6 men. Das Bevölkerungswachstum und die damit verbundene Notwendigkeit, Grundbedürfnisse trotz einer generell unzulänglichen Ressourcenausstattung zu befriedigen, und das Damoklesschwert der Meeresspiegelerhöhung mit ungewissen Folgen erweitern die Liste von Problemen, komplettieren sie aber nicht. So sind neben den schon traditionell verhärteten parteipolitischen Linien seit einigen Jahren tiefe Gräben innerhalb der Zivilgesellschaft erkennbar. Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen (NRO), Gewerkschaften oder Pressevertretern werden von den politischen Parteien argwöhnisch verfolgt. Statt dagegen aufzubegehren, denunzieren sich die Vertreter der Zivilgesellschaft gegenseitig, um daraus politischen Vorteil zu ziehen. Besonders ausgeprägt ist die Spaltung innerhalb der entwicklungspolitischen NRO. Diese zivilgesellschaftlichen Gruppen sind von erheblicher Bedeutung für die soziale Entwicklung des Landes, zumal sie oft über direkte ausländische Partner und mithin Geldmittel verfügen. Nach dem Wahlsieg der BNP begann Khaleda Zia einen Feldzug FES-Analyse: Bangladesch gegen solche Gruppen, die sich ihres Erachtens während des Wahlkampfes offen auf die Seite der BAL gestellt hatten, darunter einige der größten Organisationen des Landes. Mitarbeiter der NRO wurden befragt, teilweise verhaftet und Entwicklungsgelder aus dem Ausland eingefroren. Khaleda Zia erklärte, dass ihre Regierung politische Parteinahme durch NRO nicht dulden werde und kündigte ein neues Gesetz zur Kontrolle ihrer Aktivitäten an. Schützenhilfe erhält sie vom Regierungspartner Jamaat-e-Islami, dem NRO in toto verdächtig sind, weil sie für mehr Rechte von Frauen eintreten. Aber auch das NRO-Lager ist gespalten. Einige prominente Führer haben nicht vergessen, wie sie von BAL-Anhängern um Amt und Würden innerhalb des zentralen NRO-Dachverbands„Association of Development Agencies in Bangladesh“(ADAB) gebracht wurden. Mit der BNP in der Regierung sehen diese Organisationen nun die Zeit der Rache gekommen. Ein neuer NRO-Dachverband mit erheblicher, wenn auch nicht unbedingt ideologischer Nähe zur BNP wurde Anfang 2003 gegründet; die Spaltung der Nichtregierungs-Organisationen dürfte mithin anhalten. Keine Chance für einen radikalen Fundamentalismus Bangladesch ist ein überwiegend islamisches Land. Etwa 87% der Bevölkerung bekennen sich zum Islam, 12% zum Hinduismus und der geringe Restanteil entfällt auf Buddhisten, Christen und Animisten. An vielen Beispielen, hier sind v.a. die Fruchtbarkeitsrituale zu nennen, wird der synkretistische Charakter des Islam in Bangladesch deutlich. Bevor er im 12. Jahrhundert nach Bengalen kam und sich in den darauf folgenden Jahrhunderten durch„Sufis“ und„Pirs“ ausbreitete, be-standen schon starke hinduistische und buddhistische Traditionslinien; der Islam erhielt seine eigentümliche bengalische Färbung. Das Gros der Bangladeschis bekennt sich zum sunnitischen Islam.„Islamische Identität“ bezieht sich jedoch eher auf eine Gruppenzugehörigkeit und nicht notwendigerweise auf eine feste Glaubensmeinung oder ein festes islamisches Weltbild. Das Handeln der Menschen ist sehr pragmatisch, dies gilt auch für die Religion. Die Weltsicht hängt stärker ab vom Geschlecht und den damit verbundenen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und des Informationsaustausches denn von der Religion.
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