4 FES-Analyse: Mexiko Reformen in der Finanz-, Energie- und Arbeitspolitik Die wichtigsten Aspekte der von Fox angekündigten Reformen kamen nicht einmal in Ansätzen voran. Eine Steuerreform wurde vom Kongress 2001 abgelehnt. Sie war politisch nicht durchsetzbar. Hintergrund der umfassenden Steuerreform ist die Suche nach zusätzlichen Finanzquellen für den zu ca. 34% von Ölexporten abhängigen mexikanischen Haushalt. Das OECDLand hat eine der geringsten Steuereinnahmen der Welt. Die Steuereinnahme des Bundes macht nur 11 Prozent des mexikanischen BIP aus. Die Quote ist damit wesentlich niedriger als etwa in Chile(20%) oder den USA(31%). Doch der Plan der Fox-Regierung, eine 15%ige Mehrwertsteuer auf Bücher, Medikamente und Grundnahrungsmittel zu erheben, löste eine hitzige innenpolitische Kontroverse aus und wurde von den Oppositionsparteien PRI und PRD verhindert. Die PRD z.B. warf ihm vor, eine Politik gegen die Interessen und den Überlebenskampf der ärmsten Familien(die die Hälfte ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben) zu führen. Der interne und externe Schuldendienst, insbesondere im Bankensektor, und der laufende Unterhalt des Staatsapparates, der öffentlichen Schulen und Universitäten sowie der Infrastruktur reduzieren den Handlungsspielraum für jede mexikanische Regierung. Ohne zusätzliche Einnahmen gibt es für Modernisierungsinvestitionen und umfassendere Reformvorhaben praktisch keine Chance. Die sehr früh zu Beginn der sechsjährigen Präsidentschaft von Fox auftretenden Konflikte über eine Steuerreform überschatteten daher die Formulierung und Durchsetzung von Reformmaßnahmen in anderen Politikbereichen. Ohne einen neuen Anlauf zu einer Steuerreform und eine Kompromisslösung mit dem zur Hälfte neu gewählten Kongress ist daher der Reformstau bis zur nächsten Präsidentschaftswahl vorprogrammiert, bildet doch die Verbesserung der Einnahmesituation des Staates eine entscheidende Voraussetzung dafür, andere Reformvorhaben in Angriff nehmen zu können. Dringende Investitionen etwa für Reformen im öffentlichen Bildungssektor blieben aus diesen Gründen bisher aus. Will Fox seine wirtschaftspolitischen Ziele erreichen, ist er auf die Unterstützung des wirtschaftsliberalen Flügels der PRI angewiesen. Die ideologischen Differenzen zwischen der PAN und der PRD sowie dem traditionellen Flügel der PRI scheinen in diesem Bereich nicht überwindbar. Vorschläge des linken Kongressflügels haben bis 2006 aufgrund des präsidentiellen Vetos wenig Chancen auf Verwirklichung. Obwohl Exekutive und Legislative in einigen sehr kontroversen Politikbereichen noch keine Einigung erzielen konnten, wurden die wichtigsten Reformansätze in den Bereichen„Arbeit“ und „Energie“ in den Medien, an Runden Tischen, von den Parteien und in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Im Schlüsselbereich Arbeitsrecht und-politik konkretisierten sich die Diskussionen sogar in Form eingebrachter Gesetzesvorschläge. Das mexikanische Arbeitsrecht stammt aus den frühen dreißiger Jahren. Seither ist es einige Male geringfügig verändert, doch seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr den Lebensverhältnissen und Arbeitsrealitäten angepasst worden. Die Eröffnung der Runden-Tisch-Gespräche im Arbeitsministerium im Juli 2001, an denen Vertreter der Arbeitnehmer, Unternehmen und der Regierung teilnahmen, deutet das Interesse der konservativen und unternehmerfreundlichen Regierung an, das theoretisch sehr arbeitnehmerfreundliche Recht zu flexibilisieren. Im Kontext der sozioökonomischen Realitäten Mexikos gibt es auch seitens der Arbeitnehmervertreter viele Stimmen, die zur Reform aufrufen. Diese Stimmen kommen haupt-
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