FES-Analyse Bangladesch 2003 Hypotheken und Herausforderungen Martin Peter Houscht Oktober 2003 Die Kluft zwischen Verfassungsnorm und Verfassungswirklichkeit in Bangladesch ist groß. Dazu tragen auch und insbesondere die politischen Parteien bei. Sie sind in erster Linie Gefolgstruppen von Führungspersönlichkeiten, keine Vereinigungen Gleichgesinnter, die gesellschaftlich relevante Funktionen(Interessenvertretung und-abgleichung) erfüllen und dabei demokratische Regeln beachten. Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften, die Medien und andere Teile der Zivilgesellschaft geraten in den Sog parteipolitischer Konfrontation und Lagerbildung. Dies schwächt die demokratische Ordnung. Korruption ist allgegenwärtig. Sie hemmt unternehmerische Impulse im Inland und Investitionen aus dem Ausland. Bangladesch hat zuletzt Produktionserfolge beim Nahrungsmittelgetreide erzielt, doch ist eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte ungewiss. Der Produktionsfortschritt wird teuer erkauft: Die Produktion von Ölsaaten, Gemüse, Hülsenfrüchten und Menge sowie Artenreichtum der Fische gehen teilweise wegen des „grain bias“ aller bisherigen Regierungen zurück. Derweil wächst ungeachtet großer bevölkerungspolitischer Fortschritte die Bevölkerung weiter schnell und isst Produktionszuwächse buchstäblich auf. Bangladesch ist nach wie vor ein Agrarland. Die Landwirtschaft kann jedoch nicht genügend Arbeitsplätze produktiv binden. Ihre fehlende Dynamik wirkt sich auch auf den industriellen Sektor aus, der ebenfalls nicht ausreichend Arbeitsplätze schaffen kann. Der tertiäre Sektor ist stark reglementiert und wenig dynamisch. Derweil müssen die Aktiva in Gestalt des Bekleidungssektors und der Auslandsüberweisungen der Gastarbeiter angesichts wirtschaftlicher Globalisierung und militärischer Konflikte verteidigt werden. Die Schwemmlandebene an den Unterläufen und im Delta von Ganges und Brahmaputra gehört zu den wahrscheinlichen Opfern der globalen Erwärmung. Ohne eine schnell und global greifende Klimapolitik droht das Land bis zu 20 Prozent seiner Fläche bis zum Jahr 2050 zu verlieren. Deutschland ist für Bangladesch ein wichtiger Handelspartner und Akteur in der Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland muss bilateral und mit anderen Gebern im Kontext des Pariser Entwicklungsforums Bangladesch die Chance einräumen, ein partizipatorisches Armut bekämpfendes Entwicklungsprogramm mit klaren Zielmarken zu planen und umzusetzen. Die hoch gelobten Mikrokredite alleine können eine umfassende Entwicklung nicht herbeiführen. Herausgeber und Redaktion: Albrecht Koschützke, Stabsabteilung der Friedrich-Ebert-Stiftung, 53170 Bonn, Tel.: 0228-883 213, Fax: 883432, emal: albrecht.koschuetzke@fes.de
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