FES-Analyse: Peru bezüglich des neoliberalen Modells. Andere, darunter auch sein Nachfolger Javier Silva Ruete, setzten gelegentliche Signale in Richtung auf eine vorsichtige Modifizierung dieser Politik. Einzelne Maßnahmen tragen dabei populistische Züge. So intervenierte die Regierung beispielsweise direkt bezüglich der Tarifgestaltung von Telefónica del Perú, der von der spanischen Telefónica im Zuge der Privatisierung aufgekauften peruanischen Telefongesellschaft. Steigende Telefonkosten betreffen große Teile der Bevölkerung und sind somit ein dankbares Gebiet für eine Regierung, um soziales Engagement und die Verteidigung der„kleinen Leute“ zu demonstrieren. Eine kohärente Strategie, die der reinen Lehre des Neoliberalismus stärkere soziale Akzente gegenüberstellen würde, ist darin allerdings nicht zu erkennen. So wurde denn auch zum Ausgleich anstelle der Telefontarife und der Zinseinnahmenbesteuerung die Mehrwertsteuer erhöht – eine 7 sozial sicherlich weitaus problematischere Entscheidung. Die Armut ist in den letzten Jahren noch größer geworden, und die Schere zwischen den Einkommen ist noch mehr gewachsen: 57 Prozent der Bevölkerung gelten mit einem Einkommen von bis 176 US Dollar als„arm“, 21 Prozent sogar als„extrem arm“(weniger als 123 Dollar Monatseinkommen). Nimmt man noch die 29 Prozent dazu, die durchschnittlich knapp über 300 Dollar verdienen, so bleiben nur 12 Prozent, die über ein Einkommen verfügen, das mit durchschnittlich 800 Dollar zugleich auch so etwas wie eine relevante kaufkräftige Nachfrage auf einem Binnenmarkt entfalten könnte. Die restlichen 2 Prozent„Reichen“ mit durchschnittlich 3.300 Dollar Monatseinkommen belegen nur die selbst für Lateinamerika extrem ungleiche Einkommensverteilung. Außenbeziehungen: Zwischen ALCA und MERCOSUR Präsident Toledo setzt ausdrücklich auf ein gutes Verhältnis zu den USA, gibt sich aber gleichzeitig Mühe, die wichtige Partnerschaft mit dem ökonomisch starken Nachbarn Brasilien nicht zu belasten. Dieser Balanceakt findet vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung um die von den USA angestrebte gesamtamerikanische Freihandelszone ALCA( Area de Libre Comercio de las Américas, englisch: FTAA) statt. Im Jahr 2005 soll der gemeinsame Markt, geht es nach den USA, in Kraft treten. Von brasilianischer Seite ist demgegenüber die Option einer Ausweitung des MERCOSUR zu einer südamerikanischen Freihandelszone im Gespräch, in der Brasilien die führende politische und wirtschaftliche Kraft wäre. Die peruanische Regierung sendet Signale in beide Richtungen. So möchte Peru vom ATPDEA ( Andean Trade Promotion and Drug Eradication Act) profitieren, den von Seiten der USA eingeräumten Zollpräferenzen, die im Jahr 2001 das bereits 1991 erlassene ATPA( Andean Trade Preference Act) abgelöst haben. Damit verbunden ist die Hoffnung auf deutliche Steigerungen der Exporte in die USA, die schon jetzt rund ein Viertel der gesamten peruanischen Exporte ausmachen. Allerdings enthält das ATPDEA weitgehende politische Verpflichtungen Perus gegenüber den USA. Das Spektrum reicht vom„Wohlverhalten“ in der Anticocapolitik bis zu umfangreichen Garantien für US-amerikanische Unternehmen, die in Peru investieren – insgesamt eine Unterwerfung unter politische und wirtschaftliche Interessen der USA, die weit über die Handelspolitik hinausgeht. Zu-
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