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Serbien ohne Montenegro : im Schatten des Kosovo
Entstehung
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4 von Serbien bestehen werden, ganz gleich, wie der völkerrechtliche Status Montenegros sei. Aus heu­tiger Sicht hat Djukanovic mit dieser Einschätzung Recht behalten. Im vergangenen Jahr hat jedoch noch ein weiteres, scheinbar nebensächliches Ereignis die innenpoliti­sche Debatte in Serbien geprägt. Anfang Juni zeigten mehrere serbische Fernsehsender eine Videoaufnah­me, auf der die Ermordung von(muslimischen) Bos­niaken durch serbische Freischärler während des Krieges in Bosnien und Herzegovina zu sehen war. Diese Bilder brachten ein in Serbien bis heute zum Teil verdrängtes oder verleugnetes Kapitel der jüng­sten serbischen Vergangenheit in das öffentliche Be­FES-Analyse: Serbien wusstsein: die von Serben im Namen einesethnisch reinen Großserbien begangenen Verbrechen in den balkanischen Kriegen der neunziger Jahre. Selbst Mi­nisterpräsident Kostunica sprach nach der Ausstrah­lung der über verschlungene Umwege in die Hände von serbischen Menschenrechtsaktivisten gelangten Aufnahme von einembrutalen, gnadenlosen und beschämenden Verbrechen. Die Hoffnung, die Re­gierung werde die spürbare Empörung der serbischen Öffentlichkeit über dieses Verbrechen dazu nutzen, den als untergetaucht geltenden ehemaligen Militär­führer der bosnischen Serben zu verhaften, erfüllte sich jedoch nicht. Die Gegenwart der Vergangenheit: Der Einfluss der alten Nomenklatur Gefestigten Demokratien kann der natürliche Tod eines Staats- oder Regierungschefs nicht viel anhaben. Der demokratische Motor surrt weiter, die einzelnen Schaltstellen des Systems greifen ineinander wie ge­habt. Von einigen Balkanstaaten, wo die Politik sehr viel stärker auf Personen bezogen ist, lässt sich das aber nicht oder nur bedingt sagen. Deshalb herrschte nach dem Tode von Ibrahim Rugova zu Beginn dieses Jahres eine gewisse Nervosität in der Region, zumal im Kosovo. Rugova war der zuletzt zwar nicht mehr unumstrittene, aber durch seinen Nimbus dennoch unantastbare Führer der Kosovo-Albaner. Formal nur Übergangspräsident der von den Vereinten Nationen verwalteten Provinz Kosovo, wurde er tatsächlich vor allem von den älteren Generationen der Kosovo­Albaner alsVater der kosovarischen Unabhängig­keit verehrt. Diese Unabhängigkeit von Serbien steht zwar de jure noch aus, besteht de facto jedoch seit 1999. Es war beeindruckend und lehrreich, die vielen tausend Wartenden zu sehen, die in den eisig kalten Tagen nach Rugovas Tod am 21. Januar in den Straßen Prishtinas warteten, um sich vor dem im Parlament aufgebahrten Sarg des Toten zu ver­beugen. Albaner waren sogar aus Südserbien, Ma­zedonien, Montenegro und Albanien angereist, um Rugova die letzte Ehre zu erweisen. Dies ist keines­falls eine Nebensächlichkeit, deutet sie doch auf ein regionales Zusammengehörigkeitsgefühl der Alba­ner hin. In einer weniger optimistischen Interpre­tation ließe sich auch sagen, dass nach den Jahren, in denen Europa und die Welt mit dem blutigen Schreckgespenst einesGroßserbien umzugehen hatte, dem Kontinent womöglich einGroßalba­nien droht. Doch erscheint es unwahrscheinlich, dass eine Mehrheit der albanischen Minderheiten in den Nachbarstaaten bereit sein sollte, für das Ziel der Vereinigung aller Albaner in einem Staat zu den Waf­fen zu greifen. Auch Albanien selbst lehnt, wenigstens in den öffentlichen Äußerungen seiner Spitzenpoliti­ker, neuerliche Grenzveränderungen auf dem Balkan ab. Doch vor allem die Integration der starken albani­schen Minderheit in Mazedonien ist nicht so gefestigt, dass nicht eines Tages ein Minderheitenpolitiker auf die Idee kommen könnte, mit Rufen zumindest für ein Groß-Kosovo auf Stimmenfang zu gehen. Auf klei­ner Flamme ist das durch bewusst missverständliche Äußerungen des mazedonischen Albanerführers Ar­ben Xhaferi sogar schon geschehen. Diese Tendenz gilt in gewisser Weise auch für die albanische Mehr­heit in Südserbien. Etwa zwei Monate nach Rugovas Beerdigung beherrschte die Nachricht von einem weiteren To­desfall die Region: In seiner Gefängniszelle in Scheveningen starb Slobodan Milosevic, der Mann, dem zehn Jahre reichten, um die Geschichte Südosteu­ropas im 20. Jahrhundert zu prägen wie sonst nur Jo­sip Broz Tito. Slobodan Milosevic starb an einem Herzinfarkt. Sein Tod rückte Serbien für einige Tage wieder in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Die Beerdigung in der Heimatstadt Pozarevac, etwa eine Autostunde südöstlich von Belgrad, wurde zu einer Prozession des serbischen Nationalismus. Milosevics