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Die gesellschaftliche Akzeptanz von Rechtsextremismus und Gewalt : Ergebnisse einer Repräsentativbefragung ; Kurzfassung ; November 2000
Entstehung
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Die gesellschaftliche Akzeptanz von Rechtsextremismus und Gewalt Ergebnisse einer Repräsentativbefragung(November 2000) DIE ZEIT Nr.52 vom 20. Dezember 2000 Starke Hand gesucht Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung be­legt: Autoritäre Einstellungen und Angst vor den Fremden stecken auch in den Köpfen der bürgerlichen Mitte Von Gunter Hofmann Entspringt der Rechtsextremismus in derMit­te der Gesellschaft? Vielen gilt diese These als Wahnidee von links. Doch die jüngste Stu­die über diegesellschaftliche Akzeptanz von Rechtsextremismus und Gewalt, geschrieben im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, belegt diesen Befund. Es handelt sich um eine breit angelegte Repräsentativbefragung aus dem Münchner Institut polis, ergänzt um Gruppen­diskussionen in Erfurt, Leipzig, Bochum und München. Sie untermauert die Annahme, dass in der Bundesrepublik nach wie vor eine stark autoritäre Mentalität zu Hause ist- im Osten und im Westen, in Unter-, Mittel- und Oberschichten. Dem Satz, dassRecht und Ordnung in Deutschland in Gefahr sind, stimmen im Os­ten 26 und im Westen 21 Prozentvoll und ganz zu. Infolgedessen wird nach einerstar­ken Hand für Deutschland gerufen. Ein Fünf­tel fordert sie uneingeschränkt, weitere 44 Prozent(West: 39 Prozent) tendenziell. Eine Mehrheit der Deutschen glaubt,nur einer, der durchgreift und eine starke Partei im Rücken hat, kann es schaffen, die gegenwärtigen Probleme in den Griff zu kriegen. Diese auto­ritären Einstellungen werden überdurchschnittlich stark von Älteren, geringer Gebildeten mit eher niedrigem Haus­halts-Nettoeinkommen sowie in Ost­deutschland vertreten. Auch hier gilt: Die Anhänger von SPD und CDU stimmen gleich häufig zu, die Grünen heben sich von solchen Denkmustern allerdings positiv ab. Unverändert wird der Anteil von Ausländern an der Gesamtbevölkerung dramatisch über­schätzt. 10 Prozent glauben, er bewege sich zwischen 31 und 45 Prozent, 15 Prozent nehmen 21 bis 30 Prozent an, 36 Prozent schätzen, dass er zwischen 11 und 20 Pro­zent liege- in Wahrheit sind es bundesweit knapp 9 Prozent. 42 Prozent derjenigen, die mit dem politischen System unzufrieden sind, stimmen dem Urteil zu, dassausländische Männer deutsche Frauen und Mädchen anmachen, und zwar mehr als deutsche Männer. 34 Prozent sa­gen,die Ausländer nehmen uns die Arbeit und Wohnungen weg. Immerhin 12 Prozent zeigenVerständnis für Leute, die Gewalt gegen Ausländer verüben, und 15 Prozent findenAktionen gegen Ausländer in Ordnung, denn irgendwer muss doch was tun. Zum Vergleich: 18 Prozent derjenigen, die mit dem politischen System zufrieden sind, und 27 Prozent der Unzufriedenen unterschreiben den Satz:Ich kann verstehen, dass die Ju­gendlichen immer gewalttätiger werden- sie müssen sich wehren. Ausländer provozieren durch ihr Verhalten selbst die Ausländerfeindlichkeit: 48 Prozent der Zufriedenen, 54 Prozent der Unzufriede­nen stimmen dem Satz zu. Und 32 Prozent (bei den Unzufriedenen gar 41 Prozent) erklä­ren:Deutsche Frauen sollten keine Auslän­der heiraten. Feine, aber wichtige Unterschiede zwischen Ost und West zeigen sich, fragt man die Bür­ger nach Erklärungen für die steigende Ge­walt gegen Fremde. In den alten Ländern, fanden die Forscher heraus, wird an der The­se gezweifelt, dass Ausländer den Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen, und hinzuge­fügt,dass die gewalttätigen Jugendlichen dies aber glauben. In den neuen Ländern seien die Menschen hingegen von einem Ver­drängungswettbewerb auf dem Arbeitsmarkt im Großen und Ganzen überzeugt. In den alten Ländern wird der wachsende Fremdenhass darauf zurückgeführt, dass die Fähigkeit der Gesellschaft erschöpft sei, die Einwanderer zu integrieren. In Gegenden mit hohem Ausländeranteil wie dem Ruhrgebiet stört man sich an derenaggressivem Auftre­ten. Hier beschwere man sich zum Teil sehr emotional darüber, dass dieAusländerfrage tabuisiert werde:Ich war eigentlich immer ein Liberaler, aber man muss auch sehen, dass die permanente Tabuisierung der Aus­länderfrage zu einer Aggressivität führt, die www.fes-online-akademie.de Seite 16 von 18