4 INFORMIERTHEIT UND INFORMATIONSVERHALTEN An einigen Stellen haben wir bereits gewisse Unsicherheiten bei den Betroffenen feststellen können; sogar die Aussage, dass Menschen nur dann ein Wahlrecht haben sollten, wenn sie über genügend Wissen verfügen, fand eine gewisse Zustimmung bei den jungen Befragten. Natürlich ist es höchst wünschenswert, dass Wahlberechtigte mit viel Wissen rund um die zur Wahl stehenden Personen und Parteien und deren Positionen in die Wahlkabine gehen, um ihr Kreuzchen zu machen. Allerdings ist dies weniger eine normative als vielmehr eine empirische Frage. Das Wahlrecht ist grundsätzlich kein bedingtes Recht. Erinnert sei an dieser Stelle auch an zahlreiche Wissensstudien, die regelmäßig zu dem Ergebnis kommen, dass bei Weitem nicht alle Menschen(und das gilt weit über den Kreis junger Menschen hinaus) alles wissen – eher das Gegenteil ist der Fall.„The mean is low and the variance is high“ – auf diese berühmte Formel hatte Philip Converse(1990: 372) einmal den Stand des Wissens in der Bevölkerung zugespitzt. In jedem Fall ist dies der Hintergrund, vor dem wir uns nun Fragen der subjektiven Informiertheit und dem Informationsverhalten, insbesondere auch mit Blick auf neue soziale Netzwerkplattformen zuwenden wollen. 4.1 SUBJEKTIVE INFORMIERTHEIT Wenden wir uns im ersten Schritt der subjektiven Informiertheit junger Menschen zu:„Wie gut oder schlecht fühlen Sie sich über die politischen Parteien und ihre Programme zur Europawahl informiert?“, lautete unsere Frage. Mit Blick auf Abbildung 9 ließe sich in Anlehnung an Converse bezogen auf die subjektive Informiertheit sagen:„The mean is close to the middle and the variance is high.“ Vor der Wahl sehen wir die mittlere Antwortkategorie als häufigste Nennung. Auffallend ist dabei, dass dieses Muster für Befragte, die nicht das Abitur haben oder ans treben, im Vergleich sogar noch deutlicher hervortritt – ohne dass damit Unterschiede zwischen beiden Gruppen im Mittel verbunden wären. Vielmehr sind bei Subjektive Informiertheit über Parteien und Programme zur Europawahl nach formaler Bildung in der Vor- und Nachwahlwelle „Wie gut oder schlecht fühlen Sie sich über die politischen Parteien und ihre Programme zur Europawahl informiert?“ [Antworten auf fünfstufiger Skala zwischen„sehr schlecht“ und„sehr gut“. Für die Nachwahlbefragung entsprechend rückblickend erfragt.] Verteilung auf einzelne Antwortkategorien in Prozent Vorwahl Nachwahl 50 40 30 20 10 0 Abitur: nein sehr schlecht sehr gut Abitur: ja Abitur: nein Abitur: ja QUELLE: Jugendwahlstudie zur Europawahl 2024, eigene Darstellung. Abb. 9 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 15
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Jugend wählt : Perspektiven junger Menschen auf Wahlalter, politische Informationen und Parteien bei der Europawahl 2024
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