Druckschrift 
Bangladesch 2003 : Hypotheken und Herausforderungen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

12 lar(2001) eines der Armenhäuser der Welt. Nach Schätzungen der Weltbank ist ein jährliches Wirtschaftswachstum von 7-8% erforderlich, um den Anteil der Armen noch immer fast jeder Zweite nachhaltig zu reduzieren. Unter den Be­dingungen einer zuletzt wieder kräftig gestiege­nen Inflation(> 5%) würde selbst dieses Wachs­tum nicht ausreichen. Ohnehin fragt sich, woher es kommen soll angesichts der strukturelle Schwä­chen der Volkswirtschaft und der zahlreichen Hemmnisse für ein nachhaltiges kräftiges Wirt­schaftswachstum. Gegenwärtig sind 62,3% der Arbeitskräfte im landwirtschaftlichen Sektor gebunden. Die Land­wirtschaft trägt aber nur noch 23,3% zum BIP bei. Dieses Missverhältnis kann auch als Ar­mutsschere bezeichnet werden und ist Aus­druck der Schwäche der Landwirtschaft, ge­nügend Arbeitskräfte produktiv zu binden. Hierin liegt auch ein wichtiger Grund für die immense Land-Stadt-Migration. Die fehlende Dynamik der Landwirtschaft wirkt sich auch auf den industriellen Sektor aus, der ebenfalls nicht ausreichend Arbeitsplätze schaf­fen kann oder nur zu dem Preis sinkender Ar­beitsproduktivität. Allerdings hat die Industrie dank einer seit 1991 verstärkt erfolgten libe­ralen Industriepolitik teils große Erfolge in den Bereichen Bekleidung, Leder, chemische und pharmazeutische Industrie erzielen können. Gleichwohl leiden investitionswillige Unter­nehmen im In- und Ausland unter der ab­schöpfungsmotivierten Regulierungswut der jeweiligen Administration in Gestalt eines nicht leicht zu durchblickenden Dickichts von Verordnungen und der außerordentlichen lang­samen Bearbeitung von Anträgen. Ebenso we­nig hilfreich sind die wiederholten Streiks, die zu einer verzögerten Abwicklung von Aufträgen aus dem Ausland führen, worunter insbesondere die Bekleidungsindustrie leidet. FES-Analyse: Bangladesch Die Bekleidungsindustrie: Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind? Zu den positiven Schlagzeilen aus dem Wirt­schaftsleben Bangladeschs gehören neben den Kleinkrediten der Grameen Bank auch die Fabri­ken der Textil- und Bekleidungsindustrie. Ende der 70er Jahre gab es erst rund ein Dutzend sol­cher spezialisierter Unternehmen in Bangladesch. Anfang der 80er Jahre kam der Industriezweig auf einen Anteil von knapp zwei Prozent an den Exporten. Bereits 1988 übertrafen seine Exporter­löse erstmals die aus dem traditionell starken Ju­tesektor. Später wurden zweiExport Pro-cessing Zones(EPZ) eingerichtet, in denen aus dem Ausland importierte Vorprodukte weiter ver­arbeitet und gleich wieder exportiert werden konn­ten. Ausländische Investoren erhielten steuerliche Begünstigungen und andere Vorteile(z.B. dürfen bis heute keine Gewerkschaften in den EPZ ge­gründet werden). Außerdem sind seit 1991 ver­stärkt Anstrengungen unternommen worden, durch eine Kombination von allgemeinen Zoll- und Steuersenkungen Bangladesch für ausländische Investitionen zu gewinnen. Der Erfolg blieb nicht aus: Gegenwärtig beträgt der Anteil der Fer­tigtextilien an den Exporten etwa 75%. Ausschlaggebend für den beispiellosen Erfolg dieses Industriezweiges ist das Multifaserab­kommen(MFA). Das MFA entstand Ende der 70er Jahre vor dem Hintergrund steigender Tex­tilimporte aus Entwicklungs- und Schwellenlän­dern. Da die Arbeitsintensität in vielen Bereichen der Textil- und vor allem der Bekleidungsin­dustrie sehr hoch ist, wirkten sich die geringen Lohnkosten dieser Länder erheblich auf ihre Wett­bewerbsfähigkeit aus. In den Industrieländern drang die dortige Textilindustrie auf Schutzmaßnahmen, ohne die sie nicht überlebensfähig gewesen wäre. Um den Zusammenbruch des Industriezweiges zu verhindern, missachtete man das Postulat des Frei­handels und unterstellte den Textilbereich nicht den Regeln des GATT. Stattdessen wurde mit