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Evidenzbasierte Justizforschung für effektive Rechts- und Justizpolitik
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5. und Handlungsempfehlungen für die Justizforschung 5.1 Bewertung Justizforschung wird in Deutschland dezentral und projekt ­bezogen mit Blick auf Einzelfragen betrieben. Ein instituti­onell verankerter holistischer, interdisziplinärer, verglei­chender und multimethodischer Blick auf die Justiz fehlt bisher. Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig. Ein wich­tiger Aspekt dürfte, wie bereits angedeutet, die traditionell weniger interdisziplinäre, dafür aber auf die juristische Aus ­bildung ausgerichtete, rechtswissenschaftliche Forschung in Deutschland sein. Interdisziplinäre, empirische For­schung ist gerade in der Rechtssoziologie durchaus bekannt, doch gibt es wenige Professuren in diesem Bereich, sodass diese Ausrichtung für Nachwuchsfor­scher:innen wenig attraktiv war und ist. Mit dieser geringen institutionellen Verankerung fehlt es an einer Evidenzbasis, die die Justiz als System im Ganzen in den Blick nimmt, wenn Zukunftsfragen und Reformen dis­kutiert werden. Dabei wären solche gerade aktuell nötig, denn die deutsche Justiz befindet sich im Umbruch. Die Auswirkungen von Digitalisierung, KI und Großverfahren auf die Justiz sind noch unklar. Auch das Verhältnis von Justiz und Gesellschaft ist im Umbruch, wie Gefährdungen des Rechtsstaats, die Herausforderungen bei der Nach­wuchsgewinnung für die Justiz, die Probleme im Zusam­menhang mit dem Zugang zum Recht und die Entwicklung der Eingangszahlen zeigen. Es geht dabei nicht nur um eine Erforschung der Justiz selbst, sondern auch darum, wie Justiz ihre Aufgaben in der Gesellschaft wahrnimmt und ob ihre Angebote noch die Bedürfnisse der Menschen erfüllen. Solche sogenannten Unmet-Legal-Needs-Studien 47 gibt es in anderen Ländern bereits, wurden jedoch bisher nur vereinzelt in Deutschland durchgeführt. 48 Eine derarti­ge Datengrundlage wäre gerade dann wichtig, wenn die Initiative für einen handlungsfähigen Staat 49 in Zukunft auf die Justiz ausgedehnt werden sollte. 5.2 Handlungsempfehlungen Der internationale Überblick gibt eine Fülle von Anregun­gen, wie Justizforschung auch in Deutschland gestärkt und gestaltet werden könnte. Ansätze könnten einzeln verfolgt, aber auch kombiniert werden. Denkbar sind Ansätze zur Förderung von Justizforschung an Universitäten und For­schungseinrichtungen(1), solche, die die öffentliche Res ­sortforschung stärken(2), und schließlich solche, die die Justiz selbst als wichtigen Akteur der Justizforschung ein­beziehen(3). 1. U niversitäten und Forschungseinrichtungen: Die Grün­dung eines wissenschaftlichen Instituts für Justizfor­schung, angebunden an eines der großen Forschungsins­titute oder an eine Universität, wäre wünschenswert. solches Institut könnte langfristig ausgerichtete Forschungsprojekte durchführen und damit der Politik eine Evidenzbasis für eine effektive Rechts- und Justiz­politik zur Verfügung stellen. mit den oben genannten Institutionen im Ausland könnten einen internationalen Überblick ermöglichen, der auch der Politik die internationale Einordnung einzelner Maßnahmen erleichtern würde. eine solche Einrichtung ließen sich gerade auch für Wissenschaftler:innen in frühen Phasen ihrer Karrie­re Anreize schaffen, sich auf Fragen der Justizfor­schung zu spezialisieren und sich in internationale Netzwerke im In- und Ausland mit Spitzenforschung einzubringen. deutscher Ebene böten sich für solche Institute umfangreiche Möglichkeiten der Kooperation mit Gerichten und Justizministerien von Bund und Län­dern. Evidenzbasierte Justizforschung für effektive Rechts- und Justizpolitik 15