12 entsenden konnte. Anfang 2005 betrug die Armeestärke fast 20.000 Mann. Auch lässt Karzai die Gouverneure, unter denen der Anteil an Warlords hoch ist, von Provinz zu Provinz rotieren, um einer Verfestigung ihrer Macht entgegenzuwirken. Visueller Ausdruck des seit 2004 zu beobachtenden Machtverlusts der Warlords ist die abnehmende Anzahl der Checkpoints an Überlandstraßen. Wenngleich sich eine allmähliche Stärkung der Zentrale gegenüber den Warlords beobachten lässt, stellen die Milizstrukturen nach wie vor ein Hindernis für die Etablierung eines staatlichen Gewaltmonopols dar. Das Disarmament, Demobilization and Reintegration(DDR)-Programm, das die afghanische Regierung im Herbst 2003 in Angriff nahm, zeitigte zunächst FES Analyse: Afghanistan symbolische Erfolge. So konnte eine große Anzahl an Panzern und schweren Geschützen konfisziert werden – jedoch handelte es sich hierbei meist um veraltete oder kaum noch einsetzbare Waffensysteme. Die Demobilisierung der Milizionäre kam zunächst schleppend voran und gewann erst 2004 an Fahrt: Bis Oktober 2004 wurden ca. 20.000 Milizionäre demobilisiert und durch Ausbildung und Umschulung in den zivilen Arbeitsmarkt integriert. Ein wesentlicher Mangel des DDR-Programms ist, dass es sich auf die vollberuflichen Milizionäre konzentriert und die Gelegenheitsmilizionäre, die das Gros der Gewaltakteure darstellen, nicht berücksichtigt. So stellen Waffen in Abwesenheit verlässlicher staatlicher Sicherheitsorgane nach wie vor die wichtigste Lebensversicherung dar. Afghanistan – ein Narcostate Seit Mitte der 1990er Jahre entwickelte sich Afghanistan zum wichtigsten Opiumanbauland der Welt: 2004 wurden 4.200 t Opium in Afghanistan produziert, was 87% des Weltmarktvolumens entspricht. Obgleich nicht einmal 3% der landwirtschaftlichen Fläche mit Schlafmohn bebaut wird, stellt die Opiumproduktion den wichtigsten Wirtschaftsfaktor des Landes dar. Ungefähr 37% des Bruttoinlandsprodukts macht die Opiumökonomie aus. Auf einen US$ Entwicklungshilfe kommen zwei US$, die in der Drogenwirtschaft verdient werden. Jedoch ergeben sich jährlich ernorme Schwankungen, die vor allem auf Veränderungen von Angebot und Nachfrage zurückzuführen sind. Während 2003 die Bauern am Opiumanbau ca. 1,2 Mrd. US$ verdienten, waren es 2004 nur noch 600 Mio. US$ aufgrund eines rapiden Preisverfalls. Wenngleich 2004 ein Opiumbauer im Schnitt nur 1.700 US$ anstelle von 3.900 US$(2003) verdiente, lag der Gewinn dennoch um das 12-fache über dem, was er mit Getreide verdient hätte. So muss bedacht werden, dass die Auswirkungen des Opiumanbaus für viele Afghanen bislang überwiegend positiv sind. Schlafmohn ist eine an die natürlichen Gegebenheiten des Landes ideal angepasste Pflanze, die anspruchslos ist und wenig Wasser benötigt. Auch erleben Provinzen wie Badakhshan und Uruzgan, die stets als die Armenhäuser des Landes galten, mit dem Drogenanbau einen enormen Entwicklungsschub. Symbolischer Ausdruck hiervon ist die Verbreitung von neu gebauten Häusern, Geländewagen oder Mobiltelefonen. Zudem ließ der Opiumanbau die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auseinander klaffen, sondern sorgte dafür, dass auch landlose Bauern, die sich Land pachten, besser gestellt sind. Ein weiterer positiver Aspekt der Drogenwirtschaft ist, dass der Anbau von Schlafmohn sehr arbeitsintensiv ist: 356.000 Familien bzw. 2,3 Mio. Afghanen, was 10% der Gesamtbevölkerung entspricht, sind in den Drogenanbau involviert. Hierdurch können gerade auf dem Land, wo es ansonsten kaum Beschäftigungsmöglichkeiten gibt, viele Arbeitskräfte gebunden werden. Im afghanischen Drogenhandel konnten sich bislang kaum Drogenkartelle herausbilden. Selbst der Aktionsradius der Großhändler endet meist hinter der afghanischen Grenze und reicht allenfalls bis zum Persischen Golf. So kommt der Gewinn einer großen Anzahl an Kleinhändlern zugute, und haben die Bauern einen gewissen Spielraum, den Preis mitzugestalten. Die Annahme, dass Kriegsfürsten oder Drogebarone
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