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Integrations- und Antidiskriminierungspolitik in Einwanderungsgesellschaften : zwischen Ideal und Wirklichkeit der Demokratie
Entstehung
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Konflikte erscheinen dann als Resultat abweichenden, dysfunktionalen oder irrationalen Verhaltens von Personen bzw. Gruppen. Wird demgegenüber davon ausgegangen, dass die Gesellschaft selbst durch Unterschiede, Widersprüche und Gegensätze gekennzeich­net ist, so wird der Konflikt eher positiv, nämlich als Ausdruck und Element sozialen Wandels und als Beitrag zur Stabilisierung und Integration der Gesellschaft interpretiert. Die Bereitschaft bzw. Fähigkeit zur Konfliktaustragung wird von daher auch als ein Krite­rium für die Starrheit oder Flexibilität eines sozialen Systems angesehen. Aufgrund ihrer Vielzahl und Intensität stellen diese Konflikte eine der großen Herausfor­derungen dar, mit denen Integrationspolitiken in den westeuropäischen Einwande­rungsgesellschaften gegenwärtig und in absehbarer Zukunft konfrontiert sind. Von zen­traler Bedeutung für ein demokratisches Zusammenleben der Angehörigen von einhei­mischen und zugewanderten Bevölkerungsgruppen und dessen politische Gestaltung ist damit die Auseinandersetzung mit der Frage, die Giddens folgendermaßen formuliert hat: Unter welchen Bedingungen können die Angehörigen verschiedener ethnischer Grup­pen oder kultureller Gemeinschaften miteinander auskommen? Und unter welchen Um­ständen arten die Beziehungen zwischen ihnen wahrscheinlich in Gewalt aus?(Gid­dens 1997, S. 324 f.; vgl. ähnliche Fragestellungen bei Smolicz 1982, S. 44 f. und Rex 1996, S. 99) 3.2 Gewaltfreier Umgang mit Konflikten als Merkmal der Demokratie Entstehung, Verlauf und Auswirkungen von Konflikten sind nicht nur von gesellschaftli­chen, sondern auch von politischen Faktoren abhängig. Der politische Umgang mit sozi­alen Konflikten kann wiederum sehr unterschiedlich sein. Grundsätzlich lassen sich die folgenden Politiktypen unterscheiden: i~áëëÉòJÑ~áêÉ- mçäáíáâÉå: Sie beinhalten passive Verhaltensweisen gegenüber sozialen Konflikten und resultieren in der Regel aus deren Leugnung, Verdrängung, Unter­schätzung, Idyllisierung oder Romantisierung und/oder der Hoffnung, dass diese sich von alleine lösen. råíÉêÇê ÅâìåÖ=îçå=hçåÑäáâíÉå: Sie beruhen in der Regel auf einer Überbetonung der von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen ausgehenden Gefahren und Bedro­hungen. Die Austragung von Konflikten soll kraft Befehl oder Gewalt vermieden oder blockiert werden. Bricht ein unterdrückter Konflikt doch offen aus, wird er ge­wöhnlich von allen Beteiligten unverhältnismäßig aggressiv geführt. i ëìåÖ=îçå=hçåÑäáâíÉå: Hier wird auf die vollständige Beseitigung der Ursachen, der Spannungen und der Gegensätze abgestellt, die den Konflikten zugrunde liegen, in der Hoffnung, dass diese damit ein für allemal ‚gelöst und beendet sind. c êÇÉêìåÖ=ìåÇ=sÉêëÅÜ®êÑìåÖ=îçå=hçåÑäáâíÉå: Diese ergeben sich entweder als unbe­absichtigte Folge politischen Handelns oder im Zusammenhang mit einer bewussten Instrumentalisierung für bestimmte gesellschaftspolitische Zwecke, insbesondere zur Durchsetzung von Interessen an dem Erhalt oder der Erweiterung von Macht- und Herrschaftspositionen(vgl. Thränhardt 2001, S. 43 ff.). oÉÖìäáÉêìåÖ=ìåÇ=fåëíáíìíáçå~äáëáÉêìåÖ=îçå=hçåÑäáâíÉå: Dabei handelt es sich um Politi­ken, bei denen Konflikte als ein ‚normales soziales Phänomen, als legitim und als prinzipiell positiv für die gesellschaftliche Entwicklung und Integration gesehen wer­den. Konflikte sollen offen ausgetragen werden können, ohne dass auf deren Un­terdrückung oder eine endgültige ‚Lösung abgestellt wird. Die jeweiligen Konflikt­71