Da keine Partei realistische Aussichten auf eine eigene stabile Mehrheit hat, finden fast permanent Verhandlungen über Allianzen statt. Solche Bündnisse werden zwar landläufig als„Koalitionen“ bezeichnet, entbehren i.d.R. aber jeglicher inhaltlicher oder ideologischer Grundlage. Mit dem Zerfall der NARC in ihre Bestandteile verläuft auch die zentrale politische Auseinandersetzung außerdem wieder verstärkt entlang ethnischer Linien. Zahlreiche Spitzenpolitiker des Landes sind ein integraler Bestandteil dieser aktuellen Entwicklung. Eine Aktivierung der Bevölkerung auf der Basis ethnischer Ressentiments scheint wesentlich leichter zu fallen, als ein überzeugendes Eintreten für inhaltliche Reformen. In Kombination mit der auf den eigenen materiellen Vorteil ausgerichteten Agenda der meisten Abgeordneten werden diese inzwischen als„ethnic entrepreneurs“ bezeichnet. Fehlende‘Checks and Balances’ Die in Skandale verwickelten Entscheidungs- und Funktionsträger können sich i.d.R. ohne größere Probleme im Amt halten. Die in der Gesellschaft real existierenden Mechanismen und Wertschätzungen erlauben politischen Führern zumeist ein Weitermachen, trotz offensichtlicher Inkompetenz oder Korruptheit. Sei es ein in der Kultur verankerter Reflex, Führungsfiguren nicht zur Rechenschaft zu ziehen, oder das kollektive Bedürfnis nach Harmonie, zumindest an der Oberfläche. Es ist erstaunlich, womit das relativ gebildete und aufgeklärte kenianische Volk seine politische Elite davonkommen lässt, besonders nach dem einschneidenden Erlebnis des demokratischen Machtwechsels im Jahre 2002. Die meisten Kenianer scheinen über eine große Geduld zu verfügen oder sich dem Fatalismus hinzugeben. Dass es trotz der Verfügbarkeit von Informationen über die Armut im Land und über illegale oder selbstbereichernde Aktivitäten politischer Führer kaum Konsequenzen gibt, liegt nicht nur an einer ineffektiven Staatsanwaltschaft und einer Gerichtsbarkeit, die politischen Einflüssen unterliegt, sondern auch in der Verantwortung zivilgesellschaftlicher Organisationen. Längst sind zahlreiche Nicht-Regierungsorganisationen (NRO) zum festen Bestandteil des Kampfes um die Macht geworden, nicht zuletzt weil auch eine Anzahl ihrer Führer ein Auge auf ein lukratives Abgeordnetenmandat geworfen haben. Die ursprünglich als Erfolg gefeierte enge Verknüpfung zwischen politischen Parteien und zivilgesellschaftlichen Organisationen im Zuge der letzten allgemeinen Wahlen entpuppt sich immer mehr als Gift für die kenianische Gesellschaft. Außerdem leben viele NROs gut von der Finanzierung ausländischer Geber und haben kein ernsthaftes Interesse an wirklichen Veränderungen. Einen potenten Gegenpol zur organisierten Politik gibt es kaum noch. 2. Ergebnisse der NARC-Politik Jenseits der täglichen, von Skandalen der Regierung geprägten Schlagzeilen und der weit verbreiteten Enttäuschung über die KibakiAdministration ist es angemessen, eine nüchterne Bestandsaufnahme der Leistungen der politischen Führung des Landes zu versuchen. Schließlich kam Kibaki mit dem Versprechen an die Macht, beinahe al3
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Kenia auf dem Weg zurück zur Bananenrepublik? : Lektionen und Aussichten nach vier Jahren Kibaki-Regierung
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