. 87 66 Vgl. Otte: Zentralverband christlicher Maler, S. 2099. 67 Folgendes Kapitel stützt sich vor allem auf Schönhoven: Expansion, S. 332-341. 35
Druckschrift
Bauarbeitergewerkschaften in Deutschland und internationale Vereingungen von Bauarbeiterverbänden (1869 - 2004) : Protokolle, Berichte, Zeitungen ; ein Bestandsverzeichnis der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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