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Eine Sternstunde des Bundestages : Gustav Heinemanns Rede am 23. Januar 1958
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37 köpfigen Vorstand gewählt wurde, machte deutlich, dass man sich demonstrativ zur bürgerlichen Intelligenz und den Kirchen hin öffnen wollte. Heinemann war sich dieser Zusammenhänge bewusst und stellte sich in seinem Verhalten innerhalb der Frak­tion klug darauf ein. 63 Seine Freunde und Anhänger informierte er noch im Jahre 1957 über denprogrammatischen Wandel, den er innerhalb der SPD damals erlebte. Er sah diese jetzt auf dem Wegezu einer mehrheitsfähigen breiten Volkspartei, in der sich traditionelle und neue Gruppen miteinander verbinden. 64 Der lebhafte und aufmerksame Applaus, den Heinemann dann bei seinem ersten Auftritt im Bundestag, am 23. Januar 1958, aus den Reihen der SPD-Fraktion erhielt, zeigte ihm, dass er dort angekommen und aufgenommen war. Dass er von seiner Herkunft her in seiner Art und Haltung ein anderer war als seine Fraktionsgenossen, das blieb beiden Seiten stets bewusst. Der SpitznameGustav Gustav, der sich für ihn bald einbürgerte, ist charakteristisch: einerseits eine durchaus kritische Anspie­lung darauf, dass Heinemann prononciert seine beiden Doktorti­tel in der Öffentlichkeit führte, andererseits mit der Ersetzung der Doktortitel durch seinen Vornamen ein Zeichen seiner Aufnahme in die Brüderlichkeit innerhalb der Partei. 65 Die KampagneKampf dem Atomtod! Am 24. Januar 1958 fand- seit langem festgelegt- eine Sitzung des SPD-Parteivorstandes statt. Es gab noch keine Presseberich­te über die große Bundestagsdebatte des Vortages, und so ver­mittelt das knappe Protokoll den unmittelbaren Eindruck der 63 In den überlieferten Protokollen ist nur selten eine Wortmeldung Heine­manns zu finden. Er drängte sich offensichtlich als Redner nicht auf, wartete vielmehr auf Gelegenheiten, persönlich wirken zu können. 64 Der programmatische Wandel der SPD, in:Stimme der Gemeinde 1.12. 1957,Gesamtdeutsche Rundschau 13.12. 1957; erst nach Heinemanns Rede vom 23. Januar auch imVorwärts. Vgl. den Text im Anhang S. 67 ff. 65 Vgl. etwa das ambivalente Bild, das Helmut Schmidt von Heinemann in­nerhalb der SPD zeichnet, in: Weggefährten. Erinnerungen und Reflexionen, Berlin 1996, S. 425.