106 vom Pluralismus der Aufnahmegesellschaft ab. Dabei gibt es recht unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie weit sich ein Zuwanderer zu assimilieren hat, etwa zwischen den USA und Österreich. Politik der Differenz in modernen liberalen Gesellschaften bedeutet dabei, permanent über die Grenzen des Akzeptablen sowie die Rechte von Gruppen und Einzelnen zu verhandeln. Wie kann eine„Politik der klugen Differenz“ aussehen? Eine pragmatische Politik muss austarieren, bei welchem Mischungsverhältnis von Differenz/Pluralismus und Assimilation die staatlichen und zivilgesellschaftlichen Strukturen der„Einheimischen“ und zugleich die Teilhabechancen von Zuwanderern in unterschiedlichen Phasen des Aufenthalts in Deutschland am Besten verwirklicht werden können. Bestimmte Muster lassen sich hier identifizieren, etwa, dass ethnische Selbstorganisation in der ersten Phase der Migration große und unverzichtbare Bedeutung als Schonraum, identitätsstabilisierender Faktor und Eingliederungshilfe zukommt, während sie aber Mittel- und langfristig dazu führen kann, dass die Chancen, die in einer stärkeren Assimilierung ihres Klientels an die Aufnahmegesellschaft liegen könnten, durch sie behindert werden(siehe Gutachten für die Zuwanderungskommission). Die Stärkung der Identität gemäßigter islamischer Gruppierungen und ihre Einbeziehung in das politische und zivilgesellschaftliche Leben könnte beispielsweise ein Mittel sein, aggressiven und restaurativen Auswüchsen den Nährboden zu entziehen. Die Migrationsforschung ist hier detaillierte Antworten aber bisher schuldig geblieben. Oftmals werden auch im wissenschaftlichen Kontext zum Zusammenhang von Integration und Differenz, beispielsweise bezogen auf eigenethnische Organisationen oder segregierte Stadtviertel, eher Glaubensbekenntnisse als gesicherte Befunde vorgetragen. Grundsätzlich sollte man von der Maxime ausgehen, dass Differenz und Pluralität kein Defizit darstellen und diese keinesfalls mit Zwangsmaßnah-
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