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Wie funktioniert die Europäische Union? : das Europäische Parlament im Fokus
Entstehung
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Ein Spaziergang durch das Europaviertel in Straßburg Das Straßburger Europaviertel liegt im Nordosten der historischen Alt­stadt und lässt sich von dort aus mit der Tram in knapp 20 Minuten errei ­chen. Die Bezeichnung»Europavier­tel« ist dazu angetan, Uneingeweih­te zu verwirren. Zum einen sind die dort beheimateten Institutionen im Gegensatz etwa zum Brüsseler Europaviertel nicht samt und son­ders der Europäischen Union zuzu­rechnen, zum anderen entspricht dieses Viertel keiner eigentlichen Verwaltungseinheit, sondern er­streckt sich über mehrere Stadtteile (Orangerie, Robertsau und Wacken). Unser Spaziergang beginnt an der Tramhaltestelle»Parlement Euro­péen« . Von hier blickt man direkt auf den Hauptsitz des Europäischen Parlaments. Besonders auffällig ist der Abgeordnetenturm des Louise­Weiss-Gebäudes. Auf der rechten Seite sieht der Turm nur halb fertig gebaut aus eine bewusste Ent­scheidung der Architekten, um auf die noch nicht vollendete Entwick­lung der EU hinzuweisen. Auch im Gebäude selbst finden sich viele Anspielungen auf Straßburg und den deutsch-französischen Frieden, welcher für die europäische Integra­tion maßgeblich war. Unmittelbar neben dem Parlament erstreckt sich über 12 Hektar die aus 140 pastellfarbenen Einfamilien ­häuschen bestehende Gartenstadt Cité-Jardin Ungemach . Gestiftet wurde die 1928 fertiggestellte Arbei ­tersiedlung von dem elsässischen Industriellen Charles Léon Unge­mach, der als Konservenfabrikant im Ersten Weltkrieg zu Reichtum gelangt war. Übrigens nicht nur ein Akt des Philanthropismus: Nieder­lassen durften sich dort lediglich junge, gesunde Familien mit Kinder­wunsch. Beim Durchqueren dieser Siedlung gelangt man zur Uferstraße Quai du Chanoine Winterer. Hier befindet sich direkt am Kanal gelegen der deutsch-französische Kulturfernseh­sender ARTE . Über die dahinterlie­gende Brücke gelangt man zur ge­genüberliegenden Uferseite, die von weiteren EU-Gebäuden gesäumt wird ( Winston-Churchill-Gebäude ). Hier befindet sich etwa der Amtssitz der Europäischen Bürgerbeauftragten, wo jede_r EU-Bürger_in Beschwer­den über Missstände in der Verwal­tungstätigkeit der EU einreichen kann. Weit mehr als die Hälfte der Beschwerden richtet sich übrigens gegen die Kommission, nur etwa ein Zehntel betrifft das Parlament. Es ist aber nicht alles EU, was azur­blau glänzt im Straßburger Europa­viertel. So wurde die allgemein be­kannte Europaflagge mit den zwölf Sternen ursprünglich 1955 vom Euro ­parat eingeführt und erst Jahrzehnte später von den neu gegründeten EU­Institutionen übernommen. Haupt­sitz des Europarats ist der P ­alais de lEurope , der Europapalast. Vor dem Haupteingang des großen quaderför­migen Gebäudes sind 46 Fahnen ­masten aufgereiht: der Europarat hat deutlich mehr Mitgliedsländer als die EU, unter anderem gehören auch die Türkei und die Westbalkan-Staaten dazu. In dem ovalen Sitzungssaal des Europapalasts wurden bis 1999 auch die Sitzungen des Europäischen Parlaments abgehalten, als dieses noch kein eigenes Gebäude hatte. Eine architektonische Verbindung zwischen den beiden Institutionen besteht im Übrigen nach wie vor. Vom Plenargebäude des Europapar­laments führt eine gläserne Brücke über das Flussbecken zum Winston­Churchill-Gebäude, das von Europa­rat und Europaparlament gemeinsam genutzt wird. Spaziert man am Stadtpark Oran­gerie entlang die Avenue de lEurope hinauf, trifft man auf mehrere Ein­richtungen, die institutionell an den Europarat angebunden sind. Dazu gehören das Agora-Gebäude und die Villa Schutzenberger . In der Jugendstilvilla sind die Europäische Parlamentarische Gesellschaft und die Europäische Audiovisuelle Infor­mationsstelle des Europarates unter­gebracht. Ebenfalls fußläufig liegt das Europäische Jugendzentrum (Centre Européen de la Jeunesse), das für Seminare und Aufenthalte genutzt wird. Architektonisch am auffälligsten ­ist das direkt an die Tramhaltestelle »Droits de lHomme« angrenzende Gebäude. Hier befindet man sich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), des­sen zylindrische, stahlblechum­man­telte Sitzungssäle an die Waag­­schalen der Justiz erinnern sollen. Die Richter_innen werden von der Parlamentarischen Versammlung des Europarats gewählt(je eine_r für jeden Mitgliedstaat) und über­wachen die Einhaltung demokra­tischer Standards und Menschen­rechte in den Mitgliedstaaten. Wendet man sich nun vom Euro­päischen Gerichtshof ab, blickt man direkt auf das Ill-Becken ­Bassin de lIll . Hier im Herzen des Europaviertels fließen der Fluss Ill und der Rhein-Marne-Kanal zu­sammen. Und hier wollen wir un­seren Spaziergang beenden: Mit Blick auf das Plenargebäude des Europäischen Parlaments, das sich mit seiner ca. 500 Meter langen Spiegelfassade an den Uferbogen schmiegt. Ein Spaziergang durch das Europäische Viertel in Straßburg 15