12 lar(2001) eines der Armenhäuser der Welt. Nach Schätzungen der Weltbank ist ein jährliches Wirtschaftswachstum von 7-8% erforderlich, um den Anteil der Armen – noch immer fast jeder Zweite – nachhaltig zu reduzieren. Unter den Bedingungen einer zuletzt wieder kräftig gestiegenen Inflation(> 5%) würde selbst dieses Wachstum nicht ausreichen. Ohnehin fragt sich, woher es kommen soll angesichts der strukturelle Schwächen der Volkswirtschaft und der zahlreichen Hemmnisse für ein nachhaltiges kräftiges Wirtschaftswachstum. Gegenwärtig sind 62,3% der Arbeitskräfte im landwirtschaftlichen Sektor gebunden. Die Landwirtschaft trägt aber nur noch 23,3% zum BIP bei. Dieses Missverhältnis kann auch als Armutsschere bezeichnet werden und ist Ausdruck der Schwäche der Landwirtschaft, genügend Arbeitskräfte produktiv zu binden. Hierin liegt auch ein wichtiger Grund für die immense Land-Stadt-Migration. Die fehlende Dynamik der Landwirtschaft wirkt sich auch auf den industriellen Sektor aus, der ebenfalls nicht ausreichend Arbeitsplätze schaffen kann oder nur zu dem Preis sinkender Arbeitsproduktivität. Allerdings hat die Industrie dank einer seit 1991 verstärkt erfolgten liberalen Industriepolitik teils große Erfolge in den Bereichen Bekleidung, Leder, chemische und pharmazeutische Industrie erzielen können. Gleichwohl leiden investitionswillige Unternehmen im In- und Ausland unter der abschöpfungsmotivierten Regulierungswut der jeweiligen Administration in Gestalt eines nicht leicht zu durchblickenden Dickichts von Verordnungen und der außerordentlichen langsamen Bearbeitung von Anträgen. Ebenso wenig hilfreich sind die wiederholten Streiks, die zu einer verzögerten Abwicklung von Aufträgen aus dem Ausland führen, worunter insbesondere die Bekleidungsindustrie leidet. FES-Analyse: Bangladesch Die Bekleidungsindustrie: Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind? Zu den positiven Schlagzeilen aus dem Wirtschaftsleben Bangladeschs gehören neben den Kleinkrediten der Grameen Bank auch die Fabriken der Textil- und Bekleidungsindustrie. Ende der 70er Jahre gab es erst rund ein Dutzend solcher spezialisierter Unternehmen in Bangladesch. Anfang der 80er Jahre kam der Industriezweig auf einen Anteil von knapp zwei Prozent an den Exporten. Bereits 1988 übertrafen seine Exporterlöse erstmals die aus dem traditionell starken Jutesektor. Später wurden zwei„Export Pro-cessing Zones“(EPZ) eingerichtet, in denen aus dem Ausland importierte Vorprodukte weiter verarbeitet und gleich wieder exportiert werden konnten. Ausländische Investoren erhielten steuerliche Begünstigungen und andere Vorteile(z.B. dürfen bis heute keine Gewerkschaften in den EPZ gegründet werden). Außerdem sind seit 1991 verstärkt Anstrengungen unternommen worden, durch eine Kombination von allgemeinen Zoll- und Steuersenkungen Bangladesch für ausländische Investitionen zu gewinnen. Der Erfolg blieb nicht aus: Gegenwärtig beträgt der Anteil der Fertigtextilien an den Exporten etwa 75%. Ausschlaggebend für den beispiellosen Erfolg dieses Industriezweiges ist das Multifaserabkommen(MFA). Das MFA entstand Ende der 70er Jahre vor dem Hintergrund steigender Textilimporte aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Da die Arbeitsintensität in vielen Bereichen der Textil- und vor allem der Bekleidungsindustrie sehr hoch ist, wirkten sich die geringen Lohnkosten dieser Länder erheblich auf ihre Wettbewerbsfähigkeit aus. In den Industrieländern drang die dortige Textilindustrie auf Schutzmaßnahmen, ohne die sie nicht überlebensfähig gewesen wäre. Um den Zusammenbruch des Industriezweiges zu verhindern, missachtete man das Postulat des Freihandels und unterstellte den Textilbereich nicht den Regeln des GATT. Stattdessen wurde mit
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