Michael Dauderstädt Generationengerechtigkeit – eine internationale Perspektive lich schon vielen Deutschen schwer, einen gut bezahlten Job zu finden. Würden alle deutschen Arbeitslosen beschäftigt, würde dies schon erheblich die Rentenproblematik entspannen. Eine Migration wäre also erst dann sinnvoll, wenn das aktive Potential der Einheimischen ganz ausgeschöpft wäre. Schließlich erlaubt der Grenzübertritt noch eine weitere Verbesserung der sozialen Ergebnisse des Umlageverfahrens. Wenn deutsche Rentner in billigere Länder ziehen, in denen ihre deutschen Renten eine höhere Kaufkraft haben, so können sie selbst bei stagnierendem oder sinkendem Rentenniveau real gut(oder jedenfalls besser als in Deutschland) leben, da die dortigen Aktiven zu einem für die Rentner günstigeren Tausch bereit sind als die einheimischen. Wie Pfaller/Witte(2002) dargelegt haben( siehe auch Text: Wie sichern wir unsere Renten? Plädoyer für eine globale Strategie von Alfred Pfaller und Lothar Witte in der OnlineAkademie), ist eine Lösung des eventuell künftig zu geringen Angebots an Gütern und Dienstleistungen seitens der noch aktiven Bevölkerung in Deutschland ihr Import aus dem Ausland. Aber welches Ausland wäre in der demographischen Position, sich hohe Exportüberschüsse zu leisten, also mehr zu produzieren als zu konsumieren? Andere reiche Länder sind eher in einer ähnlichen Position und selbst China, das gegenwärtig eine solche Rolle zeitweise wahrnimmt, wird alsbald in eine andere demographische Situation kommen. Es sind eben gerade die afrikanischen und süd(west)asiatischen Länder, die demographisch am ehesten in Frage kämen. Leider zeichnen sie sich häufig durch eine ansonsten zähe und schwierige Entwicklung aus, die ihre Produktivität nicht ausreichend steigert. Hier käme der Entwicklungszusammenarbeit eine neue Aufgabe(und Legitimation) zu. Wenn man durch massive Kapitaltransfers heute erreichen könnte, dass dort künftig ausreichende Kapazitäten einschließlich einer hohen Produktivität entstehen, so wäre gleich zweierlei erreicht: Erstens stünden später genügend Güter und Dienstleistungen zur Verfügung; zweitens wäre die Bezahlung durch die überwiesenen Kapitalerträge(Schuldendienst bei Krediten oder Gewinne bei Direktinvestitionen) gesichert. Die Entwicklungshilfe wäre sozusagen ein transnationales Kapitaldeckungsverfahren, das den oben geschilderten Risiken dadurch entgeht(oder sie doch reduziert), indem sie in einem anderen demographischen Kontext eingebettet ist. Leider treten dafür auch neue Risiken auf. Die Durchsetzung von Ansprüchen(Begleichung bzw. Bedienung von Schulden) ist schon innerhalb eines Landes riskant. Grenzüberschreitend sind die www.fes-online-akademie.de Seite 13 von 16
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