wahr, wie Grüne-Wähler:innen usw.? Abbildung 20 zeigt die entsprechenden Ergebnisse. Die einzelnen, farblich markierten Punkte definieren sich über die Wahlabsicht der befragten Personen für die verschiedenen Parteien; die Positionierung der Punkte auf der horizontalen Achse (zwischen –5 und+5) zeigt die affektive Haltung – positiv oder negativ – gegenüber den Wähler:innen verschiedener Parteien an. Grundsätzlich gilt: Mit der Wahlabsicht für eine Partei gehen jeweils positive Gefühle gegenüber den(gleichgesinnten) Wähler:innen der eigenen Partei einher. In allen Fällen sind die Bewertungen für die Anhängerschaft der „eigenen“ Partei mit Abstand am positivsten; sie liegen meistens im Mittel um+3. 9 Aus Sicht affektiver Polarisierung ist somit festzuhalten: Die„In-Group“ – also die Wahrnehmung anderer Wähler:innen„meiner“ Partei – wird eindeutig positiv wahrgenommen. Aber inwieweit werden die Wähler:innen anderer Parteien negativ bewertet? An dieser Stelle sehen wir sehr viel Varianz. Es lassen sich drei unterschiedliche Muster erkennen. Bei der Wahrnehmung der Wählergruppen von vier Parteien – CDU, CSU, SPD und FDP – lassen sich zwar deutliche Bewertungsunterschiede in Abhängigkeit von der eigenen Wahlabsicht erkennen; diese bleiben aber„im Rahmen“. Die Mittelwerte erreichen minimal Werte um –2, was bei der Wahrnehmung der Wähler:innen von Union und FDP vor allem an den Bewertungen durch Anhänger:innen der Linken liegt; bei den SPDWähler:innen sind AfD-Wähler:innen sehr ablehnend (und auch als einzige eindeutig im Mittel negativ eingestellt). Zweitens erweist sich auch hier das BSW als (neuer) Spezialfall: Hinsichtlich der Wahrnehmung der BSW-Wähler:innen liegen die mittleren Werte aller anderen Parteien sehr nah rund um –1, was wohl dafürspricht, dass gerade auch u nter unseren jungen Befragten noch sehr viel Unklarheiten hinsichtlich dieser neu gegründeten Partei bestehen, was wiederum eine affektive Positionierung offenkundig eher erschwert. Drittens gibt es schließlich ein ähnliches Muster für die Wahrnehmung von AfD-, Grüne- und Linken-Wähler:innen. Junge Menschen, die Grüne, Linke, aber auch SPD wählen wollen, schauen auf die AfD-Anhänger:innen mit extrem negativen Gefühlen; nur geringfügig positiver fallen die Bewertungen von AfD-Wähler:innen durch Anhänger:innen von FDP, Union und BSW aus. Bezüglich der GrünenWähler:innen ist das Bild etwas anders. Nur potenzielle AfD-Anhänger:innen kommen zu extrem negativen Urteilen gegenüber der Grünen-Wählerschaft, während alle anderen Wahlabsichten mit nur schwach negativen oder gar positiven Einschätzungen einhergehen. Ähnlich fällt die Wahrnehmung der Wähler:innen der Linken aus – mit dem kleinen Unterschied, dass Unions- und FDPWähler:innen hier kühler eingestellt sind. In einem allerletzten Schritt wollen wir die Perspektive umdrehen und fragen: Welchen anderen Wählergruppen fühlen sich die Wähler:innen verschiedener Parteien eigentlich noch(relativ) nahe? Unions-Wähler:innen bewerten etwa die Gruppe der SPD-, aber auch der FDPWähler:innen leicht positiv; umgekehrt bewerten aber auch SPD-Wähler:innen die Gruppe der CDU-Wähler:innen p ositiv, ebenso die Gruppe der Grünen-Wähler:innen. Letzteres gilt wiederum auch umgekehrt: Wähler:innen der Grünen bewerten die Gruppe der SPD-Wähler:innen sehr positiv; ähnlich positiv stehen ansonsten nur Wähler:innen der Linken der Gruppe der Grünen-Wähler:innen gegenüber. FDP-Wähler:innen stehen Wähler:innen der Union recht nahe; einzig Wähler:innen des BSW, aber noch mehr der AfD können sich nicht für die Wähler:innen anderer Parteien erwärmen, auch nicht wechselseitig. Insgesamt spiegeln sich hier auch reale politische Koalitionen wider; man sieht aber auch die(populistische) Ablehnung anderer Parteien und ihrer Wählerschaft durch BSW- und AfD-A nhänger:innen. 5.3 ZWISCHENFAZIT Auch für junge Menschen gilt: Es sind polarisierte Zeiten. Die wahrgenommene Wählbarkeit bestimmter Parteien, aber auch die Wahrnehmungen der Wählerschaften bestimmter Parteien unterscheiden sich sehr deutlich in verschiedenen Gruppen. Dies ist sowohl für die Wählbarkeit wie auch die Wahrnehmung der Wählerschaften für Grüne und AfD sehr deutlich geworden. Wir sehen dabei innerhalb der Gruppe junger Menschen Unterschiede, wie sie auch andere Studien und Befunde für die Bevölkerung insgesamt zeigen, etwa zwischen Mann und Frau, Stadt und Land, aber gerade auch nach formaler Bildung. Und diese produzieren bei gemeinsamer Betrachtung dieser Merkmale eklatante Unterschiede. Das hat sich in den beiden Kontrastgruppen, die wir zu diesem Zweck gebildet haben – junge Frauen mit hoher Bildung in Großstädten vs. junge Männer ohne hohe Bildung außerhalb von Großstädten – deutlich gezeigt: Die Wählbarkeit der AfD etwa ist in der ersten Gruppe kaum messbar, während sie in der zweiten Gruppe auf Platz 1 liegt! In der Tendenz finden sich auch für die anderen Parteien Unterschiede, die aber bei Weitem nicht so groß ausfallen, wie dies bei Grünen und AfD der Fall ist; am ehesten noch findet man das für die Linke. Ein Sonderfall bildet das BSW, das zum Zeitpunkt der Befragung noch sehr neu in der politischen Arena war und in der Folge noch nicht sehr profiliert und polarisiert wahrgenommen wird. ← 9 Einzig für die Bewertung von CSU-Wähler:innen gilt dies nicht; die Wahlabsicht umfasst allerdings auch CDU und CSU – und in dieser Grup pe befinden sich mehrheitlich CDU-Anhänger:innen. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 29
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Jugend wählt : Perspektiven junger Menschen auf Wahlalter, politische Informationen und Parteien bei der Europawahl 2024
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