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Eine Sternstunde des Bundestages : Gustav Heinemanns Rede am 23. Januar 1958
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5 Wer erinnert sich heute noch an Gustav Heinemann, den dritten Präsidenten der Bundesrepublik? Für ein fundiertes Verständnis der deutschen Zeitgeschichte ist dieser Präsident jedoch uner­lässlich. Seine Amtszeit, 1969 bis 1974, war das Scharnier zwi­schen den beiden so verschiedenen Epochen der westdeutschen Republik. Und in besonderer Weise verdeutlicht auch das politi­sche Schicksal Gustav Heinemanns den großen Umbruch in der Geschichte der Bundesrepublik. Heinemann gehörte zu den Gründern der CDU im Rheinland, und er wurde schließlich der erste Bundespräsident aus den Reihen der Sozialdemokratie. Im Jahre 1958, vor genau 50 Jahren, wurde jene Zäsur in einer denkwürdigen Sitzung des Bonner Bundestages erstmals sicht­bar. Die Bundestags-Debatte vom 23. Januar 1958 Es war der dritte Bundestag, der sich am 23. Januar 1958 zu seiner neunten Sitzung versammelte. Er war hervorgegangen aus der Bundestagswahl am 15. September 1957, in der Bundes­kanzler Konrad Adenauer seinen größten Wahlsieg errungen hatte und ohne Koalitionspartner weiter regieren konnte. Neben der SPD gehörte nun auch die FDP von Anfang an zur Oppositi­on und nahm diese Rolle engagiert an. In das Parlament waren zahlreiche neue Abgeordnete eingerückt, die bald von sich reden machten, unter ihnen der 58-jährige Gustav Heinemann aus Es­sen. 1 Gustav Heinemann kannte den Bundestag von der Regierungs­bank her: Er war erster Innenminister der Bundesrepublik. Be­1 Zur biografischen Information: Hermann Vinke, Gustav Heinemann, Ham­burg 1979, Bornheim 1986; Gustav Heinemann. Christ und Politiker, hg. von Jörg Thierfelder und Matthias Riemenschneider, Karlsruhe 1999. Zur Litera­tur über Heinemann: Diether Koch, Gustav Heinemann, in: Bautz, Biogra­phisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 17, Herzberg 2000, S. 620­631.