FES-Analyse: Peru 13 Toledo und die„ethnische Karte“ Im Wahlkampf 2001 spielte ethnische Symbolik eine große Rolle, seitdem ist es um das in allen Ländern der zentralen Andenregion grundlegende Problem der ethnisch begründeten Rollenverteilung in der Gesellschaft still geworden. An der Relevanz ethnischer Kriterien für Lebenschancen in der peruanischen Gesellschaft kann kein Zweifel bestehen. Umso mehr stellt sich an eine demokratisch gewählte Regierung die Frage, wie sie zum Abbau ethnischer Schranken in der Gesellschaft beitragen will. Auch in diesem Punkt ist von Seiten der Regierung Toledo kein„großer Wurf“ erkennbar. Der Präsident ist in einfachen Verhältnissen an der Nordküste und nicht etwa in den Anden aufgewachsen. Gestützt auf sein„andines“ Aussehen präsentierte sich Toledo im Wahlkampf als eine Art legitimer Nachfolger der Herrscher früherer indianischer Großreiche. Das ethnische Ausrufezeichen setzte der Präsident schließlich mit seiner mit großem Aufwand inszenierten Amtseinführung in den Inka-Ruinen von Machu Picchu. Allerdings hat Alejandro Toledo die„ethnische Karte“ ungeschickt gespielt. In einem Land, in dem – wie beschrieben – keine indianische Bewegung existiert, die die kulturelle Differenz zum Thema machen würde, musste die im Wahlkampf gepflegte Selbstinszenierung Toledos als Reinkarnation des Inka an der gesellschaftlichen Realität vorbeigehen und hat ihm nicht die erhoffte Masse von Stimmen gebracht. Sicherlich übersteigt es die Möglichkeiten einer Regierung, innerhalb kurzer Zeit die in der peruanischen Gesellschaft so tief verwurzelten ethnischen Vorurteile mit allen ihren Folgen für den Alltag abzuschaffen. Aber die Regierung Toledo hat die Gelegenheit versäumt, die ethnisch begründete Diskriminierung zu einem„großen Thema“ in der Politik und in der Gesellschaft zu machen. Jede wichtige politische Maßnahme hätte auch unter der Fragestellung vorgestellt und diskutiert werden können, welche Bedeutung und welche Auswirkungen sie für den Abbau ethnischer Schranken haben könnte. Toledo hat die Chance verpasst, der peruanischen Demokratie an diesem Punkt ein neues, bislang ungekanntes Profil zu geben und damit wiederum Vertrauen unter denen zu gewinnen, die dem Staat und den Herrschenden aus guten Gründen mit großer Distanz gegenüberstehen. Stattdessen bleibt der Eindruck, dass das Problem ethnisch begründeter Diskriminierung lediglich im Wahlkampf instrumentalisiert wurde. Gewalt und Menschenrechte Ende August 2003 hat die peruanische„Kommission für Wahrheit und Versöhnung“ nach zweijähriger Arbeit ihren Abschlussbericht vorgelegt. Die Kommission war noch von der Übergangsregierung Paniagua eingesetzt worden. Tausende von Zeugenaussagen hat die Kommission aufgenommen, um die politische Gewalt der Jahre 1980 bis 2000 und deren Folgen zu dokumentieren. Nach den nun vorgelegten Zahlen hat der interne Krieg etwa 70.000 Todesopfer gefordert, wesentlich mehr als bisher angenommen. Die Verantwortung dafür liegt in erster Linie bei Sendero Luminoso, zu einem großen Teil aber auch bei den peruanischen Sicherheitskräften und deren „Kampf gegen den Terrorismus“.
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