FES-Analyse: Bangladesch Der Friedensvertrag mit den Freiheitskämpfern in den Chittagong Hill Tracts, die Öffnung der Landesgrenzen für den Weitertransport indischer Produkte weiter in den Nordosten oder aktuell die Erdgasexporte nach Indien sind nur einige besonders brisante Themen von hoher gesellschaftlicher Bedeutung, die in der jüngeren Vergangenheit für innenpolitischen Zündstoff sorgten. Die jeweilige Opposition war und ist nicht bereit, im Parlament das Pro und Kontra einer politischen Sachfrage zu diskutieren und am Ende durch die Regierungsmehrheit in Demokratie kompatibler Weise niedergerungen zu werden. Sie verlagert stattdessen die Diskussion auf die Straße, sucht die Konfrontation, mobilisiert ihre Anhänger und zwingt die Gesellschaft zur Immobilität, indem so genannte Hartals ausgerufen werden. Bei diesen Streiks blockieren die Anhänger der den Hartal ausrufenden Partei die Straßenverbindungen und legen so das öffentliche Leben lahm. Was als Jahrzehnte altes demokratisches Recht in der Auseinandersetzung gegen Briten, Westpakistanis und später Autokraten wie Ershad gerechtfertigt erschien, erweist sich nun als kontraproduktiv, denn Hartals können nur stören und zerstören, sie können nicht aufbauen, erhalten oder eine de3 mokratische Ordnung gar weiterentwickeln. Hartals dienen entgegen der Propaganda ihrer Protagonisten auch nicht dem„Volksinteresse“, sondern dem eigennützigen Anliegen einer kleinen politischen Führungsclique, die über ein komplexes Patronagesystem Tausende von Anhängern vor das Fuhrwerk eines permanenten Showdowns mit politischen Gegnern spannt und das Volk zur Geisel nimmt. In rund sechs der vergangenen zwölf Jahre blieb die Opposition dem Parlament fern und zog das Duell auf den Straßen der Debatte in der Volksvertretung vor. Zwischen 1994 und 1996 sowie 1999 bis 2001 gab es kaum einen Monat, wo nicht an mehreren Tagen das öffentliche Transportsystem zum Erliegen kam. Die seltenen Treffen zwischen politischen Führern der beiden Parteien entlarven sich als fortgesetzter Kampf mit verbalen Mitteln. Maximalforderungen werden erhoben, ohne nach dem Preis für ihre Durchsetzung zu fragen. Nicht der politische Ausgleich wird gesucht, sondern die Auseinandersetzung. Der politische Gegner soll vorgeführt und schließlich an die Wand gedrückt werden. Parteien und ihre Konflikte Im Mittelpunkt der politischen Konfrontation steht das angespannte, durch großes Misstrauen und Unversöhnlichkeit geprägte Verhältnis der beiden größten Parteien des Landes, der „Bangladesh Nationalist Party“(BNP) und der „Bangladesh Awami League“(BAL). Die Schärfe, mit der die Auseinandersetzung geführt wird, sowie die unerbittliche Haltung der Hauptakteure haben neben dem unbedingten Machtwillen, dem sich programmatische, letztlich auch demokratische Prinzipien unterzuordnen haben, indes auch die besondere Qualität der persönlichen Beziehungen zwischen den Parteiführerinnen Sheikh Hasina und Begum Khaleda Zia als Ursache. Sheikh Hasina Wajed(BAL), Tochter des Staatsgründers Mujibur Rahman, glaubt, dass General Zia ur Rahman, Staatschef von 1975 bis 1981 und ermordeter Ehemann von Khaleda Zia (BNP), bereits im Voraus vom Attentat auf ihren Vater wusste und die Täter deckte. Dass Khaleda Zia bis heute nicht bereit ist, mehr Licht ins Dunkel zu bringen, hat das beiderseitige Ver-hältnis
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