Kampflinien verlaufen werden, wird sich zeigen. Für KCTU ist die Lage im gewissen Sinne einfacher geworden. Die Regierung Roh Moo-hyun war reformorientiert und, so gut sie konnte, arbeitnehmer- und gewerkschaftsfreundlich, jedenfalls wird das von konservativer Seite behauptet. Das schadete sowohl KCTU als auch der Regierung von Roh Moo-Hyun. Die KCTU selbst sah das anders und klagte über die hohe Zahl von Gewerkschaftern, die im Gefängnis saßen. Mit der neuen Regierung werden die Konfliktlinien klarer gezogen sein – und die Konfrontation möglicherweise wieder eskalieren. Der andere gewerkschaftliche Dachverband, FKTU, könnte das umgekehrte Problem bekommen, wenn er sich, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, zu sehr im Fahrwasser der Regierung bewegt. wáîáäÖÉëÉääëÅÜ~Ñí= Die Zivilgesellschaft hat sich in 20 Jahren Demokratie in Südkorea quantitativ und qualitativ enorm entwickelt. Progressive zivilgesellschaftliche Organisationen gehörten zu den wichtigsten Stützen von Roh Moo-hyun im Wahlkampf vor fünf Jahren. Eine ganze Reihe ihrer Aktivisten wechselte in Regierungsämter und ins Parlament. Progressive NGOs werden daher weitgehend mit der Regierung Roh Moo-hyuns identifiziert. Umgekehrt sahen sich einige dieser Organisationen in ihrer Rolle als kritisches Sprachohr der Gesellschaft eingeschränkt und legten großen Wert darauf, auch in finanzieller Hinsicht sichere Distanz zur Regierung zu wahren. Nun gibt es nicht nur progressive NGOs in Korea, sondern auch eine Vielzahl konservativer Bürgerorganisationen. Viele davon haben sich im„ kÉïJoáÖÜíJjçîÉãÉåí“ zusammengefunden und spielten im Wahlkampf Lee Myung-baks keine unwichtige Rolle. Parallel zum Wahlkampf 2002 werden Aktivisten aus diesen Reihen nun auch Plätze an der Sonne beanspruchen. Überhaupt werden die konservativen Bürgerorganisationen nun ein größeres Gewicht bekommen. Zugleich werden sie von den staatlichen Mitteln, die für NGOs zur Verfügungen stehen einen größeren Teil bekommen als bisher, natürlich zu Lasten der progressiven NGOs, die dafür politisch eine klarere Linie verfolgen können. Eine paradoxe Situation ergibt sich in Bezug auf Nordkorea: für die konservativen NGOs mit Nordkoreainteresse, stehen Menschenrechtsverletzungen Nordkoreas und die Unterstützung nordkoreanischer Flüchtlinge in China im Vordergrund. Linke NGOs und von Kirchen getragene Organisationen betreiben konkrete Hilfsprogramme. Lee Myung-bak wird sicherlich nichts dagegen haben, dass diese Programme weiterlaufen, im Gegenteil, denn sie schaffen auch Vertrauen zwischen Nord- und Südkorea. Öffentlich spricht auch er von Menschenrechtsverletzungen, beruhigt dadurch die Hardliner im eigenen Land und in den USA, und schafft sich vielleicht gerade dadurch die Freiräume für seine Modernisierungspolitik Nordkoreas. Freilich ist es auch nicht undenkbar, dass die neue Regierung NGOs, die, egal aus welchem Lager, dazu tendieren, störende Unruhe zu erzeugen, unter Druck setzten wird. Das könnte auch für von der Regierung Roh Moo-Hyun geschaffene Einrichtungen wie die Wahrheits- und Versöhnungskommission, die Korea Democracy Foundation, denen es beide um innere Versöhnung und die Aufarbeitung der vielen historischen Konfliktlagen wie Kolonialisierung, Krieg und Diktatur geht, und die Menschenrechtskommission, die Menschenrechtsverletzungen in Südkorea nachgeht, gelten, die sie wohl nicht abschaffen, aber„aushungern“ könnte. Dass er verschiedene Kommissionen für nicht besonders nützlich hält, wurde in den letzten beiden Wochen immer wieder angesprochen. Es soll auch eine Liste von NGOs geben, deren Aktivitäten, man sich „genauer ansehen möchte“. Wie zivilgesellschaftliche Organisationen darauf reagieren werden, wird eine interessante Frage werden, denn in ihnen sind Zigtausende von engagierten und von der Sache überzeugten Aktivisten tätig, die im Rückzug oder gar im Widerstand des Staates, einen Anreiz zu noch stärkerem Engagement und einen Gewinn an Legitimität sehen würden – ungeachtet dessen, dass sich bei vielen von ihnen zunächst Niedergeschlagenheit und große Besorgnis breitgemacht hat. Das gilt insbesondere auch für NGOs, die sich für Gleichberechtigung und Genderfra10
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Aufkeimende Hoffnungen : entschwinden der Koreafrage und Wirtschaftswunder in Nordkorea?
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