28 politische Option im Bundestag in die Debatte geworfen worden. Es folgte eine über acht Jahre sich erstreckende Epoche der zu Ende gehenden CDU-Herrschaft. Erst im Rückblick wird deutlich, dass Thomas Dehler in diesen Jahren kontinuierlich auf eine politische Alternative zur Regierung Adenauers hingearbeitet hatte: eine Koalition seiner Partei mit der SPD. Die Wahl Gustav Heinemanns zum Bundespräsidenten als Auftakt zu einer sozial-liberalen Koalition hätte Thomas Dehler wahrscheinlich als Bestätigung dieses politischen Zieles empfunden. Der Weg in die SPD Das Comeback Gustav Heinemanns in die Bundespolitik, öffentlich geworden mit seiner Bundestagsrede am 23. Januar 1958, vollzog sich im Rahmen der Sozialdemokratie. Doch weder in Heinemanns Rede noch in den ersten Reaktionen, die sie auslöste, spielte dieser Umstand eine besondere Rolle. Das veranlasst zu Rückfragen nach Heinemanns Zugang zur SPD und seiner damaligen Position in ihr. Heinemanns Weg in die Sozialdemokratie war ein QuerEinstieg. Gustav Heinemann wurde nicht – so der normale Weg – Mitglied eines SPD-Ortsvereins, sondern stieg von„oben“ in die Partei ein; sein Mitgliedsbuch bekam er im Mai 1957 direkt vom Parteivorstand überreicht. Dort hatte es über seinen ParteiEintritt Diskussionen gegeben; denn Heinemann kam nicht als Einzelner, sondern als der Vorsitzende der GVP, die beabsichtigte sich aufzulösen. Gustav Heinemann war zudem verwurzelt im wohlhabenden und kirchlich engagierten Bürgertum – in einem sozialen Milieu also, von dem damals nur selten ein Weg in die SPD führte. Es waren daher auf beiden Seiten erhebliche Barrieren, soziale wie auch mentale, zu überwinden.
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Eine Sternstunde des Bundestages : Gustav Heinemanns Rede am 23. Januar 1958
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