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Peru : Misstrauen und Unzufriedenheit im demokratischen Alltag
Entstehung
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8 sätzlich wird in Lima die Möglichkeit eines bila­teralen Handelsabkommens mit den USA ins Spiel gebracht, das Peru noch stärker an die USA anbinden und potenziell von Brasilien und dem Mercosur distanzieren würde. Es passt ins politi­sche Bild, dass sich Toledo seinerzeit nicht zu einer eindeutigen Verurteilung des Irak-Krieges der USA und ihrer Verbündeten durchringen mochte und nur zu vagen Aussagen bereit war. Nach dem Scheitern der jüngsten WTO-Runde, auf der die Entwicklungsländer, unter Führung u.a. Brasiliens, in der Gruppe der 21 offensiv ihre Interessen artikuliert hatten, hat Peru jetzt als weiteren Beleg seiner good will Politik gegenüber den USA sicherlich nicht ganz freiwillig seinen Rückzug von den Positionen der Gruppe der 21 erklärt. Gleichzeitig sprechen die Präsidenten Toledo und Lula da Silva immer wieder von einer strategi­schen Partnerschaft zwischen Peru und Brasilien. Im August 2003 unterschrieben beide in Anwe­senheit der Mercosur-Außenminister ein Abkom­men zwischen dem Mercosur und Peru. Damit ist Peru nach Chile und Bolivien das dritte assoziier­te Mitglied des südamerikanischen gemeinsamen Marktes. Noch 2002 gingen nur 2,8 Prozent der peruanischen Exporte in den Mercosur und dabei fast ausschließlich nach Brasilien. Von peruanischer Seite wird vermieden, über einen möglichen Konflikt zwischen den Orientie­rungen in Richtung USA bzw. in Richtung Mer­cosur/Brasilien zu sprechen. Die Bedeutung der USA für die peruanischen Exporte und Importe ist überragend, insofern besteht eine klare Prio­rität. Gleichzeitig soll aber die brasilianische Op­FES-Analyse: Peru tion offen gehalten werden. Peru hat großes Inte­resse daran, in der Entwicklung und Erschließung des Amazonastieflandes mit Brasilien zusammen­zuarbeiten. Nicht zuletzt geht es dabei um das Projekt eines Handelskorridors zwischen den bei­den Ozeanen, den Peru gerne als brasilianisch­peruanisches Projekt sehen würde. Noch ist für die kleineren lateinamerikanischen Staaten nicht absehbar, ob und ggf. in welcher Form ein ge­samt- oder südamerikanischer gemeinsamer Markt Realität werden wird, also vermeidet man Festle­gungen. Die Beziehungen zwischen Peru und Deutsch­land sind zum einen durch den Status Perus als Schwerpunktland der deutschen Entwick­lungszusammenarbeit geprägt. Deutschland ist für Peru der drittwichtigste bilaterale Geber nach den USA und Japan. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den GebietenDemokratie, Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung, Trinkwasser und Abwasser sowieNachhal­tige ländliche Entwicklung. Der Besuch des peruanischen Präsidenten im Oktober in Ber­lin hat diese guten Beziehungen und die Fort­setzung der Entwicklungszusammenarbeit noch einmal unterstrichen. Deutschland importiert aus Peru vor allem Fisch­mehl, Kaffee und Erze, der Export nach Peru konzentriert sich auf Maschinen, elektrotechni­sche Erzeugnisse und Fahrzeuge. Bei den deut­sche Investitionen in Peru, insgesamt etwa 250 Mio. US-Dollar, ist insbesondere die Beteiligung der Fraport AG am internationalen Flughafen in Lima zu nennen, die im Jahr 2001 vereinbart wurde. Ein nur begrenzt funktionsfähiger Staat Zu den größten Problemen jeder peruanischen Regierung gehören weiterhin die Defizite in der Funktionsfähigkeit staatlicher Institutionen. Die Po­lizei hat einen außerordentlich schlechten Ruf und gilt als in großen Teilen korrupt. Es gehört zum peruanischen Alltag, mit Geld viele Proble-