FES Analyse Afghanistan Zerbrechlicher Fortschritt Conrad Schetter Mai 2005 Drei Jahre nach dem Fall der Taliban hat sich die Situation in Afghanistan grundsätzlich ver bessert. Die verschiedenen Etappen des Friedensprozesses konnten, wenn auch mit Verzöge rungen, eingehalten, und eine gewisse politische Ordnung etabliert werden. Die Präsident schaftswahlen im Oktober 2004 stellten einen wichtigen Schritt für die Etablierung einer legi timierten Regierung dar. Auch die allgemeine sozioökonomische Situation der Bevölkerung hat sich verbessert. Sofern die internationale Gemeinschaft ihr militärisches wie entwick lungspolitisches Engagement beibehält, hat Afghanistan in 15 bis 20 Jahren die Chance einer Friedenskonsolidierung und kann damit zu einem der wenigen positiven Beispiele inter nationaler Interventionspolitik werden. Nach wie vor besteht eine Vielzahl von Konfliktpotentialen. Dazu gehören die militante Oppositionshaltung der Taliban in Süd und Südostafghanistan, die Verbreitung von Warlords, ein starker Land Stadt Gegensatz, schwach ausgebildete Staatlichkeit, ethno religiöse Konkurrenzen, ausgeprägtes Klienteldenken und die vorherrschende Bürgerkriegsökonomie, v.a. Drogenanbau und schmuggel. Die für September 2005 vorgesehenen Parlamentswahlen bergen das Potential, gewalteskalierend zu wirken, wenngleich bei einer Kontinuität des internationalen Engagements ein Rückfall des Landes in den Bürgerkrieg eher auszuschließen ist. In Afghanistan, einem Land, in dem sich Staatlichkeit nur rudimentär entfalten konnte, brachen infolge des 1979 ausbrechenden Kriegs sämtliche staatlichen Strukturen zusammen. Nachdem in den ersten Jahren nach dem Sturz der Taliban zunächst die Warlords einen Staatsaufbau verhinderten, gewinnt die afghanische Regierung gegenüber den Kriegsfürsten seit 2003 zunehmend an Oberwasser. Zudem nahm seit Herbst 2004 die Anzahl gewaltsamer Auseinandersetzungen kontinuierlich ab, was auf eine allmähliche Stabilisierung schließen lässt. Jedoch mangelt es in Afghanistan nach wie vor an staatlichen Kapazitäten sowie zivil gesellschaftlichen und demokratischen Institutionen, die den Friedensprozess abstützen. Aufgrund des hohen finanziellen Engagements der internationalen Gemeinschaft kommt der physische Wiederaufbau in Afghanistan(v.a. in den Städten) schnell voran. Jedoch ist das Vorgehen der internationalen Gemeinschaft durch das Nebeneinander sich häufig kontrastie render Strategien geprägt, was sich auf die Effizienz des Entwicklungsprozesses negativ aus wirkt. Eine Prioritätenbestimmung und Festsetzung von Zeithorizonten für die Umsetzung sicherheits und entwicklungspolitischer Ziele fand bislang kaum statt. Soll der Wiederaufbau Afghanistans gelingen, ist eine bessere Abstimmung und strategische Ausrichtung der inter nationalen Aktivitäten von Nöten. Herausgeber und Redaktion: Hans Mathieu, Friedrich-Ebert-Stiftung, Internationale Politikanalyse, 10785 Berlin, Tel.: 030-26935-838, Fax: 26935-860, e-mail: hans.mathieu@fes.de
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten