2 FES-Analyse: Mexiko Politik in Zeiten des Pluralismus Die Abwahl der Partido de la Revolución Institucional(PRI) im Jahr 2000 war ein beispielloser Vorgang in der demokratischen Geschichte Mexikos. Die Macht der„Staatspartei“ PRI reichte aus deutscher Sicht in die Zeiten der Weimarer Republik zurück. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl 2000 war Höhepunkt eines schrittweise verlaufenden Demokratisierungsprozesses, der in den 80er Jahren begann. Mexikanische Medien und internationale Kommentatoren versuchten sogar, die Bedeutung des Ausgangs der Wahlen für die mexikanische Geschichte mit der Dimension des Berliner Mauerfalls gleichzusetzen. Freilich handelte es sich in Mexiko nicht um einen radikalen Bruch mit dem alten System, vielmehr durchlebte das Land einen langsamen und über mehrere Jahre hinweg sich entwickelnden politischen Öffnungsprozess, der in freien und unabhängigen nationalen Wahlen kulminierte und einer der Oppositionskräfte das Führungsmandat zusprach. Mexiko kann unter Verwendung eines engen Demokratiebegriffes heute als demokratisches Land bezeichnet werden. Freie, allgemeine und unabhängige Wahlen sowie politischer Pluralismus(Opposition) bezeugen dies. Mit dem Abgang der PRI ist der Wandel vom alten zum neuen Regime auf nationaler Ebene vollzogen. Bis in die 90er Jahre herrschte im Land der Azteken nur formal ein demokratisches, faktisch aber ein autoritäres System. Präsidentialismus, Staatspartei und Korporativismus prägten das Regime. Die 71 Jahre lang regierende PRI verwaltete die Errungenschaften der mexikanischen Revolution, indem sie die Ideologie der permanenten Revolution mit Versprechen und Aufmärschen aufrechterhielt. Die Konsequenz dieser Politik waren das Machtmonopol einer Partei, Abhängigkeit von Justiz und Legislative durch die Exekutive sowie ein begrenzter politischer und ökonomischer Pluralismus durch ein gesellschaftliches Kontrollsystem, das den Arbeitnehmer- und Arbeitgebersektor, die Landwirtschaft sowie die freien Berufe umfasste. Der Ölreichtum sicherte zusätzlich die für Lateinamerika einzigartige Stabilität des politischen Systems. 1982 erlebte Mexiko eine schwere Wirtschaftsund Finanzkrise, die die bis dahin verfochtene Wirtschaftspolitik staatlicher Subventionen und Regulierung radikal umkrempelte. Seit 1988 begann sich auch das politische System zu öffnen. Die Gründung der Partei der Demokratischen Revolution(PRD) als linke Alternativpartei und Oppositionssiege der PRD sowie der katholisch-konservativen Partei der Nationalen Aktion(PAN) auf Landes- und Kommunalebene läuteten den Anfang vom Ende der Einparteienherrschaft ein. Im Jahr 2000 manifestierten die Wähler ihren Unmut über die PRI auch auf Bundesebene, indem sie dem newcomer und als politischen Reformer wenig bekannten Vicente Fox ihre Stimme schenkten. Die Regierung Fox fällt somit in die demokratische Konsolidierungsphase. Die stabile Verankerung des politischen Übergangsprozesses braucht Zeit. Die Durchsetzung und Konsolidierung demokratischer Normen ist nicht allein Aufgabe der Regierung bzw. des Präsidenten, sondern auch der Gesellschaft und der verschiedenen politischen Institutionen. Die neue Exekutive trat an, diese Ziele zu realisieren. Fox verkündete – ohne Angabe von Details – tiefgreifende Veränderungen in den Bereichen Bildung, Sicherheit und Justiz. Zur Umsetzung des neuen Programms sind jedoch auch andere politische Akteure gefordert, da die Partei der Exekutive ohne absolute Mehrheit im Kongress regiert. Die Spielregeln
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