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Bangladesch 2003 : Hypotheken und Herausforderungen
Entstehung
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14 einheimischen Produktion von Stoffen und Gar­nen, ausreichende und zuverlässige Strom- und Wasserversorgung und vor allem eine deutliche Senkung wirtschaftlich und politisch motivierter Streiks. Letztere erschweren auch die dringend be­nötigten ausländischen Direktinvestitionen, die Ban­gladeschs Vernetzung mit anderen Ländern voran­treiben können, technischen Fortschritt voranbrin­gen und die Gesellschaft des Landes noch stärker mit den Spielregeln der Weltgesellschaft und-wirtschaft bekannt machen und für ihre Akzeptanz werben. Exportieren ja, aber was? Es wird auch nicht ausreichen, die Textil- und Be­kleidungsindustrie des Landes auf die Bedingungen einer liberalisierten Weltwirtschaft einzuschwören und auszurichten. Bangladesch muss seine Export­struktur diversifizieren, um nicht endgültig zum Armenhaus Südasiens zu werden. So gilt es, bei­spielsweise Antworten auf die Frage zu finden, wie der ehemals starke Exportschlager Jute wieder an Bedeutung gewinnen kann. Überlegungen, aus Jute Zellstoff für die Papierherstellung zu gewinnen, be­finden sich seit Jahren in der Diskussion. Damit könnte man etwa die Abhängigkeit der Printmedien von den Papiermühlen des Landes abbauen. Export­relevant sind dagegen Juteerzeugnisse von hoher Qualität und in einer Gestalt, die den Geschmack der ausländischen Abnehmer findet. Das aus den Aktivitäten der größten NRO, Bangladesh Rural Advancement Committee, hervorgegangene Un­ternehmenAarong zeigt, wie ländliche Armuts­bekämpfung und außenwirtschaftlicher Erfolg zu­sammenpassen können. Für viele Tausende von Frauen hat Aarong Arbeits- und Verdienstmög­lichkeiten geschaffen und dabei den Sprung in die Märkte der Industrieländer geschafft. In Deutsch­land ist die GEPA größter Handelspartner von Aarong. Ein anderes Exportprodukt, der Tee, wird nach jüngsten Projektionen vermutlich schon bald voll­FES-Analyse: Bangladesch ständig für den inländischen Konsum verwendet, da schon seit Jahren die einheimische Nachfrage viel höher als die Produktion ist. Garnelen sind eben­falls ein wichtiges Exportprodukt, doch sie sorgen für sozialen Brennstoff und fordern einen ho­hen ökologischen Preis. Zentrum der Garnelen­wirtschaft ist derschöne Wald, die Sundarbans, ein 6.000 qkm großes Mangrovensumpfgebiet. Garnelenprojekte zerstören die Ernährungs- und Einkommensquellen traditioneller Fischer und das ÖkosystemMangrovenwälder. Die Garnelen benötigen Salzwasser. Dazu werden Dämme einge­brochen, die zu einer breitflächigen Versalzung führen. Dies hat negative Auswirkungen auf die Trink- und Grundwasserreservoire, die landwirt­schaftliche Produktion und die Waldbestände. Fällt es schon schwer, ein geeignetes Export­produkt zu bezeichnen, so wird es noch schwie­riger, die Frage nach dem richtigen Energieträger, eine kritische Inputgröße der(Export)Wirtschaft, zu beantworten. Kaum ein anderes Thema bietet Anlass für ein derart breites Meinungsspektrum in Bangladesch. Die einen halten die Erdgas-Vor­kommen für groß genug, um Bangladesch zu ei­nem prosperierenden Tigerstaat in Südasien zu machen, andere protestieren vehement gegen Ex­porte und sehen die Vorkommen schon in wenigen Jahrzehnten aufgebraucht. Bangladesch wird die Herausforderungen nur dann meisten können, wenn die Wirtschaft des Landes die geeigneten Rahmenbedingungen für eine Krea­tivitäts-, Innovations- und Qualitätsoffensive erhält. Die aktuelle Regierung hat einige richtige Zeichen gesetzt, doch fehlt ihr(noch) wie allen Vorgänger­regierungen der Mut zu umfassenden Reformen. Kosmetische Korrekturen werden nicht ausrei­chen, um Bangladesch zu mehr als einem zahn­losen Tiger zu machen und es langfristig von den überlebenswichtigen Transferleistungen aus dem Ausland Gastarbeiter, EZ-Darlehen und Kredite unabhängig werden zu lassen.