Konzentrationsprozess in der Weimarer Republik Fritz Paeplow, von 1913 bis 1927 Vorsitzender des Deutschen Bauarbeiterverbandes, setzte sich zusammen mit Robert Dissmann(Deutscher Metallarbeiter-Verband, DMV) auf dem Leipziger ADGB-Kongress 1922 dafür ein, das tradierte Berufsverbandsprinzip durch das umfassendere Industrieverbandsprinzip zu ersetzen. 82 Der Organisationsfortschritt lag jedoch während der Weimarer Republik auch für den Deutschen Baugewerksbund(DBB) nicht darin, alle Arbeitnehmer der Bauindustrie betriebsbezogen zu erfassen. Es ging zunächst um die Verschmelzung berufsverwandter Gewerkschaften zu einer leistungsfähigeren Organisation. Aber selbst das gelang dem ehemaligen Maurerverband nur bedingt. Maler, Steinarbeiter und Zimmerer blieben eigenständig, und die Statusgrenze zu den technischen und kaufmännischen Angestellten der Baubranche 83 wurde während der Weimarer Zeit nur so weit überschritten, wie der DBB eine Fachgruppe für Poliere(Werkmeister) einrichtete. Neben Maurern und Bauhilfsarbeitern hatten sich im Deutschen Bauarbeiterverband bzw. Deutschen Baugewerksbund, wie er seit der Fusion von 1923 hieß, nur wenige kleinere Verbände zusammengefunden: Glaser(1922: 4.006 Mitglieder), Töpfer(1922: 11.599 Mitglieder), Asphalteure(1923: 1.172 Mitglieder) sowie Dachdecker(1930: 10.380 Mitglieder). Ein Industrieverband war durch die Fusion und die Anschlüsse nicht entstanden, eher eine Gewerkschaft als Multiberufsverband im Baugewerbe. 84 Auch in diesem Verband dominierten noch 1931 die Maurer mit 47% der Mitglieder(182.701 von insgesamt 390.306 Mitgliedern), gefolgt von den Bauhilfsarbeitern mit 27,8%(108.417 Mitgliedern)(vgl. Schaubild 3: Fusionen und Anschlüsse). Schwaab: Die Geschichte des Verbandes der ausgeschlossenen Bauarbeiter Deutschlands – ein Beitrag zur Entwicklung des Kampfes der Kommunistischen Partei Deutschlands um die Gewerkschaftseinheit als eines wichtigen Bestandteils der Aktionseinheit der Arbeiterklasse in den ersten Jahren der Weimarer Republik, Diss. phil, Ms., Leipzig 1964. 82 Vgl. Salomon Schwarz: Handbuch der Gewerkschaftskongresse(Kongresse des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes), Berlin 1930, S. 277 ff. 83 Sie wurden innerhalb der Freien Gewerkschaften vom Polier-, Werk- und Schachtmeisterbund für das Baugewerbe Deutschlands, vom Bund der technischen Angestellten und Beamten und vom Zentralverband der Angestellten organisiert, die sich dem Allgemeinen freien Angestelltenbund(AfA) anschlossen. 84 Die Satzung des DBB, die auf dem Verbandstag des Deutschen Bauarbeiterverbandes 1922 beschlossen wurde, sah eine Organisationsstruktur vor, die neben einer territorialen Gliederung(Zahlstellen, Vereine/ Baugewerkschaften als unterstes selbständiges Verwaltungsorgan, Bezirksverbände und Bundesvorstand) eine berufsfachliche hatte. Auf örtlicher Ebene konnten Vereinsfachgruppen der jeweils vertretenen Berufsgruppen gebildet werden. Die Berufsgruppen bildeten auf Reichsebene"Reichsfachgruppen" und hielten Verbandstage der Berufsverbände ab. Diese Verbandstage wählten die Delegierten des Bundestages. Vgl. Entwurf einer Satzung des Deutschen Baugewerksbundes, in: Deutscher Bauarbeiterverband: Niederschrift über die Verhandlungen des vierten ordentlichen Verbandstages, abgehalten in Leipzig vom 8. bis 13. Mai 1922, Hamburg 1922, S. 76-106. Neben der Bewahrung einer berufsverbandlichen Interessenvertretung war mit diesem Organisationsaufbau eine"Mediatisierung" der lokalen Baugewerkschaften/Vereine verbunden, die nicht mehr unmittelbar auf der Bundesverbandsebene vertreten waren. Gleichzeitige wurde die Zentralisierung von Einfluss, Ressourcenverfügung, Entscheidungs- und Kontrollkompetenzen beim Bundesvorstand weitergeführt, während durch die Verringerung der Verwaltungsstellen und die Professionalisierung der Gewerkschaftsarbeit die'Mediatisierung' der Mitglieder voranschritt. Zentralisierung und Professionalisierung des Baugewerksbundes reagierten nicht allein auf die organisatorischen und bürokratischen Anforderungen einer Massenorganisation, Zentralisierung und Ausbau von Kontrollrechten beim Bundesvorstand dienten auch der Abwehr von Fraktionsbildungen innerhalb der Gewerkschaft. 42
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Bauarbeitergewerkschaften in Deutschland und internationale Vereingungen von Bauarbeiterverbänden (1869 - 2004) : Protokolle, Berichte, Zeitungen ; ein Bestandsverzeichnis der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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