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Die Bürgergesellschaft in der Diskussion
Entstehung
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96 Minderheiten, aber auch zwischen unterschiedlichen Gruppen auf jeder der beiden Seiten, wobei bei den jeweiligen Konfliktparteien unter Ge­sichtspunkten von(ungleich verteilter) Macht und Herrschaft zwischen oben und unten zu unterscheiden ist. Die Konflikte enthalten strukturelle und kulturelle Dimensionen und betreffen unterschiedliche gesellschaftli­che Bereiche und Fragen(Interessenkonflikte und ethnisch-kulturelle Kon­flikte; Konflikte innerhalb existierender Regeln und Konflikte, die um die Regeln selbst gehen; manifeste und latente Konflikte; echte und unechte Konflikte; alltägliche und extreme Konflikte). Als Ursachen für die Entste­hung von sozialen Konflikten spielen vor allem Ungleichgewichte und Spannungsverhältnisse in der Gesellschaft, ungelöste soziale Probleme, unterschiedliche Interessen, Wertvorstellungen und Ideologien, soziale Ungleichheiten und Herrschaftsverhältnisse sowie kontroverse Lösungs­strategien eine Rolle. Hinsichtlich ihrer Folgen und Funktionen für die politische, soziale und ökonomische Ordnung werden soziale Konflikte negativ bewertet, wenn bei der Betrachtung gesellschaftlicher Verhältnisse ein Harmonie- bzw. Gemeinschaftskonzept zugrunde gelegt wird und die(unveränderte) Er­haltung der bestehenden Ordnung im Vordergrund des Interesses steht. Wird demgegenüber davon ausgegangen, dass die Gesellschaft selbst durch Unterschiede, Widersprüche und Gegensätze gekennzeichnet ist, werden Konflikte eher positiv, nämlich als Ausdruck und Element sozialen Wandels und als Beitrag zur Stabilisierung und Integration der Gesell­schaft interpretiert. Entstehung, Verlauf und Auswirkungen von Konflikten sind nicht nur von gesellschaftlichen, sondern auch von politischen Faktoren abhängig. Der politische Umgang mit sozialen Konflikten kann wiederum sehr unter­schiedlich sein. Bei der Regulierung und Institutionalisierung von Konflik­ten handelt es sich um einen Politiktyp, bei dem Konflikte als ein normales soziales Phänomen, als legitim und als prinzipiell positiv für die gesell­schaftliche Entwicklung und Integration gesehen werden. Konflikte sollen offen ausgetragen werden können, ohne dass auf deren Unterdrückung oder eine endgültige Lösung abgestellt wird. Die jeweiligen Konfliktpar­teien müssen sich aber an bestimmte Verfahrensregeln halten. Wird ein Konflikt gemäß akzeptierter und sanktionierter Regeln ausgetragen, bein-