FES-Analyse: Bangladesch Während die Regierung den Reisanbau fördert, vernachlässigt sie den Anbau von Ölsaaten und Hülsenfrüchten, deren Produktion zuletzt unter das Niveau von vor 20 Jahren fiel; bei stark gestiegener Bevölkerung. Hülsenfrüchte sind nicht nur ökologisch wertvoll, indem sie Stickstoffe im Boden fixieren, sondern spielen auch für die Ernährung eine wichtige Rolle. Was für die Hülsenfrüchte gesagt wurde, stimmt teilweise auch für Fisch, der die wichtigste tierische Proteinquelle für das Gros der Bangladeschis ist. Wo früher in den Reisfeldern Fischzucht betrieben wurde, dominiert heute eine lebensfeindliche Umwelt, die mit einem breiten Arsenal an Unkraut- und Insektenmitteln aufrechterhalten wird. Dadurch bleibt die Fischzucht aus, und es 11 entfallen neben wichtigen Proteinen und Vitaminen auch Einkommensmöglichkeiten. Der Fokus„Reis“ in der landwirtschaftlichen Produktion wird nicht aufrecht zu erhalten sein unter den gegebenen Umständen der ökologischen Degradation und ernährungsphysiologischen Verarmung mit Konsequenzen für die Volksgesundheit sowie den impliziten ökonomischen Problemen. Eine Politik, die statt Nahrungsmittelsicherheit Ernährungssicherheit anstrebt, wird bestrebt sein müssen, bei der landwirtschaftlichen Produktion die regenerativen Fähigkeiten der Umwelt, den Gesundheitsaspekt und die Wertschöpfungspotenziale der Agrarprodukte zu beachten. Die Wirtschaft: Status quo und Ausblick Derzeit signalisieren volkswirtschaftliche Indikatoren einen leichten Aufschwung. Das Wirtschaftswachstum für das Haushaltsjahr 2002/ 2003 wird auf 5,2% geschätzt, nach 4,4% im Vorjahr. Dazu beigetragen haben die zuletzt zu verzeichnenden Produktionszuwächse in der Landwirtschaft, ein erstarkter Export insbesondere von Fertigtextilien und die wieder zunehmenden Auslandsüberweisungen der vor allem im Nahen Osten und in Südostasien beschäftigten bangladeschischen Gastarbeiter. Letztere lagen zuletzt bei annähernd drei Milliarden US-Dollar; das entspricht fast der Hälfte der gesamten Exporterlöse des Landes. Der 11. September, der Krieg und die Kriegsfolgen im Irak sowie die Infektionskrankheit SARS haben keinen oder keinen nennenswerten Einfluss mehr auf die Volkswirtschaft des Landes und gefährden den Aufschwung nicht. Die asiatische Entwicklungsbank geht für das Haushaltsjahr 2003/2004 gar von einem Wirtschaftswachstum von 5,8% aus und macht dafür die zunehmende Nachfrage nach Bangladesch-Produkten aus den OECD-Ländern und stetige, wenn auch langsame Reformfortschritte verantwortlich. Hier sind die Anstrengungen der Regierung zu nennen, den Bankensektor zu sanieren, der Jahrzehnte lang politisch motivierte Kredite vergab, ohne die Absicht zu hegen, sie jemals zurück zu erhalten. Ferner will sie die verlustreichen Staatsunternehmen privatisieren, deren Anteil zwar am BIP stetig zurückgegangen ist, die aber milliardenschwere Löcher in die Staatskassen rissen, und schließlich sollen die Basis der Steuerzahler erhöht und bestehende Steuerschulden eingetrieben werden, um die Abhängigkeit von ausländischen Mitteln zu reduzieren. Erfreulich sind auch die kräftig angestiegenen Devisenbestände mit zuletzt 1,8 Milliarden USDollar. Gleichwohl bleibt Bangladesch mit einem pro-Kopf-Einkommen von 1.602 US-Dol-
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