14 Die Vorlage des Berichtes war begleitet von einer heftigen Diskussion um angebliche politische Instrumentalisierung und tendenziöse Interpretation der Ergebnisse. Kritik kam insbesondere von Seiten der APRA, kann eine öffentliche Debatte um die Verantwortung Alan Garcías für Menschenrechtsverletzungen während seiner ersten Amtszeit doch zu einer politischen Hypothek werden. Angesichts der Zusammensetzung der Kommission aus angesehenen Persönlichkeiten und Experten in der Materie ist aber davon auszugehen, dass der Kommissionsbericht ein notwendigerweise immer noch unvollständiges aber zutreffendes Bild von den Menschenrechtsverletzungen seit 1980 bietet. Trotz Wahrheitskommission können die Opfer von politischer Gewalt bzw. deren Hinterbliebene kaum Unterstützung erwarten. In ihrer großen Mehrzahl handelt es sich um Bauernfamilien aus den Anden. Für sie geht es vor allem um Entschädigungen für die mit Flucht und Vertreibung verlorene Existenzgrundlage. Die Kommission konnte nur dokumentieren, konnte ein Forum bieten dafür, nach Jahren des erzwungenen Schweigens über die Ereignisse zu sprechen. Zweifellos lag daFES-Analyse: Peru rin über die politische Dimension ihrer Arbeit hinaus eine wichtige und notwendige Funktion der Wahrheitskommission für die individuell Betroffenen. Die Kommissionsmitglieder waren sich aber auch der Grenzen ihrer Möglichkeiten bewusst. Gegenwärtig ist Sendero Luminoso nur noch in Form von kleinen Zellen vor allem in den Cocaanbaugebieten am Ostabhang der Anden präsent. Gelegentlich gibt es immer noch Anschläge, auch Mobilisierungsversuche etwa in Lima werden von Zeit zu Zeit in den Medien aufgegriffen, die allerdings kein Bedrohungspotenzial von nationaler Bedeutung mehr darstellen. Die zweite Guerillabewegung der 80er Jahre, der MRTA(Revolutionäre Bewegung Tupac Amaru), ist ganz von der Bildfläche verschwunden. Nach den traumatischen Erfahrungen mit dem internen Krieg der 80er und frühen 90er Jahre ist nicht zu erwarten, dass ein politisches Projekt, das auf Gewaltanwendung und bewaffneten Kampf setzt, in Peru massive Unterstützung erfahren könnte. Perspektiven und Szenarien Ein mögliches und wahrscheinliches Szenario für die nächsten Jahre kann unter dem Titel„Stagnation“ beschrieben werden. Die Regierung Toledo überlebt die fünf Jahre ihrer vorgesehenen Amtszeit, ohne wesentliche politische Akzente zu setzen. Der Status Quo wird verwaltet. Die peruanische Wirtschaft stürzt weder in eine tiefe Krise, noch fällt eine positive Entwicklung so deutlich aus, dass daraus eine Aufbruchstimmung entstehen würde. Auch auf dem Gebiet gesellschaftspolitischer Reformen gewinnt die Regierung Toledo kein Profil. Vertrauen in demokratisch legitimierte Herrschaft kann damit bei der Mehrheit der Peruaner nicht zurückgewonnen werden. Enttäuschung herrscht vor. Dementsprechend wächst die Neigung, populistische oder auch autoritäre Alternativen zu unterstützen. Davon kann Alan García profitieren oder auch ein bislang unbekannter Kandidat, der nach vertrautem Muster„aus dem Nichts“ auftaucht. Nicht einmal eine Rückkehr Alberto Fujimoris in die peruanische Politik kann ganz ausgeschlossen werden. Zwar stellt seine japanische Staatbürgerschaft dabei ein ernstes formales Hindernis dar, aber es ist darauf zu verweisen, dass
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Peru : Misstrauen und Unzufriedenheit im demokratischen Alltag
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