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Die Bürgergesellschaft in der Diskussion
Entstehung
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95 einen besonderen Minderheitenschutz abgesichert und verbessert wer­den. Die entsprechenden Bestimmungen sollten zum einen vor einer (staatlichen) Zwangsassimilation schützen, zum anderen aber auch För­dermaßnahmen im sozio-kulturellen Bereich umfassen. Sie sollten nicht nur für Angehörige alter bzw. nationaler Minderheiten, sondern nach einer gewissen Stabilisierung des Aufenthaltes auch für die Angehörigen neuer ethnischer Minderheiten(unabhängig von deren Staatsangehörig­keit) gelten. Da die moderne Demokratie auf einer individualistischen Konzeption von Gesellschaft und Staat basiert, muss allerdings den ein­zelnen Individuen die Entscheidung vorbehalten sein, ob sie sich den je­weiligen Minderheiten zurechnen(lassen) wollen oder nicht. Maßnahmen zur Anerkennung der Minderheitenkulturen und zur Ermög­lichung einer kulturautonomen Integration sollten im Rahmen demokra­tisch orientierter Integrationspolitik ergänzt werden durch Maßnahmen, die interkulturelle Orientierungen fördern. Unter partizipatorischen Ge­sichtspunkten erfordert dies, dass die Kulturen der Einwanderungsmin­derheiten in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen angemes­sen(er) und unverkürzt(er) als bisher zur Entfaltung kommen können. Dies impliziert auch, dass die verschiedenen kulturellen Bereiche für die Ange­hörigen der zugewanderten Gruppen offen stehen und diese bei der Be­setzung von beruflichen Positionen dem Gleichheitsgrundsatz und dem Diskriminierungsverbot entsprechend beteiligt werden müssen. Auf dieser Grundlage können unter inhaltlichen Gesichtspunkten inter- und intrakul­turelle Prozesse erfolgen, die auf Begegnung, Austausch und Verstehen, aber auch auf Selbstreflexion sowie wechselseitige Kritik und Beurteilung gerichtet sind. Zur Regulierung von sozialen Konflikten in der multikulturellen Einwanderungsgesellschaft Multikulturelle Einwanderungsgesellschaften und Prozesse der Integration gehen in der Regel mit vielfältigen Problemen, Konflikten und Spannun­gen einher, die wiederum den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt gefährden können. Konflikte existieren in sehr unterschiedlicher Intensität zum einen zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den zugewanderten