Tabelle 7: Mitgliederentwicklung 1914-1915 Jahr 1914 1915 1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal 4. Quartal 1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal 4. Quartal Mitgliederstand 300.144 309.562 181.386 152.622 124.640 105.980 94.046 82.983 Kriegsdienst - 97.817 - 65.626 Quelle: Deutscher Bauarbeiterverband: Jahrbuch 1915, Hamburg 1916, S. 87, 90 Die Mitgliederverluste begrenzten die Handlungsfähigkeit des Bauarbeiterverbandes zwischen 1914 und 1918. Politik und Aktivitäten des Verbandes wurden von der bis November 1918 durchgehaltenen"Burgfriedenspolitik" des Vorstandes, der dabei auf die Unterstützung der meisten Mitglieder und Funktionäre des Bauarbeiterverbandes zählen konnte, bestimmt. 77 Aufgrund des geringen innerverbandlichen Protestpotentials im Bauarbeiterverband wurde der Verbandstag im März 1918, der erste seit Beginn des Krieges, nicht zu einem Fanal gegen die Verbandsführung, auch wenn sich die Opposition mit Heinrich Brandler zu Wort meldete. Die November-Revolution führte nicht – wie beim Deutschen Metallarbeiterverband – zu einem Austausch der Gewerkschaftsspitze. Auf dem Verbandstag im Mai 1920 wurde der gesamte Vorstand kollektiv im Amt bestätigt"gegen wenige Stimmen mit großer Mehrheit". 78 Fritz Paeplow, seit 1913 als Nachfolger von Theodor Bömelburg Verbandsvorsitzender, wurde sowohl auf dem Verbandstag 1918 als auch auf den folgenden Verbandstagen 1919, 1920 und 1922 wiedergewählt. Die Auseinandersetzung mit der linken Opposition, die der USPD und vor allem der KPD angehörte, hatte weniger die Politik des Burgfriedens zum Gegenstand als die wirtschaftsund gesellschaftspolitischen Grundsatzfragen der Weimarer Republik. Sie wurde innerhalb und außerhalb des Bauarbeiterbundes ein bestimmendes Element der Verbandspolitik in der Weimarer Republik bis zur Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933. Linke Opposition im Bauarbeiterverband Die linke Opposition von Baugewerkschaftern, die der USPD und vor allem der KPD angehörten 79 , vermochte zwar nicht die Beschlüsse der Verbandstage des Deutschen Bauarbeiterverbandes von 1919, 1920 und 1922 zu bestimmen. Sie konnte aber mit Anträgen, die den 77 Darauf verweist die geringe kriegskritische Opposition auf den Verbandstagen von 1918 bis 1920 ebenso wie die protestlose Abweisung von Anträge, die den Ausschluss von August Winnig und Fritz Paeplow auf dem Verbandstag 1919 forderten. 78 Deutscher Bauarbeiterverband: Niederschrift über die Verhandlungen des dritten ordentlichen Verbandstages, abgehalten zu Karlsruhe in der städtischen Festhalle vom 8. bis 14. Mai 1920, Hamburg 1920, S. 436. 79 Werner: Organisation und Politik, S. 97, Anm. 38, geht davon aus, dass auf dem außerordentlichen Verbandstag, der vom 4.-6. Mai 1919 in Weimar stattfand, die linke Opposition um KPD und USPD etwa ein Fünftel der Delegierten, auf dem Karlsruher Verbandstag 1920 knapp 30% der Delegierten stellte. 39
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Bauarbeitergewerkschaften in Deutschland und internationale Vereingungen von Bauarbeiterverbänden (1869 - 2004) : Protokolle, Berichte, Zeitungen ; ein Bestandsverzeichnis der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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