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Afghanistan : zerbrechlicher Fortschritt
Entstehung
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FES Analyse: Afghanistan 11 Die Fürsten des Krieges Ein weiterer destabilisierender Faktor ist, dass Afghanistan seit Winter 2001/02 einem politisch­militärischen Flickenteppich entspricht, in dem Kommandeure oftmals nicht mehr als eine Talschaft oder wenige Dörfer kontrollieren. Das Kriegsfürstentum in Afghanistan basiert auf der Existenz von schätzungsweise 50.000 bis 100.000hauptberuflichen Milizionären. Die Zahl derGelegenheitskämpfer ist um einiges höher und wird um das 5 bis 10fache geschätzt. Es existieren zudem sehr unterschiedliche Miliz­typen, die von gelegentlichen Selbstverteidi­gungsfronten auf Dorf- oder Stammesebene bis hin zu hoch professionellen Privatarmeen, Gangs, kriminellen Banden und verstreuten militanten Oppositionsgruppen reichen. Zudem verwischen sich die Grenzen zwischen Milizen und staatlichen Sicherheits- und Verwaltungs­organen: So bekleiden Warlords auf Provinz­und Distriktebene administrative Ämter wie die Posten von Gouverneuren oder Polizeichefs oder nehmen militärische Ränge ein; ihre Milizen haben oftmals einen offiziellen militärischen Status. Daher ist häufig nicht klar, ob die Provinzverwaltungen auf Direktive des Staates oder der herrschenden Warlords arbeiten. Die Milizen füllen das Machtvakuum, das durch das Fehlen verlässlicher und starker staatlicher Organe wie Polizei und Armee entstanden ist, indem sie Sicherheit an Dorf­gemeinschaften, Reisende und Händler ver­kaufen. Besonders entlang der Überlandstraßen etablierte sich nach dem Fall der Taliban ein Netz von Checkpoints. Die regionalen Machthaber, die die Grenzposten zu den Nachbarstaaten kontrollierten, wirtschafteten jährlich 500–600 Mio. US-$ an Grenzzöllen in die eigene Tasche. Ismail Khan, bis August 2004 selbsternannter Emir und Gouverneur von Herat, verdiente an diesem Geschäft bis zu 20 Mio. US-$ pro Monat. Auch erhielten einige Warlords ausländische Unterstützung: Die USA sollen etwa Anfang 2002 50.000 afghanische Milizionäre mit Waffen und Geld versorgt haben. Aber auch die Anrainerstaaten Pakistan und Iran sowie Russland unterstützen ihre Verbündeten: So erhielt Verteidigungsminister Mohammad Fahim 2002 für seinen persönlichen Gebrauch Logistik­und Techniklieferungen aus Russland. Ismail Khan nutzte bis 2004 geschickt die geostrate­gische Pufferlage Herats zwischen Iran und den US-Operationen im südlichen Afghanistan, um von amerikanischer wie von iranischer Seite Zuwendungen zu erhalten. Viele Warlords setz­ten zudem ihr Kapital ein, um in der legalen Wirtschaft Fuß zu fassen. So kontrollieren sie die wenigen Baustofffabriken des Landes und kaufen ganze Straßenzüge, Bauland und Acker­flächen oft unter Einsatz illegaler Mittel auf. Das Kriegsfürstentum hat zur Folge, dass die Situation außerhalb Kabuls durch das Fehlen von Sicherheit gekennzeichnet ist: Überfälle, Verge­waltigungen und Enteignungen durch Milizen sind keine Seltenheit. Die Auseinandersetzungen zwischen den Kriegsfürsten um die Kontrolle von Überlandstraßen, Heroinfeldern, Wasser­rechten und Bergbauminen bedingten zudem, dass immer wieder Kämpfe aufflackern: So bekriegten sich Raschid Dostum und Moham­med Atta beide Führer der Nordallianz in Nordafghanistan einander seit Januar 2002, und im April 2004 verjagten die Milizen von Raschid Dostum den Gouverneur der nordwestafgha­nischen Provinz Faryab. In der zentralafghani­schen Provinz Ghor vertrieben Ende Juni 2004 Milizen den Gouverneur, während in Südost­afghanistan im Frühjahr 2002 Stammesmilizen den Kriegsfürsten Bacha Khan Zadran vertrieben. Die afghanische Regierung wirkte zunächst den Warlords gegenüber recht ohnmächtig. Seit 2003 verzeichnet sie jedoch Erfolge, den Hand­lungsspielraum der Warlords sukzessiv einzu­schränken. So nutzte die afghanische Regierung immer wieder die Konkurrenz zwischen War­lords, um schwächelnden Kriegsfürsten ihren Willen aufzuzwängen: Als Ismail Khan durch Kämpfe mit konkurrierenden Warlords ge­schwächt war, nutzte Hamid Karzai die Gelegen­heit, um diesen im September 2004 als Gouerneur von Herat abzusetzen und als Minister für Energie nach Kabul zu beordern. Zudem ver­fügte die afghanische Regierung zunehmend über von den USA ausgebildete Soldaten, die sie in Krisengebiete wie Herat und Faryab