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Bangladesch 2003 : Hypotheken und Herausforderungen
Entstehung
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6 men. Das Bevölkerungswachstum und die damit verbundene Notwendigkeit, Grundbedürfnisse trotz einer generell unzulänglichen Ressourcen­ausstattung zu befriedigen, und das Damokles­schwert der Meeresspiegelerhöhung mit unge­wissen Folgen erweitern die Liste von Problemen, komplettieren sie aber nicht. So sind neben den schon traditionell verhärteten parteipolitischen Linien seit einigen Jahren tiefe Gräben innerhalb der Zivilgesellschaft erkenn­bar. Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen (NRO), Gewerkschaften oder Pressevertretern wer­den von den politischen Parteien argwöhnisch ver­folgt. Statt dagegen aufzubegehren, denunzieren sich die Vertreter der Zivilgesellschaft gegensei­tig, um daraus politischen Vorteil zu ziehen. Besonders ausgeprägt ist die Spaltung innerhalb der entwicklungspolitischen NRO. Diese zivilge­sellschaftlichen Gruppen sind von erheblicher Be­deutung für die soziale Entwicklung des Landes, zumal sie oft über direkte ausländische Partner und mithin Geldmittel verfügen. Nach dem Wahl­sieg der BNP begann Khaleda Zia einen Feldzug FES-Analyse: Bangladesch gegen solche Gruppen, die sich ihres Erachtens während des Wahlkampfes offen auf die Seite der BAL gestellt hatten, darunter einige der größten Organisationen des Landes. Mitarbeiter der NRO wurden befragt, teilweise verhaftet und Entwick­lungsgelder aus dem Ausland eingefroren. Kha­leda Zia erklärte, dass ihre Regierung politische Parteinahme durch NRO nicht dulden werde und kündigte ein neues Gesetz zur Kontrolle ihrer Aktivitäten an. Schützenhilfe erhält sie vom Re­gierungspartner Jamaat-e-Islami, dem NRO in to­to verdächtig sind, weil sie für mehr Rechte von Frauen eintreten. Aber auch das NRO-Lager ist gespalten. Einige prominente Führer haben nicht vergessen, wie sie von BAL-Anhängern um Amt und Würden innerhalb des zentralen NRO-Dach­verbandsAssociation of Development Agencies in Bangladesh(ADAB) gebracht wurden. Mit der BNP in der Regierung sehen diese Organi­sationen nun die Zeit der Rache gekommen. Ein neuer NRO-Dachverband mit erheblicher, wenn auch nicht unbedingt ideologischer Nähe zur BNP wurde Anfang 2003 gegründet; die Spaltung der Nichtregierungs-Organisationen dürfte mithin anhalten. Keine Chance für einen radikalen Fundamentalismus Bangladesch ist ein überwiegend islamisches Land. Etwa 87% der Bevölkerung bekennen sich zum Islam, 12% zum Hinduismus und der geringe Restanteil entfällt auf Buddhisten, Christen und Animisten. An vielen Beispielen, hier sind v.a. die Frucht­barkeitsrituale zu nennen, wird der synkretis­tische Charakter des Islam in Bangladesch deut­lich. Bevor er im 12. Jahrhundert nach Benga­len kam und sich in den darauf folgenden Jahr­hunderten durchSufis undPirs ausbreitete, be-standen schon starke hinduistische und bud­dhistische Traditionslinien; der Islam erhielt seine eigentümliche bengalische Färbung. Das Gros der Bangladeschis bekennt sich zum sun­nitischen Islam.Islamische Identität bezieht sich jedoch eher auf eine Gruppenzugehörigkeit und nicht notwendigerweise auf eine feste Glaubensmeinung oder ein festes islamisches Weltbild. Das Handeln der Menschen ist sehr pragmatisch, dies gilt auch für die Religion. Die Weltsicht hängt stärker ab vom Geschlecht und den damit verbundenen Möglichkei­ten der Informationsbeschaffung und des Informa­tionsaustausches denn von der Religion.