FES Analyse: Afghanistan gegenüber den Panjshiris seit 2003 zunehmend die Oberhand, da sie es vermochten, wichtige Schlüsselpositionen zu besetzen, sich als verlässliche Ansprechpartner der internationalen Gemeinschaft zu positionieren und den Fluss der Wiederaufbauhilfen zu kontrollieren. Karzai wechselte nach seiner Bestätigung durch die Loya Jirga im Juni 2002 nur wenige Minister aus und entließ bis Sommer 2004 nur Innenminister Taj Mohammad Wardak im Januar 2003 und Planungsminister Mohaqeq im März 2004. Drei Minister fielen unter ungeklärten Umständen Attentaten zum Opfer: Abdur Rahman(Minister für Luftfahrt) im Januar 2002, Haji Qadir (Innenminister) im Juli 2002 und Sadiq Mir Wais (Minister für Luftfahrt) im Februar 2004. Ein wesentliches Problem der Regierung ist, dass ihr nur ein geringes Budget an ausländischen Geldern zusteht, sie aber auch nicht über die Mittel verfügt, Zölle oder Steuern zur Aufbesserung der Staatskasse einzutreiben. Zudem sind die Trägerstrukturen innerhalb der Ministerien und staatlichen Verwaltungen nur schwach ausgebildet. So bedingt das niedrige 7 Niveau der Gehälter ein permanentes Abwandern der qualifizierten Kräfte zu großen und gut zahlenden Organisationen(z.B. VN, NROs). Patronage dominiert die Rekrutierung staatlicher Mitarbeiter, um Ressourcen in die Hände der eigenen Klientel zu kanalisieren. So besetzte Verteidigungsminister Mohammad Fahim nahezu alle Positionen mit seinen Getreuen: 90 der 100 Generäle, die Fahim 2002 ernannte, waren Tadschiken aus dem Panjshirtal. Auch vermochten es die für Fragen der Sicherheit zuständigen Ministerien der Verteidigung und des Inneren nicht, notwendige Reformen durchzuführen und einen Gegenpol zu den Kommandeuren zu bilden, die das Land kontrollierten. Positive Akzente setzte der ehemalige Weltbank-Mitarbeiter Ashraf Ghani als Finanzminister. Mit der Erarbeitung nationaler Entwicklungsprogramme und entsprechenden Budgets vermochte es sein Ministerium, den notwendigen Rahmen für die Entwicklungszusammenarbeit zu setzen. Auch konnte bereits 2002 reibungslos eine neue Währung eingeführt werden. Die Loya Jirga 2002 und 2003/4 Die Emergency Loya Jirga, die eine neue Übergangsregierung bestimmen sollte, fand im Juni 2002 statt. Das Gros der 1600 Delegierten wurde in einem mehrwöchigen Prozess frei gewählt, was ein wichtiges Signal für die afghanische Zivilbevölkerung setzte. Dennoch wurden die Wahlen wie auch die Loya Jirga selbst von Bestechungen, Repressionen und Attentaten überschattet. Besonders die Warlords verstanden es, sich und ihre Favoriten im Wahlprozess durchzusetzen. Zudem nominierte die Wahlkommission einflussreiche Führer, die nicht gewählt worden waren, entgegen den demokratischen Vorgaben, um ihr politisches Gewicht zu berücksichtigen. Während langatmige Reden zwei Wochen lang die Plenarsitzungen zum Nebenschauplatz degradierten, trafen die einflussreichsten Führer – unter diesen Warlords und Islamisten – hinter verschlossenen Türen die Entscheidungen. Zudem nahmen die USA über Zalmay Khalilzad starken Einfluss auf die Ereignisse. So setzte Khalilzad recht offensichtlich durch, dass Burhanuddin Rabbani und Zahir Schah ihre Ambitionen auf ein staatstragendes Amt aufgaben und damit Karzai aufgrund mangelnder Konkurrenz von den Delegierten der Loya Jirga nahezu einstimmig zum Übergangspräsidenten gewählt wurde. Mit seiner Wahl war die Loya Jirga beendet und Karzai betraut, eine Regierung zusammenzustellen, die im Wesentlichen der alten entsprach. Die Verfassungsgebende Loya Jirga (14.12.2003–04.01.2004) verlief in gewisser Weise ähnlich. Aus den Teilnehmern der Emergency Loya Jirga wählte die Bevölkerung in geheimen Wahlen im Sommer/Herbst 2003 auf Provinzebene 450 Delegierte. Um den Einfluss der politischen Elite sicher zu stellen, war es Präsident Karzai gestattet, 50 weitere Delegierten, unter diesen etwa Rashid Dostum, persönlich zu ernennen. Erneut bildete nicht die
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