sie nicht langfristig die Politik und Entwicklung der Internationalen Berufssekretariate. Deren organisatorische Entwicklung in der Zwischenkriegszeit wurde vor allem durch drei Faktoren geprägt:(1) nicht zuletzt die erfahrene organisatorische Schwäche während des Ersten Weltkriegs führte zu einer Stärkung und Formalisierung der Organisationsstruktur der Berufssekretariate und intensivierte Intentionen zu Fusionen möglichst aller Berufssekretariate im Baugewerbe;(2) die weltanschauliche und politische Fragmentierung der Gewerkschaftsbewegung auf nationaler und internationaler Ebene führte auch im Baugewerbe zur Bildung politisch-weltanschaulich konkurrierender internationaler Berufsorganisationen;(3) die politische und ökonomische Entwicklung, vor allem die Etablierung faschistischer, nationalsozialistischer und autoritärer Bewegungen(Ungarn, Italien, Deutschland, Österreich, Spanien, Portugal usf.) sowie die Folgen der Weltwirtschaftskrise beschränkten den organisatorischen Fortschritt der Berufssekretariate, führten Anfang der 1930er Jahre zu einer"ungeplanten" Fusion der Bauarbeiter-Internationale mit der Internationalen Union der Holzarbeiter. Schließlich beendete der Zweite Weltkrieg für die Berufssekretariate im Baugewerbe ihre organisatorische Existenz, zumindest ihre berufspolitischen Handlungsmöglichkeiten. Institutionalisierung und Fusionen Relativ früh konnte die Bauarbeiter-Internationale vom 6.-8. Oktober 1919 in Amsterdam ihre erste Nachkriegskonferenz abhalten, die noch beherrscht war von den Kriegsdifferenzen. 124 Dennoch wurde der Sitz des BI-Sekretariats in Deutschland(Hamburg) belassen und Fritz Paeplow zum Vorsitzenden gewählt. 125 Allerdings lehnten die belgischen und französischen Vertreter zunächst eine Mitarbeit in der BI-Leitung ab. Strukturell entscheidend war, dass die Konferenz erstmals eine Satzung beschloss, mit der die BI institutionalisiert wurde. Die Konferenz der Mitgliedsverbände, die alle zwei, ab 1930 alle drei Jahre tagen sollte, galt als höchstes Leitungsgremium, ein Gesamtvorstand auf der Basis von sieben, später 6 Ländergruppen als wichtiges Entscheidungsgremium zwischen den Kongressen: Ein Geschäftsführender Ausschuss, bestehend aus Vorsitzendem, Sekretär(hauptamtlich), Kassierer und(seit 1925) Vertreter der Zimmerer-Internationale bildete die operative Leitung. Der Geschäftsführende Ausschuss band jedoch das BI-Sekretariat wiederum an einen dominanten Mitgliedsverband; bei diesem war das Sekretariat angesiedelt, dieser stellte die Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses. Zwar war mit diesen Statuten eine"festere Organisationsform" gewonnen 126 , eine größere Eigenständigkeit des BI-Sekretariats gegenüber einzelnen Mitgliedsverbänden war jedoch immer noch nicht erreicht. Zur Wahrnehmung der BI als tendenziell eigenständige Institution mag beigetragen haben, dass vom BI-Sekretär Georg Käppler seit 1920 in unregelmäßiger Folge bis Ende 1932 die viersprachige"Bauarbeiter-Internationale" als Mitteilungsblatt herausgegeben wurde(vgl. Tabelle 12). 124 Vgl. auch zum folgenden Carl/Köbele: Auf der Suche nach Solidarität, S. 60-66. 125 Im Jahr 1928 trat Fritz Paeplow aus Altergründen zurück, sein Nachfolger als BI-Vorsitzender wurde Nikolaus Bernhard; mit der Verlegung des Hauptsitzes des Deutschen Baugewerksbundes von Hamburg nach Berlin wurde auch das BI-Sekretariat dorthin verlegt. 126 Carl/Köbele: Auf der Suche nach Solidarität, S. 66. 64
Druckschrift
Bauarbeitergewerkschaften in Deutschland und internationale Vereingungen von Bauarbeiterverbänden (1869 - 2004) : Protokolle, Berichte, Zeitungen ; ein Bestandsverzeichnis der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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