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Eine Sternstunde des Bundestages : Gustav Heinemanns Rede am 23. Januar 1958
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20 Aus der DDR jedoch kamen weit überwiegend und in einer erstaunlichen Anzahl Sympathie-Briefe naturgemäß aus christ­lichen Kreisen:Haben Sie sehr herzlichen Dank für dieses kla­re, aufrichtige und die Situation klärende Wort. Wenn ich Ihnen dieses schreibe, so weiß ich mich eins mit vielen Menschen hier bei uns(Superintendent F., Dahme). Weitaus mehr Zuschriften aber kamen von nicht kirchlichen Absendern, die durchaus nicht immer den Eindruck machten, sie seien vonoben dazu ani­miert worden. So schrieb derFriedensrat in Gera, es sei ihm ein Bedürfnis, Ihnen im Kampf um eine aufrichtige Politik der Wiedervereinigung Deutschlands seine tiefe Verbundenheit zu bekunden und Ihnen für die unerschrockene Aufdeckung der geradezu deutschlandfeindlichen(!) Politik des Herrn Kanzler Adenauer zu danken. Ähnlichen Zuspruch erhielt Heine­mann von den Teilnehmern einer Tagung von Erziehern im Be­zirk Karl-Marx-Stadt, von fünf Schülern der Leibniz-Oberschule in Leipzig, von den Lehrkräften und dem technischen Personal der August-Bebel-Schule in Wurgwitz bei Freital und nicht zu­letzt von Einzelpersonen wie Fritz G.:Ich habe an zwei Welt­kriegen aktiv teilgenommen. Ich habe meine Heimatstadt Dres­den 1948 wieder gesehen und kaum noch erkannt. Soll man als denkender Mensch aus solchen Dingen, die einem ans Herz grif­fen, nichts lernen?... Aus Ihren Ausführungen vor dem Hohen Haus klang warm und deutlich die große Verantwortung heraus, die Sie vor der Nation und ihren Wählern empfinden Seien Sie überzeugt, dass Sie der Vielzahl verantwortungsbewusster deutscher Patrioten in West und Ost aus dem Herzen gesprochen haben. Gustav Heinemann und Thomas Dehler Die Bundestagsdebatte des 23. Januar 1958 ist auch dadurch denkwürdig geworden, dass die beiden bekanntesten Adenauer­Kritiker der Bundespolitik hier zusammentrafen und der politi­schen Auseinandersetzung mit dem Bundeskanzler eine neue Zuspitzung gaben, die ins Grundsätzliche ging. Das veranlasst,