Die Ergebnisse zu all diesen Themenkomplexen zeigt Abbildung 8 in Form von Mittelwerten zu verschiedenen Aussagen(mit jeweils fünfstufigen Antwortskalen), die wir unseren Befragten vorgelegt haben. In der Abbildung finden sich die genauen Wortlaute der Fragen. Insgesamt fällt auf, dass keine der Aussagen auf breite Zustimmung bei jungen Menschen trifft – womit allerdings verschiedene inhaltliche Punkte verbunden sind. Die größten Zustimmungswerte(genau genommen: die geringste Ablehnung) finden Aussagen, wonach 16-Jährigen die nötige Reife fehle; gefolgt von der Aussage, nur Wissende sollten wählen dürfen. Junge Menschen gehen also offenkundig mit sich und ihren Altersgenoss:innen recht streng ins Gericht. Dabei zeigen sich bei beiden Aussagen auch gewisse Unterschiede nach dem Grad formaler Bildung – erneut besteht eine größere Zurückhaltung in Bezug auf die Ausweitung des Wahlrechts bei Menschen, die kein Abitur haben oder anstreben. Auch der Flickenteppich beim Wahlalter – Wählen ab 16 hier, Wählen ab 18 dort – löst keine besonders starken Reaktionen aus. Die Frage, ob sie solche Muster„schlecht finden“, löst jedenfalls keine Zustimmung aus – das Problem wird nicht wirklich als solches gesehen oder als dringlich empfunden. Klare Ablehnung findet man dagegen bei anderen Themen: Eine Wahlaltersgrenze für Ältere wird abgelehnt, ebenso die Idee, dass 16-Jährige in Parlamente gewählt werden dürfen. Auf die stärkste Ablehnung trifft die Idee eines Familienwahlrechts, bei dem Eltern stellvertretend für minderjährige Kinder zusätzliche Stimmen erhalten. Bei Menschen mit formal hoher Bildung fällt sie sogar noch geringer als bei anderen aus. Schaut man sich anstelle von Bildungs- die Altersunterschiede an (Ergebnisse nicht ausgewiesen), so finden sich diese vor allem für die Frage der Reife bei 16-Jährigen: Diese bewerten 18- bis 20-Jährige skeptischer als die Jüngeren. Insgesamt werden die Aussagen aber sehr ähnlich bewertet, auch wenn man sich Differenzierungen nach Stadt/Land, Ost/West oder Geschlecht anschaut. 3.4 ZWISCHENFAZIT Insgesamt ist das„Wählen ab 16“ für viele junge Menschen Realität, gerade wenn es um Kommunal-, Landtagsoder seit 2024 eben auch Europawahlen geht. Das spiegelt sich vor allem in den Antworten zum – aus ihrer Sicht – idealen Wahlalter für diese verschiedenen Wahlebenen wider. Zugleich sehen wir aber an verschiedenen Stellen, gerade bei Binnendifferenzierungen nach dem Grad formaler Bildung, auch Unsicherheit und Zurückhaltung. Dies beginnt schon bei der Frage des Wissens um die eigene Wahlberechtigung. Es gilt aber auch, wenn es um die Wahrnehmungen der eigenen Rolle und Kompetenz geht. Gewisse Zweifel an der Reife 16- und 17-Jähriger werden laut, zudem wird auch die Aussage, dass nur Wissende wählen dürfen, nicht einhellig abgelehnt. Das Wahlrecht für Ältere zu kappen, wird dagegen stark abgelehnt, ebenso das passive Wahlrecht für 16- und 17-Jährige oder auch Änderungen im Sinne eines Familienwahlrechts. Knallharte Durchsetzung eigener Interessen sieht letztlich anders aus – aber man kann das alles auch so lesen, dass Unsicherheiten rund um die eigene Rolle und die eigenen Interessen verbreitet sind. Dafür spricht die erkennbare Orientierung am Status quo bei den Fragen nach dem idealen Wahlalter. Die Meinungen junger Menschen sind keineswegs und unabhängig von geltendem Recht fix, sondern durchaus flexibel. Dafür sprechen auch einige Unterschiede zwischen der Vor- und der Nachwahlbefragung – etwa der im Laufe des Wahlkampfs offenkundig größer gewordene Ärger bei 15-Jährigen darüber, dass sie nicht wählen durften, aber auch das zunehmende Wissen über die eigene Wahlberechtigung. ← 14 JUGEND WÄHLT DEZEMBER 2024 FES diskurs
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Jugend wählt : Perspektiven junger Menschen auf Wahlalter, politische Informationen und Parteien bei der Europawahl 2024
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