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Bauarbeitergewerkschaften in Deutschland und internationale Vereingungen von Bauarbeiterverbänden (1869 - 2004) : Protokolle, Berichte, Zeitungen ; ein Bestandsverzeichnis der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
Entstehung
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sie nicht langfristig die Politik und Entwicklung der Internationalen Berufssekretariate. Deren organisatorische Entwicklung in der Zwischenkriegszeit wurde vor allem durch drei Faktoren geprägt:(1) nicht zuletzt die erfahrene organisatorische Schwäche während des Ersten Welt­kriegs führte zu einer Stärkung und Formalisierung der Organisationsstruktur der Berufssek­retariate und intensivierte Intentionen zu Fusionen möglichst aller Berufssekretariate im Bau­gewerbe;(2) die weltanschauliche und politische Fragmentierung der Gewerkschaftsbewe­gung auf nationaler und internationaler Ebene führte auch im Baugewerbe zur Bildung poli­tisch-weltanschaulich konkurrierender internationaler Berufsorganisationen;(3) die politische und ökonomische Entwicklung, vor allem die Etablierung faschistischer, nationalsozialisti­scher und autoritärer Bewegungen(Ungarn, Italien, Deutschland, Österreich, Spanien, Portu­gal usf.) sowie die Folgen der Weltwirtschaftskrise beschränkten den organisatorischen Fort­schritt der Berufssekretariate, führten Anfang der 1930er Jahre zu einer"ungeplanten" Fusion der Bauarbeiter-Internationale mit der Internationalen Union der Holzarbeiter. Schließlich beendete der Zweite Weltkrieg für die Berufssekretariate im Baugewerbe ihre organisatori­sche Existenz, zumindest ihre berufspolitischen Handlungsmöglichkeiten. Institutionalisierung und Fusionen Relativ früh konnte die Bauarbeiter-Internationale vom 6.-8. Oktober 1919 in Amsterdam ihre erste Nachkriegskonferenz abhalten, die noch beherrscht war von den Kriegsdifferenzen. 124 Dennoch wurde der Sitz des BI-Sekretariats in Deutschland(Hamburg) belassen und Fritz Paeplow zum Vorsitzenden gewählt. 125 Allerdings lehnten die belgischen und französischen Vertreter zunächst eine Mitarbeit in der BI-Leitung ab. Strukturell entscheidend war, dass die Konferenz erstmals eine Satzung beschloss, mit der die BI institutionalisiert wurde. Die Kon­ferenz der Mitgliedsverbände, die alle zwei, ab 1930 alle drei Jahre tagen sollte, galt als höchstes Leitungsgremium, ein Gesamtvorstand auf der Basis von sieben, später 6 Länder­gruppen als wichtiges Entscheidungsgremium zwischen den Kongressen: Ein Geschäftsfüh­render Ausschuss, bestehend aus Vorsitzendem, Sekretär(hauptamtlich), Kassierer und(seit 1925) Vertreter der Zimmerer-Internationale bildete die operative Leitung. Der Geschäftsfüh­rende Ausschuss band jedoch das BI-Sekretariat wiederum an einen dominanten Mitglieds­verband; bei diesem war das Sekretariat angesiedelt, dieser stellte die Mitglieder des Ge­schäftsführenden Ausschusses. Zwar war mit diesen Statuten eine"festere Organisations­form" gewonnen 126 , eine größere Eigenständigkeit des BI-Sekretariats gegenüber einzelnen Mitgliedsverbänden war jedoch immer noch nicht erreicht. Zur Wahrnehmung der BI als ten­denziell eigenständige Institution mag beigetragen haben, dass vom BI-Sekretär Georg Käp­pler seit 1920 in unregelmäßiger Folge bis Ende 1932 die viersprachige"Bauarbeiter-Inter­nationale" als Mitteilungsblatt herausgegeben wurde(vgl. Tabelle 12). 124 Vgl. auch zum folgenden Carl/Köbele: Auf der Suche nach Solidarität, S. 60-66. 125 Im Jahr 1928 trat Fritz Paeplow aus Altergründen zurück, sein Nachfolger als BI-Vorsitzender wurde Nikolaus Bernhard; mit der Verlegung des Hauptsitzes des Deutschen Baugewerksbundes von Hamburg nach Berlin wurde auch das BI-Sekretariat dorthin verlegt. 126 Carl/Köbele: Auf der Suche nach Solidarität, S. 66. 64