18 Wahlhelfer kam, blieb am Tag der Wahl die befürchtete Welle der Gewalt aus. Die in den Medien hoch gebauschte Verwendung von abwaschbarer anstelle nicht-abwaschbarer Tinte, mit der die Wähler bei der Stimmabgabe markiert wurden, hatte kaum Auswirkungen auf den Wahlausgang. Dass die gegen Hamid Karzai angetretenen Präsidentschaftskandidaten die Wahl aufgrund dieser Fehlerhaftigkeit anfechten würde, war verständlich – allein um als vermeintliche Verlierer das Gesicht zu wahren. Tatsächlich rechnete sich keiner der Kandidaten ernsthaft Chancen aus, den Wahlsieg Hamid Karzai, der mit 54% gewählt wurde, zu gefährden. Denn während seine Gegenkandidaten nur auf kleine Klientel- oder Regionalgruppen vertrauen konnten, vermochte es allein Karzai, über politische, religiöse und ethnische Grenzen hinweg in allen Lagern auf Stimmenfang zu gehen; zu seinen Unterstützern zählten demokratische Splittergruppen genauso wie Islamisten(z.B. Burhanuddi Rabbani) und Vertreter des traditionellen Establishments(z.B. Sayyed Ahmad Gilani). Trotz der vermeintlichen Chancenlosigkeit aller Präsidentschaftskandidaten gab es heimliche Sieger: So konnten Rashid Dostum und Mohammad Mohaqeq, die zu den mächtigsten Warlords des Landes gehören, die Mehrheit in ihren Herrschaftsgebieten gewinnen und erreichten landesweit 10% bzw. 11,7%. Hierüber erwarben sie eine demokratische Legitimation, die sich nicht mehr ausblenden lässt. Auch Qanuni, der 16,3% der Stimmen gewann, konnte einen Achtungserfolg verbuchen. Die Wahlbeteiligung muss differenziert betrachtet werden. In den Städten war diese Ausdruck einer nach politischer Emanzipation FES Analyse: Afghanistan strebenden Bevölkerung, die nach 35 Jahren erstmals ihr demokratisches Recht ausüben wollte. In den ländlichen Regionen dagegen fehlte den meisten Afghanen die Vorbildung für die Abhaltung demokratischer Prozesse, was nicht allein auf die hohe Analphabetenrate zurückzuführen ist. So wissen die meisten Afghanen nicht, was einen Präsidenten von einem König unterscheidet, wozu man ein Kreuz macht, was wählen bedeutet usw. Zudem waren die Rahmenbedingungen für eine individuelle politische Willensäußerung ungünstig, da in der Regel die örtlichen Potentaten und Warlords der von ihnen beherrschten Bevölkerung vorschrieben, wen sie zu wählen hatten. Die Präsidentschaftskandidaten waren seit Monaten im Land unterwegs, um die lokalen Eliten über materielle Anreize oder die Zusicherung von Posten an sich zu binden. Daher können die Wahlen zwar insgesamt als ein wichtiger und stabilisierender Schritt Afghanistans im politischen Wiederaufbau betrachtet werden, jedoch steht das Land noch lange nicht auf einem gefestigten demokratischen Boden. Das neue Kabinett, das Karzai am 23. Dezember verkündete, markiert eine Fortsetzung seines neuen Kurses. So findet sich abgesehen von Ismail Khan, der als Energieminister vorgesehen ist, kein Warlord unter den Ministern. Stattdessen wird das Kabinett von im Westen ausgebildeten Technokraten dominiert. Wenngleich die Regierung hierüber an Professionalität gewinnt, besteht die Gefahr, dass diese von der afghanischen Bevölkerung als eine„Exilregierung“ wahrgenommen wird. Zudem stieg in der neuen Regierung der Einfluss der Paschtunen weiter an. Dies bedingte eine spürbare Zunahme der Unzufriedenheit unter den ethnischen Minderheiten. Ausblick Zieht man ein Fazit der ersten drei Jahre nach dem Fall der Taliban, so fällt das Ergebnis zunächst positiv aus: Der Petersberg-Prozess konnte zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden, und die afghanische Regierung vermochte es, in Konflikten mit den Warlords politisch wie militärisch an Stärke zuzulegen. So nahm zumindest an der Oberfläche die Macht der Warlords ab und verringerten sich die gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Taliban. Diese Erfolge in den vergangenen drei Jahren wurden vor allem durch das vehemente Auftreten der internationalen Akteure in Afghanistan ermöglicht:
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