Sammelwerk 
Agrarpolitik und Ländlicher Raum in Mecklenburg-Vorpommern nach 1989
Entstehung
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6| POLITISCHE BILDUNGSARBEIT In eigener Sache: Politische Bildungsarbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung für die Landwirtschaft und den Ländlichen Raum von Meck­lenburg-Vorpommern Ein Rückblick auf Aktivitäten und Akteure(M. Just) Unser Landesbüro begann mit seiner Arbeit im Januar 1991. Das erste Büro befand sich in Schwerin am Großen Moor Nr. 6. Gemeinsam mit dem ersten Landesbüro des ZDF bezogen wir die Oberetage eines denkmalgeschützten Bürgerhauses. Es lag in der Natur dieses Bundeslandes: Ag­rarpolitik war von Anfang an ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Mecklenburg-Vorpommern als historisch gewachsenes Agrarland bildete dafür günstige Voraussetzungen. Es gab dramatische Veränderungen in den ersten Jahren nach der friedlichen Revolution. Diese öffentlich zu diskutieren und mögli­che Alternativen und Lösungen anzubieten, stand auf unserer Tagesordnung. Es ging um Erklärungen von Trends, die einer umge­kehrtenHockeyschlägerkurve glichen. Am schlimmsten war wohl der radikale Abbau der Arbeitskräfte von rund 189.000 AK in der Land­und Forstwirtschaft 1989 auf rund 35 000 im Jahre 1993, leicht degressiv bis heute. Arbeitslos wurden Tausende Betriebsschlosser, Betriebs­handwerker, Traktoristen und Tierpfleger, mit und ohne Facharbeiterabschluss. Diese waren teilweise schlecht bezahlt, aber zu DDR-Zeiten sicher ein Arbeitsleben lang unter dem Dach der Genossenschaften und volkseigenen Güter aufgehoben. Die Rechtsformen und Betriebsstruktu­ren änderten sich infolge des Wirkens des Landwirtschaftsanpassungsgesetzes der letzten Volkskammer und seiner Novellierungen hin zu einer Vielfalt von juristischen und natürlichen Personen,Neueinrichtern, undWiederein­richtern, wovon in den nächsten Kapiteln später eingehender berichtet wird. Aus dem Westen drängten Enteignete der Bodenreform auf den Markt der Begehrlichkeiten. Bauern, die vor der mit Zwang verbundenen Kollektivie­rung und wegen des hochgeschraubten Abga­bensolls in den frühen DDR-Jahren ihre Höfe verließen, meldeten ihre Ansprüche auf deren Rückübertragung an und bekamen sie zurück, durch die Bodenreform-Enteignete bekanntlich zum größten Teil nicht. Sie konnten, gesetzlich gesteuert bevorzugt alsAlteigentümer einen Teil ihrer Flächen zum Teil preisbegünstigt zurückkaufen. Dieser Prozess setzt sich bis heute fort, dabei gibt es Streit zwischen den Interessenten an lukrativem Pachtland. Ab Mitte der 90er Jahre meldeten sich die sog. Kreispachtgeschädigten, derenArbeitseigen­tum, erworben in der Bodenreform, nach dem Ausscheiden aus der Landwirtschaft wieder in den staatlichen Bodenfonds zurückfiel. Überall gab es also Baustellen und Konflikte. Diese in die politische Bildung eines Landes­büros einzubeziehen, war und ist nicht leicht, eben wegen dieser angedeuteten Interessen­konflikte zwischen den Personengruppen. Und dann wegen der Zuständigkeiten, die zwischen der EU, dem Bund und dem Land aufgeteilt sind: der Löwenanteil der Beihilfen der Marktordung kommt aus Brüssel, wie der größte Teil der agrarsozialen Sicherung aus dem Bundeshaushalt kommt, da bleibt für die Landesebene oft nur ein enger Spielraum. Es verlangt politisches Geschick, diese Spiel­räume optimal zu nutzen. Und dann gibt es den Grundkonflikt zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz. Diese Ressorts sind in der abgelaufenen Legislaturperiode in MV unter einem Dach vereint. Eine Harmonisierung der widerstrebenden Kräfte ist also eine ständige Aufgabe, die wir versucht haben zu begleiten. Unsere erste agrarpolitische Veranstaltung im Lande war im Juni 1991 mit Till Backhaus und dem damaligen Landwirtschaftsminister von Brandenburg Edwin Zimmermann. Till Back­haus war damals als SPD-Mitglied des ersten Landtages und als Abgeordneter der letzten frei gewählten Volkskammer der DDR gemeinsam