FES-Analyse: Mexiko (und besonders während des Wahlkampfes 2003) offen ihre Kritik an Fox oder an den Oppositionsparteien. Die Beschuldigungen konzentrieren sich u.a. auf illegale Wahlkampffinanzierungen während der Präsidentschaftswahl 2000. Die Kritik trifft nicht nur die ehemalige Staatspartei PRI, die über umgeleitete Finanzmittel der staatlichen Ölfirma Pemex durch die entsprechende Industriegewerkschaft die Wahlkampagne des damaligen PRI-Kandidaten Labastida mitfinanziert haben soll. Auch Fox und seine Wahlkampfplattform„Amigos de Fox“ werden beschuldigt, Finanzierung von Privatunternehmen und Spenden in unerlaubter Höhe sowie aus dem Ausland erhalten zu haben. Untersuchungskommissionen sind ein Beleg für den Versuch, solche Kritik jetzt auch offiziell aufzugreifen, um die bedeutende Reform des Wahlgesetzes von 1997 im Bereich der Wahlkampffinanzierung endlich auch prak9 tisch durchzusetzen. Das international beachtete Gesetz führte damals eine klar geregelte öffentliche Parteienfinanzierung ein, um private Zuwendungen zu verhindern und die Chancengleichheit zu erhöhen. Danach dürfen die Parteien nur 10 Prozent aus privaten Töpfen für ihren Wahlkampf verwenden. Der Rest wird vom Steuerzahler beglichen. Spenden aus dem Ausland sind prinzipiell verboten. Im Pemex-Skandal erlegte die Wahlbehörde der PRI eine Rekordgeldstrafe von 98 Millionen Dollar auf. Auch der jetzige Präsident und seine politischen Freunde müssen mit einer(freilich wesentlich geringeren) Geldstrafe rechnen, falls sie die bisher belegten Anschuldigungen nicht entkräften können. Medien und das politisch bedeutende Wahlinstitut scheinen demnach von ihrer Unabhängigkeit und Autonomie zunehmend Gebrauch zu machen. Demokratie in der Praxis Die Gründe für den Reformstillstand in Schlüsselbereichen sind vielschichtig. Sie reichen von dem Unwillen bzw. der Skepsis der politischen Parteien und der Kongressrepräsentanten, Koalitionen im schleppenden demokratischen Prozess zu bilden, über einseitige Interessenpolitik auf Regierungsebene bis zu Fox’ mangelnder Bereitschaft, seine unternehmerischen Managerqualitäten auch in der politischen Praxis anzuwenden. Die PRI und die linksgerichtete PRD versuchen, Nutzen aus Fox’ politischen Problemen zu ziehen. Sie aktivierten dafür ein bisher nur theoretisch bekanntes Charakteristikum der mexikanischen Präsidialdemokratie: die Machttrennung zwischen Exekutive und Legislative. Das erste Mal in Mexikos moderner Geschichte sind beide Kammern des Kongresses, Senat und Abgeordnetenhaus, parteipolitisch so zersplittert, dass keine Partei allein die absolute Mehrheit hat. Die gleichen Wahlen, die Präsident Fox die Macht bescherten, schenkten ihm eine für ihn unglückliche Zusammensetzung im mexikanischen Kongress. Die Wahlen von 2000 haben nicht nur mit der Alleinherrschaft der PRI aufgeräumt. Sie haben auch einem Präsidenten-hörigen Kongress einen Riegel vorgeschoben. Die Machtverteilung in der Legislative haucht Mexikos Demokratie neues Leben ein. Sie macht dem neuen Präsidenten jedoch auch das Regieren schwer. Aufgrund der Sitzverteilung im Kongress muss Fox Unterstützung für sein Programm bei anderen Parteien finden, hauptsächlich bei der PRI und der PRD. Doch seit Amtsantritt ist die Beziehung des Präsidenten zum Kongress mehr durch Misstrauen, Nicht-Kommunikation, und konfliktive Machtspiele gekennzeichnet als durch Konsens oder die Suche nach Problemlösungen
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