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Afghanistan : zerbrechlicher Fortschritt
Entstehung
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16 US-Dollar zahlen, während die afghanische Wäh­rung häufig nicht akzeptiert wird. Schließlich fühlen sich gerade in Kabul viele Afghanen von FES Analyse: Afghanistan dem westlichen Lebensstil(z.B. Alkohol, Parties, freizügige Kleidung), den viele Ausländer vor­leben, provoziert. Gesellschaftliche Konfliktfelder Obgleich die internationale Intervention eine poli­tische Stabilisierung und einen sichtbaren Ent­wicklungsschub bewirkten, ist die afghanische Gesellschaft noch weit davon entfernt, einen selbst getragenen Entwicklungsprozess in Gang zu setzen: So belasten schwer lösbare ökonomische Interessenkonflikte, im Krieg gewachsene Ressenti­ments sowie das Auseinanderklaffen der Vorstel­lungen über den zukünftigen Zuschnitt Afghanis­tans die politischen Auseinandersetzungen. In die­sen Bereichen kommt es immer wieder zu Span­nungen, die die Konsolidierung des Friedens in Frage stellen. Hier positive Veränderungen zu er­zielen, dürfte eine der schwierigsten und lang­wierigsten Aufgaben der Entwicklungspolitik dar­stellen, zumal es an selbst tragenden zivilgesell­schaftlichen und politischen Institutionen mangelt. Die ökonomische Situation in Afghanistan ist dadurch geprägt, dass das Gros der Menschen am Rande des Existenzminimums lebt und um das tägliche Überleben kämpft; Überlebens­strategien, die Afghanen in den letzten 25 Jahren entwickelten, basieren häufig auf Schmuggel und Anbau von Schlafmohn. Erhöht wird der Druck auf die afghanische Ökonomie durch die teilweise erzwungene Rückkehr von über drei Millionen Afghanen aus Iran und Pakistan. Im Großraum Kabul entstanden Auffanglager für rückkehrende Flüchtlinge, in denen die Lebens­bedingungen unzureichend sind. Überhaupt ist Kabul kaum in der Lage, die Ernährungs-, Wasser- und Energieversorgung für fast drei Millionen Menschen sicherzustellen. Wie schnell sich diese unzureichenden ökonomischen Bedin­gungen destabilisierend auswirken können, ver­deutlichten Studentendemonstrationen im Novem­ber 2002, die die miserablen Lebensbedingungen in den Wohnheimen anprangerten und in Straßenschlachten mit der Kabuler Polizei ende­ten, die vier Todesopfer forderten. Jedoch sind es nicht nur die unzureichenden ökonomischen Ressourcen, sondern vor allem die oft ungeklär­ten Besitzstände um Immobilien, Wasserrechte und Agrar- und Weideland, die auf lokaler Ebene häufig zu Konflikten führen. So sind vielfach Rechtsfragen um Landtitel ungeklärt, da Grundstücke im Verlauf des Krieges gleich mehrfach die Hände wechselten. Im Gros der lokalen Konflikte, die gewaltsam ausgetragen werden, geht es etwa um Landrechtsfragen. Auch gibt es in Afghanistan kaum einen Konsens über die Zukunft des Landes. Die Politisierung kultureller Muster während des Krieges bedingte eine gesellschaftliche Fragmen­tierung. So waren alle Kriegsparteien bemüht, über die Propaganda lokaler, religiöser, eth­nischer, regionaler oder ideologischer Identitäten Anhänger zu gewinnen und hierüber ihre politische Existenz zu legitimieren. Dies hat zur Folge, dass in der gegenwärtigen Situation jeder Afghane einer bestimmten Gruppe bzw. einer bestimmten ideologischen Strömung zugewiesen wird. Vertieft werden diese gesellschaftlichen Brüche dadurch, dass Gesellschaftsvorstellun­gen frontal aufeinanderprallen, die kaum miteinander zu vereinbaren sind: So kollidieren moderne, von der westlichen Gesellschaft ge­prägte Vorstellungen mit traditionellen, die in der Regel mit Rückgriff auf den Islam begründet werden. Besonders an der Frage der Stellung der Frau entzündet sich dieses Konfliktpotential: Während vielen Frauen in Kabul und Herat die rechtliche und alltägliche Gleichstellung von Mann und Frau nicht schnell genug geht, dominieren in großen Teilen der afghanischen Bevölkerung patriarchalische Gender-Vorstel­lungen, die dem herrschenden Entwicklungsdis­kurs diametral entgegenstehen. Interessant ist, dass trotz dieser Politisierung kultureller Muster in der afghanischen Bevölkerung der Glaube an eine gemeinsame nationale Identität überwiegt. Daher ist das Szenario eines Auseinanderfallens Afghanistans in mehrere unabhängige Staaten nahezu ausgeschlossen.