Print 
Eine Sternstunde des Bundestages : Gustav Heinemanns Rede am 23. Januar 1958
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

43 war nach der Wahlniederlage des 15. September 1957 für künf­tige Projekte und Wahlkämpfe eine wichtige Erkenntnis. Ande­rerseits aber mussten sie erfahren, dass die besseren Argumente und die ethisch überzeugendere Position nicht notwendig einen politischen Wahlsieg einbrachten. Deutschlandpläne Heinemanns erster Gegenstand in seiner Rede am 23. Januar 1958 war die Deutschlandpolitik der Jahre 1949 bis 1955. Es war das zentrale Thema seiner damaligen Auseinandersetzung mit Bundeskanzler Adenauer, und er griff es auf, um an die von Adenauer nicht genutzten Chancen, über eine Wiedervereini­gung zu verhandeln, zu erinnern. Das war nun aber für ihn ein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte. Die aktuellen deutsch­landpolitischen Sorgen Heinemanns galten den Gefahren einer doppelten atomaren Aufrüstung in Deutschland. Im November 1958 jedoch wurden die Westmächte durch ein Berlin-Ultimatum der Sowjetregierung überrascht, und die Op­positionsparteien der Bundesrepublik sahen sich durch diese deutschlandpolitische Initiative Nikita Chruschtschows dazu herausgefordert, ihre Vorstellungen über den Weg zu einer deut­schen Wiedervereinigung in einemDeutschlandplan niederzu­legen. Zu dem siebenköpfigen Redaktionsgremium unter dem Vorsitz Herbert Wehners, das innerhalb der SPD-Fraktion ge­bildet wurde, gehörte auch Gustav Heinemann, doch es fehlen bisher Nachweise seiner konkreten Mitarbeit. 81 Nachdem der atomare Aufrüstung 1957/58 in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Ver­gleich, in: Ders., Im Zeichen der Gewalt. Frieden und Krieg im 19. und 20. Jahrhundert, Köln 2003, S. 205-218. Der komparative Beitrag von Holger Nehring ist aufschlussreich, aber für die deutsche Seite zu wenig ausgearbei­tet: Die Proteste gegen Atomwaffen in der Bundesrepublik und Großbritan­nien, 1957-1964, in: Mitteilungsblatt des ISB 31, 2004, S. 81-108. 81 Nur die Rolle der Kommissionsmitglieder Erler und Wehner ist durch Hartmut Soell bisher näher dargestellt worden(Anm. 41, S. 375-393), detail­liert auch das Schicksal dieses Deutschlandplans im Jahre 1959. Vgl. zum Gesamtzusammenhang auch Schütz(Anm. 7), S. 204-212.