FES-Analyse: Peru Darüber hinaus stand der Sohn japanischer Einwanderer symbolisch für die Möglichkeit, dass einer, der nicht der weißen, elitären politischen Klasse der Hauptstadt angehört, politischen Erfolg haben konnte. Dies brachte dem chino, wie er in Peru nicht ganz zutreffend genannt wird, sowohl im Andenhochland als auch unter den andinen Migranten, die in den Küstentälern längst die Bevölkerungsmehrheit stellen, außerordentlich hohe Stimmanteile. Vor allem aber war es der Sieg über die maoistische Guerilla Sendero Luminoso, der Fujimori über Jahre populär machte. Seit 1980 im bewaffneten Kampf, hatte der„Leuchtende Pfad“ bis 1990 den peruanischen Staat dem Zusammenbruch nahe gebracht. Die Machtübernahme Sendero Luminosos, verbunden mit einem Blutbad, war zu einer realpolitisch denkbaren Entwicklung geworden. Im September 1992 gelang mit geheimdienstlichen Mitteln die Verhaftung der gesamten Führungsspitze. Alberto Fujimori wurde zum Retter Perus aus einer existenziellen Krise. Die Rahmenbedingungen haben sich seitdem zweifellos verändert. Terror und politische Gewalt stellen keine unmittelbare Bedrohung mehr im Alltag der Peruaner dar. Die Erinnerung an die Zeit der Hyperinflation in den 80er Jahren ist 5 verblasst, und für die Peruaner rücken so nicht nur die Vorteile der Preisstabilität ins Bewusstsein, sondern auch die Nachteile stabiler Perspektivlosigkeit. Trotzdem sind die zu beobachtenden Kontinuitäten von der Fujimori-Zeit bis heute von großer Bedeutung für das Verständnis der aktuellen politischen Entwicklungen. Weiterhin herrscht großes Misstrauen gegenüber den politischen Parteien und ihren Führungspersönlichkeiten.„Partei“ ist zu einem Schimpfwort geworden, pauschal identifiziert mit Korruption und Machtgier. Zu Wahlen treten einzelne Kandidaten mit kurzlebigen Gruppen von Unterstützern an, die ebenso schnell das Lager wechseln können, wie sich die Meinungsumfragen drehen. Identifikation bieten nur Personen, nicht Parteien. Die parlamentarische Demokratie ist nicht in der Gesellschaft verankert als Wert an sich, sondern steht unter dem Druck, ihre Effizienz und Kompetenz vor allem in der Wirtschaftspolitik zu beweisen. Die Demokratisierung nach der Ära Fujimori findet in Peru mangels Alternative statt, nicht als mit Elan und Aufbruchstimmung verbundenes, von der großen Mehrheit der Bevölkerung getragenes und positiv besetztes Projekt. Wirtschaft: leichte Verbesserung der Rahmendaten Die ökonomischen Rahmendaten geben auf den ersten Blick Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Das Preisniveau ist nahezu stabil, auch der Kurs des US-Dollar zeigt keine größeren Bewegungen. Die Auslandsverschuldung verharrt nach vorläufigen Zahlen der CEPAL für Ende 2002 mit 28,6 Mrd. US-Dollar auf dem Niveau des Jahres 1997. Im Jahr 2002 verzeichnet Peru ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 5,2 Prozent. Die Inflationsrate lag im gleichen Jahr bei 1,5 Prozent. Im lateinamerikanischen Vergleich nimmt Peru dabei jeweils die Spitzenposition ein. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt nach einem zwischenzeitlichen leichten Rückgang ebenso wieder auf dem Niveau von 1997 wie die Reallöhne(Privatsektor Lima, vorläufige Zahlen der CEPAL). Letztere haben allerdings noch nicht wieder den Stand von 1995 erreicht. Mei-
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