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Peru : Misstrauen und Unzufriedenheit im demokratischen Alltag
Entstehung
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FES-Analyse: Peru gung, die, orientiert an vorkolonialen indianischen Großreichen als historischem Bezugspunkt, das Recht auf kulturelles Anderssein einfordern wür­de. Die Forderung von indianischer Seite nach Re­spekt vor tradierten Strukturen wird damit nicht irrelevant, aber in Peru steht das Anliegen im Vordergrund, gerade nicht über Hautfarbe und Herkunft definiert zu werden, sondern auf Grund­lage von Leistung und Kompetenz als Staatsbür­ger mit allen Rechten nicht nur formal, sondern im gesellschaftlichen Alltag anerkannt zu werden. Dies gilt besonders für die Millionen von andinen Migranten in den Küstenstädten, die wiederum über ihre weit verzweigten Netzwerke, beruhend auf tatsächlicher oder fiktiver Verwandtschaft sowie der gemeinsamen Herkunft aus einem Dorf, eine ständige Artikulation zwischen Stadt und Land sicherstellen. 11 In den Städten sind diese Migranten mehrheitlich organisiert in Vereinigungen von Produzenten oder Händlern und damit letztlich in Organisatio­nen, die die Interessen von einigen mittleren und vielen Klein- und Kleinstunternehmern wahrneh­men. Zu den etablierten Unternehmerverbänden haben sie allerdings bis heute keinen Zugang ge­funden. Der große Unternehmerverband CON­FIEP ist fest in der Hand der weißen, städti­schen Unternehmer und verfügt über beträcht­lichen politischen Einfluss. Es ist dabei vor allem eine kulturelle Schranke, die diese Un­ternehmer von den aufkommenden, dynami­schen Migranten-Unternehmern trennt. Die Vor­stellung, im noblen Unternehmerverband mit den Letztgenannten an einem Tisch zu sitzen, bereitet so manchem etablierten Unternehmer offensicht­lich Schwierigkeiten. Politische Parteien, fragile Bündnisse und ambitionierte Kandidaten Nach der Rückkehr zur Demokratie im Jahr 1980 erlebten die demokratischen Parteien nur einen kurzen Frühling. Acción Popular(AP) und Parti­do Popular Cristiano(PPC) standen für das bür­gerliche Lager, die sozialdemokratisch orientierte APRA erlebte mit ihrem noch jugendlichen Kan­didaten Alan García im Jahr 1985 einen histo­rischen Wahlsieg, und auch die demokratische Linke verfügte mit Izquierda Unida(IU) und ih­rem Spitzenmann Alfonso Barrantes über Partei, Profil und Anhängerschaft. Jedoch scheiterten die demokratischen Parteien miteinander daran, Peru zum einen eine ökonomi­sche Perspektive zu geben und zum anderen die politische Gewalt sowohl von Seiten Sendero Luminosos als auch in Bezug auf das Handeln der staatlichen Sicherheitsorgane in den Griff zu be­kommen. Viele von denen, die in den demokratischen Par­teien eine Karriere in der Politik begonnen hatten, suchten nach neuen Optionen. Dabei vermieden sie jeden Geruch nachpolitischer Partei. Zum Erfolgsrezept wurde das Etikettunabhängig, als ob parteipolitische Unabhängigkeit unempfind­lich mache für die Versuchungen des Machtmiss­brauchs. Auch Neueinsteiger ohne politisches Vor­leben versuchten ihr Glück. Seitdem wiederholt sich ein immer gleiches Mus­ter: Vor Wahlen gilt es, ein Bündnis zu schmie­den von einflussreichen Persönlichkeiten, mög­lichst auch mit Geld. Dann folgt das Warten auf die Umfrageergebnisse. Ein Kandidat, der im richtigen Moment mit dem richtigen The­ma an die Öffentlichkeit geht, kann völlig un­erwartet nach oben kommen. Gute Umfrage­werte entwickeln eine Eigendynamik: Je mehr Stärke eine Kandidatur zeigt, umso mehr Bünd­nispartner wird sie anderen Kandidaturen ab-