110| ANHANG Dr. Hans Schwiderski: Erinnerungen an die Jahre des Aufbaus der Arbeitsgemeinschaft für Urlaub und Freizeit auf dem Lande M/V e. V. (2005 umbenannt in“Landurlaub M/V”) (unveröffentlicht, 2008) Gründungsversammlung in Reimershagen und Namensgebung An einem Samstag im Sommer 1991 machten wir uns aus Dummerstorf auf nach Reimershagen, weil wir erfahren hatten, dass dort eine Zusammenkunft über Tourismus auf dem Lande statt finden sollte. Meine Motivation zu dieser Fahrt ergab sich aus der im April angetretenen Stelle als Projektleiter bei der Landestierärztekammer für den Aufbau von Naturund Wildparks, um wenigstens einen kleinen Teil der 700 plötzlich arbeitslos gewordenen Tierärzte über ABM beschäftigen zu können. Bis dahin hatte ich mich im hiesigen Forschungsinstitut 95 mit Embryonensplitting, das heißt mit der Erzeugung identischer Zwillinge beim Rind durchaus erfolgreich beschäftigt, sah aber unter den neuen Bedingungen wegen des bevorstehenden Wegfalls des großteils der Stellen und des Austausches vieler Wissenschaftler durch Leute aus dem Westen keine Perspektive für mich, weiter in der Forschung tätig zu sein. Mit mir kamen zwei Leute, Nachbarn, die Interesse hatten evtl. auf dem Gebiet des ländlichen Tourismus eine neue Beschäftigung zu finden. Neben einigen Leuten aus Reimershagen und Umgebung war eine größere Gruppe aus dem Süden des Kreises Ückermünde angereist.(Luckow- Rieth) Man hatte dort Ideen entwickelt, ehemalige NVA- Liegenschaften für den Tourismus nutzbar zu machen. Eine weitere Gruppe, für uns die wichtigste, war aus Westdeutschland, namentlich aus Nordrhein- Westfalen und Niedersachsen angereist. Es waren Leute einer internationalen Nichtregierungsorganisation zur Erhaltung und der AdL der DDR Unterstützung ländlicher Räume, genannt ECOVAST. Maria Meier- Gresshoff, die selbst ein Landhotel bei Oelde aufgebaut hat und betreibt, hielt den Einführungsvortrag. In einer bewegenden Schilderung des Beginns ihrer Beschäftigung mit dem Erwerbszweig machte sie klar, dass es ihr nicht leicht gefallen war, mit einer Vermietung von Zimmern im Wohnhaus des Gresshoffschen Bauernhofes zu beginnen. Als sie einmal mit ansehen musste, wie ihr Mann einen zahlenden Jagdgast mit dem Spazierstock begleitete, weil die Landwirtschaft nicht mehr genug abwarf, um den Hof zu erhalten, fasste sie den Entschluss: “Maria, du musst etwas tun, was Geld ins Haus bringt, ehe es zu spät ist.” Sie begann mit der Vermietung von drei Zimmern im Dachgeschoss mit insgesamt sieben Betten und schilderte, wie sie aus den Einnahmen die ständigen Erweiterungen bis zum heutigen Landhotel schaffte, welches nicht nur einigen Familienangehörigen, sondern auch mehreren Angestellten, Arbeitsplätze und Einkommen bietet. Eindringlich wies sie darauf hin, dass es dabei sehr wichtig ist, im Rahmen eines Vereins organisiert zu sein, weil nicht nur die staatliche Unterstützung, sondern auch die Kommunikation mit den entsprechenden Stellen der Landesregierung und die Vertretung der legitimen Interessen der Anbieter die Existenz von Ansprechpartnern verlangen. Angus Fowler sprach über die Bedingungen und Notwendigkeiten die eine Vereinsgründung erfordert und erläuterte eine Mustersatzung. Das war sehr notwendig, da diese Materie für fast alle zukünftigen Vereinsmitglieder vollkommen neu war. Er ging auch auf die Bedeutung des ländlichen Tourismus für die Erhaltung des baulichen und sonstigen kulturellen Erbes in den ländlichen Räumen. Nach weiteren Auftritten aus der hauptsächlich aus NRW angereisten Gruppe und einigen zaghaften Fragen aus der Zuhörerschaft, war man der Meinung zum Gründungsakt schreiten zu können. Als Titel für den e.V. schlug man den oben genannten vor, weil er unlängst in Niedersachsen für gut befunden worden war und als Aufbautitel geeignet erschien.
Sammelwerk
Agrarpolitik und Ländlicher Raum in Mecklenburg-Vorpommern nach 1989
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