14 einheimischen Produktion von Stoffen und Garnen, ausreichende und zuverlässige Strom- und Wasserversorgung und vor allem eine deutliche Senkung wirtschaftlich und politisch motivierter Streiks. Letztere erschweren auch die dringend benötigten ausländischen Direktinvestitionen, die Bangladeschs Vernetzung mit anderen Ländern vorantreiben können, technischen Fortschritt voranbringen und die Gesellschaft des Landes noch stärker mit den Spielregeln der Weltgesellschaft und-wirtschaft bekannt machen und für ihre Akzeptanz werben. Exportieren ja, aber was? Es wird auch nicht ausreichen, die Textil- und Bekleidungsindustrie des Landes auf die Bedingungen einer liberalisierten Weltwirtschaft einzuschwören und auszurichten. Bangladesch muss seine Exportstruktur diversifizieren, um nicht endgültig zum Armenhaus Südasiens zu werden. So gilt es, beispielsweise Antworten auf die Frage zu finden, wie der ehemals starke Exportschlager Jute wieder an Bedeutung gewinnen kann. Überlegungen, aus Jute Zellstoff für die Papierherstellung zu gewinnen, befinden sich seit Jahren in der Diskussion. Damit könnte man etwa die Abhängigkeit der Printmedien von den Papiermühlen des Landes abbauen. Exportrelevant sind dagegen Juteerzeugnisse von hoher Qualität und in einer Gestalt, die den Geschmack der ausländischen Abnehmer findet. Das aus den Aktivitäten der größten NRO, Bangladesh Rural Advancement Committee, hervorgegangene Unternehmen„Aarong“ zeigt, wie ländliche Armutsbekämpfung und außenwirtschaftlicher Erfolg zusammenpassen können. Für viele Tausende von Frauen hat Aarong Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten geschaffen und dabei den Sprung in die Märkte der Industrieländer geschafft. In Deutschland ist die GEPA größter Handelspartner von Aarong. Ein anderes Exportprodukt, der Tee, wird nach jüngsten Projektionen vermutlich schon bald vollFES-Analyse: Bangladesch ständig für den inländischen Konsum verwendet, da schon seit Jahren die einheimische Nachfrage viel höher als die Produktion ist. Garnelen sind ebenfalls ein wichtiges Exportprodukt, doch sie sorgen für sozialen Brennstoff und fordern einen hohen ökologischen Preis. Zentrum der Garnelenwirtschaft ist der„schöne Wald“, die Sundarbans, ein 6.000 qkm großes Mangrovensumpfgebiet. Garnelenprojekte zerstören die Ernährungs- und Einkommensquellen traditioneller Fischer und das Ökosystem„Mangrovenwälder“. Die Garnelen benötigen Salzwasser. Dazu werden Dämme eingebrochen, die zu einer breitflächigen Versalzung führen. Dies hat negative Auswirkungen auf die Trink- und Grundwasserreservoire, die landwirtschaftliche Produktion und die Waldbestände. Fällt es schon schwer, ein geeignetes Exportprodukt zu bezeichnen, so wird es noch schwieriger, die Frage nach dem richtigen Energieträger, eine kritische Inputgröße der(Export)Wirtschaft, zu beantworten. Kaum ein anderes Thema bietet Anlass für ein derart breites Meinungsspektrum in Bangladesch. Die einen halten die Erdgas-Vorkommen für groß genug, um Bangladesch zu einem prosperierenden Tigerstaat in Südasien zu machen, andere protestieren vehement gegen Exporte und sehen die Vorkommen schon in wenigen Jahrzehnten aufgebraucht. Bangladesch wird die Herausforderungen nur dann meisten können, wenn die Wirtschaft des Landes die geeigneten Rahmenbedingungen für eine Kreativitäts-, Innovations- und Qualitätsoffensive erhält. Die aktuelle Regierung hat einige richtige Zeichen gesetzt, doch fehlt ihr(noch) wie allen Vorgängerregierungen der Mut zu umfassenden Reformen. Kosmetische Korrekturen werden nicht ausreichen, um Bangladesch zu mehr als einem zahnlosen Tiger zu machen und es langfristig von den überlebenswichtigen Transferleistungen aus dem Ausland – Gastarbeiter, EZ-Darlehen und Kredite – unabhängig werden zu lassen.
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