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Afghanistan : zerbrechlicher Fortschritt
Entstehung
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4 Gorbatschows zogen sich die sowjetischen Truppen 1989 aus Afghanistan zurück. Der Konflikt entwickelte sich nun zu einem inner­afghanischen. Die Einstellung der finanziellen Unterstützung des kommunistischen Regimes 1992 hatte zur Folge, dass die afghanische Regierung ihre Milizen nicht mehr zahlen konnte, sich diese von Kabul lossagten und Najibullah gestürzt wurde. Afghanistan frag­mentierte zwischen 1992 und 1994 in unzählige Kriegsfürstentümer, die von konkurrierenden Warlords beherrscht wurden, während sich die Mujahidin-Führer vor allem Gulbuddin Hek­matyar und Ahmad Schah Massud einen erbitterten und zerstörerischen Kampf um Kabul leisteten. Die Regierung des Islamisten Bur­hanuddin Rabbanis, der für sich das Präsiden­tenamt vom 28. Juni 1992 bis zum 22. Dezember 2001 in Anspruch nahm, blieb wirkungslos. Eine Wende des Krieges erfolgte mit dem Auftreten der Taliban(Religionsschüler) in Süd­afghanistan im Spätsommer 1994. Die Taliban breiteten sich in einem rasanten Tempo aus und nahmen im September 1996 Kabul ein. Seit 1998 kontrollierten sie das gesamte Land abgesehen von Nordostafghanistan, wo die Nordallianz, ein Zusammenschluss der Gegner der Taliban, unter Führung Massuds Widerstand leistete. Die Taliban errichteten in Afghanistan FES Analyse: Afghanistan einIslamisches Emirat, in dem die Bevölke­rung entsprechend ihrer eigenwilligen Islam­Interpretationen drangsaliert wurde. Besonders schwache Bevölkerungsgruppen wie Frauen und ethno-religiöse Minderheiten litten unter dem Taliban Regime. Unter den Taliban ent­wickelte sich Afghanistan zur Drehscheibe eines globalisierten, locker miteinander verwo­benen Netzwerks militanter Islamisten. Obgleich bereits in den 1980er Jahren militante Islamisten aus aller Welt nach Afghanistan kamen, um am Jihad gegen die sowjetischen Besatzer teilzuneh­men, festigten sich deren Strukturen erst unter den Taliban, was in der Entstehung von al-Qaida mündete. Als Drahtzieher der Anschläge auf die US-Botschaften in Dar-es-Salaam und Nairobi 1998 erkannten die USA Osama bin Ladin; sie flogen als Vergeltungsakt am 20. August 1998 Raketenangriffe auf islamistische Ausbildungs­lager in Ostafghanistan. Der Schutz, den die Tali­ban Osama bin Ladin gewährten, belastete zuneh­mend die Beziehungen zur internationalen Gemein­schaft und hatte am 19. Dezember 2000 weit reichende Sanktionen gegen die Taliban zur Folge. Die Antworten der Taliban waren die Zerstörung der Statuen von Bamyan am 10. März 2001 und die am 5. August erfolgte Verhaftung von Mit­arbeitern der Hilfsorganisation Shelter Now mit dem Vorwurf der christlichen Missionierung. Der Fall der Taliban und die Bonner Friedenskonferenz Die Anschläge des 11. Septembers 2001 auf das World Trade Center und das Pentagon katapul­tierten Afghanistan ins Zentrum der Weltpolitik. Als Drahtzieher der Anschläge identifizierten die USA umgehend Osama bin Ladin und das islamistische Netzwerk al-Qaida. Nachdem die USA mit der Coalition against Terrorism ein Bündnis aufgebaut hatten, das nicht allein die NATO-Mitglieder und Russland umfasste, son­dern auch den Taliban nahe stehende Länder wie Saudi-Arabien und Pakistan, begann die US­Luftwaffe am 7. Oktober 2001 im Rahmen der Operation Enduring Freedom, Stellungen der Taliban zu bombardieren. Anfang November brach der Widerstand der Taliban binnen weni­ger Tage zusammen. In der Nacht vom 12. auf den 13. November gaben die Taliban Kabul auf. Am 8. Dezember 2001 verloren sie mit Kandahar ihre letzte wichtige Bastion und zogen sich in die paschtunischen Stammesgebiete in der unzu­gänglichen Grenzregion zu Pakistan und im südlichen Zentralafghanistan zurück. Wesent­liche Strategie der USA im Kampf gegen die Taliban war, am Boden die Truppen der Nord­allianz einzusetzen. Dies hatte zur Folge, dass mit dem Zusammenbruch des Taliban-Regimes im November 2002 genau dieselben Warlords, die von den Taliban Mitte der neunziger Jahre vertrieben worden waren, wieder die Macht an sich rissen und das Land unter einander aufteilten: So bemächtigten sich Rashid Dostum und Mohammad Atta des Nordens des Landes,