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Integrations- und Antidiskriminierungspolitik in Einwanderungsgesellschaften : zwischen Ideal und Wirklichkeit der Demokratie
Entstehung
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sollte die Differenz zwischen positiver und negativer Toleranz(und der entsprechenden Gegenbegriffe bei der Intoleranz) beachtet werden. mçëáíáî verstandene Toleranz ist ei­ner der grundlegenden Werte für ein freies und friedliches Zusammenleben. Der Kern des Toleranzgedankens ist die Anerkennung des gleichen Rechts auf ein Zu­sammenleben für entgegengesetzte Doktrinen und, ausgenommen diejenigen, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen, die Anerkennung des Rechts auf Irrtum, zumindest wenn das im guten Glauben geschieht. Die Notwendigkeit der Toleranz entsteht, wenn man gewahr wird, dass Meinungen irreduzibel sind und es gleichwohl einen ãçÇìë=îáJ îÉåÇá zu finden gilt(ein rein formale Spielregel), der es den Meinungen erlaubt, zum Ausdruck gebracht zu werden. Entweder Toleranz oder Verfolgung, íÉêíáìã=åçå=Ç~íìê. (Bobbio 1998a, S. 102) 180 Toleranz im åÉÖ~íáîÉå Sinne widersetzt sich demgegenüber der Prinzipientreue, d.h. dem ebenso gerechten wie notwendigen Ausschluss all dessen, was dem Individuum oder der Gesellschaft Schaden zufügen kann. Sie beinhaltet Nachsicht und Duldsamkeit gegenüber dem Bösen, dem Irrtum und der Prinzipienlosigkeit oder Vorliebe dafür, seine Ruhe haben zu wollen, oder auch Blindheit gegenüber den Werten. 181 _ÉÑ®ÜáÖìåÖ=òìã=rãÖ~åÖ=ãáí=ëçòá~äÉå=hçåÑäáâíÉåW Zu den Aufgaben Politischer Bildung in der Einwanderungsgesellschaft gehört es auch, die Angehörigen der jeweiligen Ziel­gruppen zu einem angemessenen Umgang mit sozialen Konflikten zu befähigen. Dazu gehört insbesondere die Fähigkeit, Merkmale, Ursachen und Folgen von Konflikten er­kennen zu können sowie die Einsicht, dass Entwicklung, Intensität und Folgen von sozia­len Konflikten auch von der Art und Weise beeinflusst sind, wie mit ihnen umgegangen wird. Zudem sollte Politische Bildung die Bedeutung von kommunikativen Techniken zur Konfliktbearbeitung in der Einwanderungsgesellschaft verdeutlichen, zugleich aber auch darauf hinweisen, dass für deren Erfolg verschiedene Voraussetzungen erforderlich sind, die ihrerseits nicht ohne weiteres vorhanden sind oder hergestellt werden können. pÉåëáÄáäáëáÉêìåÖ=Ñ ê=~ååìåÖÉå=òïáëÅÜÉå=aáëëÉåë=ìåÇ=hçåëÉåë: Eine wichtige Aufgabe von Politischer Bildung in der Einwanderungsgesellschaft besteht schließlich darin, bei den jeweiligen Adressaten ein Problembewusstein hinsichtlich der Spannungen zu ent­wickeln, die zwischen den Prinzipien der Freiheit, Toleranz und Demokratie einerseits und der Notwendigkeit zu deren Begrenzung andererseits bestehen. Um Problembe­wusstsein zu vermitteln und eine eigenständige Urteilsbildung und die Entwicklung von Handlungsfähigkeit zu fördern, sollten im Rahmen von Lehr- und Lernprozessen sowohl die Notwendigkeit als auch die Problematik von Grenzziehungen thematisiert und dar­über hinaus der labile, heterogene und dynamische Charakter eines Minimal-Konsenses, unterschiedliche und kontroverse politische Optionen des Umgangs mit diesen Span­nungen sowie die Notwendigkeit demokratischer Verfahrensregeln verdeutlicht werden, mit deren Hilfe die jeweilige Ausgestaltung dieser Basis reflektiert, diskutiert, überprüft und weiterentwickelt werden kann. Was die ÇáÇ~âíáëÅÜJãÉíÜçÇáëÅÜÉ= rãëÉíòìåÖ betrifft, so haben im Rahmen von organi­sierten Lehr- und Lernprozessen Gesichtspunkte der jÉíÜçÇÉå= ÄòïK= jÉíÜçÇáâ einen 180 Der Gegenbegriff zur Toleranz im positiven Sinne ist die fåíçäÉê~åò im åÉÖ~íáîÉå Sinne, also die religiöse, politische oder rassistisch begründete Intoleranz, d.h. der unzulässige Ausschluss all derjenigen, die ‚anders sind. Ursache und Begleiterscheinung dieser Orientierung ist nach Bobbio der c~å~íáëãìë:Unter Fanatismus versteht man eine blinden Gehorsam gegenüber einer Idee, der mit hartnäckigem Eifer gedient wird, bis hin zur Bereitschaft, Gewalt anzuwen­den, um andere zu zwingen, ihr zu folgen, und denjenigen zu bestrafen, der nicht bereit ist, sie anzunehmen.(Bob­bio 1983b, S, 393; Übersetzung aus dem Italienischen von mir, A.S.) 181 Der entsprechende Gegenbegriff ist die fåíçäÉê~åò im éçëáíáîÉå Sinne. Diese ist gleichbedeutend mit solchen Tu­genden wie Strenge, Konsequenz und Standfestigkeit(vgl. Bobbio 1998a, S. 98 f.). 88